24h Rekord: 361 Seemeilen in 24 Stunden auf der Ostsee – Dann müssen sie gerettet werden

"Fast gesunken"

Yo Wiebel und Simon Koster erlebten auf der Jagd nach dem 24-Stunden-Rekord wahrlich einen Törn mit Hindernissen. Sie schafften mehr als 15 Knoten im Schnitt. Am Ende wurde es noch einmal dramatisch.

© Wiebel/Koster

Rekord geschafft! 361 Meilen in 24 Stunden. © Wiebel/Koster

Der 24h-Rekordversuch von Yo Wiebel und Simon Koster im Strandkat startet nicht wirklich gut. Wenige Meilen nach dem ersten Start vom Strand in Scharbeutz bricht der Foil-Aufholer und kurz vor Pelzerhaken drehen sie um. Die Leine ist schnell ausgetauscht, dann startet eine Stunde später zweite Versuch.

Aber es läuft nicht besser. Ein Knall kurz vor der Südküste von Dänemark und das Luvruder hängt nur noch unbrauchbar am Heck. Die Kassette, in der das Profil steckt, ist samt T-Foil gebrochen.

Rippen angeknackst

Das hätte eigentlich das Ende sein sollen. Irgendwie steht das Projektes ohnehin unter keinem guten Stern. Schließlich wollte das deutsch-schweizer Duo ursprünglich viel mehr. Im vergangenen Jahr planten sie, die Zeit für offene Boote auf der 458 Seemeilen langen Strecke zwischen Marseille und Karthago zu unterbieten. Nur so nebenbei sollte auch der 24h-Rekord gebrochen werden. Aber schon beim Training knackste sich Wiebel zwei Rippen nach einer heftigen Kenterung an.

© Wiebel/Koster

Der rasende Nacra 20, mit dem Wiebel und Koster der Speed-Rekord glückte. © Orsini

Doch aufgeben kommt für die beiden Extrem-Spezialisten nicht in Frage. Irgendetwas Zählbares wollen sie mitnehmen von ihrem Projekt. So darf auch ein schnöder Ruderbruch nicht das Ende sein. Am Strand telefonieren sie sich die Finger wund, um Ersatz zu beschaffen. Aber Ersatzteile sind bei den nächsten Händlern wie auch bei Nacra in Holland nicht zu bekommen.

© Wiebel/Koster

Schaden beim zweiten Versuch. Ruder-Kassette abgebrochen. © Wiebel/Koster

Schließlich sbleibt nur ein Hilferuf: “Wer leiht uns ein Ruderfoil und die BB Ruderkassette für einen Nacra 20 fcs? Ab Freitag für ca. 5 Tage… eine Reparatur schaffen wir so schnell leider auch nicht. Das heisst, unsere einzige Chance beim nächsten guten Wetterfenster ab Samstag Mittag nochmal zu starten, wäre Leihmaterial…wer kann uns hier helfen oder Kontakte weitervermitteln? Wir freuen uns über jeden Tip !!!”

Leihruder organisiert

Es klappt tatsächlich. In zwei Tagen organisiert die Community ein privates Ruder, der Kat wird aus Dänemark wieder nach Scharbeutz transportiert, und dann öffnet sich zur Belohnung noch einmal ein Wetterfenster, das den dritten Versuch sinnvoll erscheinen lässt.

Drei Tage nach dem ersten Start rauschen Wiebel und Koster erneut Richtung Skandinavien. Im Schutz der deutschen Luvküste mit reduziertem Wellengang geht es mit einer Geschwindigkeit von über 20 Knoten an Fehmarn vorbei Richtung Dänemark.

© Wiebel/Koster

Mit leuchtendem Ölzeug durch die Nacht. © Wiebel/Koster

Als Rügen querab liegt, wird es dunkel. Gegen Mitternacht liegt das schwedische Ystad querab und der Speed sinkt auf 16 Knoten. Der Vorsprung auf den angestrebten 15 Knoten Schnitt wird geringer nach vier Halsen vor der schwedischen Küste und wenig Wind nördlich von Bornholm.

Endspurt Richtung Polen

Es wird anstrengend. In den ersten Morgenstunden reichen die einstündigen Wachwechseln am Steuer nicht mehr aus. Das Highspeed-Segel auf Foils erfordert zu viel Konzentration und Energie. Schon nach halbstündigen Pausen tauschen sie die Positionen.

Aber es wird besser, als das Ziel in Sicht ist. Nach der letzten Halse vor Karlskrona beginnt der Endspurt mit Wind von Steuerbord Richtung Polen. Zwei Schläge noch vor der polnischen Küste, dann ist das Abenteuer geschafft.

Das Ergebnis: 361 Meilen in 24 Stunden. Das sind 16 Meilen mehr als die Richtzeit des Franzosen Yvan Bourgnon, der allerdings ohne Foils unterwegs war. Der Schnitt lag knapp über 15 Knoten.

Leck im Rumpf

Viel Zeit zum Freuen bleibt Wiebel und Koster allerdings nicht. Etwa zehn Meilen vor dem angesteuerten Hafen im polnischen Leba wird ihnen der immer größer werdende Wellengang zum Verhängnis. Die Rümpfe stechen in ein Tal, der Kat bremst abrupt ab.

Dabei wird die Last auf einem Foil so groß, dass es einen Riss im Schwertkasten hinterlässt. Durch das gut 30 Zentimeter große Leck strömt Wasser in einen Rumpf. Die Situation entwickelt sich dramatisch.

Ein Freund in Polen, den sie per Mobilfunk kontaktieren, muss eine Rettungsaktion einleiten. Er führt die Helfer zur Tracker-Position und per Schlepp wird der Nacra-Kat nach Leba gebracht. Erschöpft melden sich die beiden per Blog: “Wir wären beinahe gesunken…aber wir sind abgesehen von kleinen Verletzungen gesund und munter in Leba / Polen.”

Tracker 24h-Rekord

 

 

 

 

 
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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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