50 Innovationen, die das Segeln für immer verändert haben

Segeln im Wandel

Diese 50 Innovationen haben unsere Art zu segeln entscheidend geprägt:

1. Curry-Klemme

© Kai Köckeritz

Vor der Erfindung der Curry-Klemme belegte man Schoten auf Klampen. Im Zweifelsfall dauerte das Loswerfen dann die entscheidende Sekunde zu lange. Dass Manfred Curry die nach ihm benannte Schotklemme erfand, ist jedoch ein Mythos. Curry zeigte lediglich in seinem 1925 erschienen und weit verbreiteten Buch über die Aerodynamik des Segelns ein Produkt aus den USA und verbreitete die Idee.

2. Rettungsweste

© secumar

Schwimmhilfen gibt es schon etwas länger. Von einfachen Korkgürteln bis hin zu Westen aus Kork, aber alle das Problem vereinten, dass sie den Kopf nicht über Wasser halten konnten. Im schlimmsten Fall drehte die Schwimmhilfe den Körper auf den Bauch und die Person ertrank. Die deutsche Marke Secumar war hier ein Vorreiter in der Entwicklung von richtigen Rettungswesten. Mit der ersten Automatikweste Norge 3F im Jahr 1958 begann die Rettungsweste langsam in die Seeschifffahrt Einzug zu halten. Doch erst die flach gefaltete Secumar BS 8 schaffte es, auch auf Sportbooten getragen zu werden. Heute werden Westen im Hinblick auf Komfort entworfen. Denn nur eine Weste, die auch getragen wird, kann Leben retten.

3. Pinnenpilot/Autopilot

© Kai Köckeritz

Der “eiserne Gustav” gehört zu den wichtigsten Helfern des Einhandseglers. Doch auch mit kleiner Crew leistet der Pinnenpilot wertvolle Dienste. Er hält nicht nur das Schiff unter Segeln auf Kurs, sondern auch wenn der Motor läuft. Die ersten Modelle waren noch recht simpel: Eine Schubstange bediente die Pinne, während am Kompass ein Kurs einlag. Das verschaffte dem Pinnenpiloten die zweifelhafte Ehre, er sei nur unter Motor und bei glattem Wasser zu gebrauchen. Doch es hat sich viel getan. Heute können die Geräte während des Betriebs lernen, passen sich dem Schiff an und können mit Gyrosensoren sogar Wellen aussteuern. Das können sie fast schon besser als der Mensch. Doch das wichtigste: er entlastet. Wenn der eiserne Gustav den Kurs steuert, kann sich anderen Dingen gewidmet werden. Beispielsweise der Navigation, dem Trimm oder dem leiblichen Wohl.

4. Dyneema

© Gleistein

„Dyneema“ ist der Markenname einer Polyethylenfaser des niederländischen Herstellers Royal DSM. Diese Art Polyethylenfaser ist bei geringer Dichte äußerst zugfest. Bezogen auf das Gewicht ist „Dyneema“ sogar zugfester als Aramid und Kohlefaser. Daher eignet sich das Produkt nicht nur für reckarmes Tauwerk wie Fallen, sondern seine Einführung hat zu einer Neuauflage textiler Wanten und Stage geführt.

5. Dacron

© Jan Maas

Den Markennamen „Dacron“ ließ die US-Firma Dupont in den 1950er Jahren für eine Polyesterfaser eintragen. Seitdem steht »Dacron« für Polyestersegeltuch wie »Tempo« für Papiertaschentücher. Im Vergleich zu den vorher üblichen Baumwollsegeln sind Polyestersegel besser haltbar und halten ihr Profil länger. Der Weltmarktführer für Polyestersegeltuch ist heute Dimension-Polyant aus Kempen.

6. Winsch

© Jan Maas

Noch vor 150 Jahren waren Besatzungen von einigen hundert Männern erforderlich, um ein Segelschiff sicher über die Meere zu segeln. Als sich dann langsam das sportliche Yachtsegeln entwickelte, war schnell klar, dass die enormen Kräfte aus dem Rigg anders gebändigt werden müssen, als mit bloßer Manneskraft. Die entscheidende Technik gab es schon: das Ankerspill. Einrastende Sperrklinken sorgten dafür, dass die Kräfte des Ankers gehalten, aber die Kette dennoch weiter eingeholt werden konnte. Die Winsch übertrug dieses Konzept in einen anderen Maßstab. Plötzlich war es möglich, auch auf kleineren Schiffen riesige Segelflächen zu bändigen. Und das mechanische Wunderwerk wurde seither stetig weiterentwickelt. Verschiedene Übersetzungen vereinfachten das Dichtholen noch weiter. Mittlerweile gibt es Winschen mit bis zu vier Gängen.

7. GPS

© NASA

Die genaue Bestimmung der Position stellte die Seefahrer über Jahrhunderte hinweg vor Probleme. Erst mit dem Chronometer gelang im ausgehenden 18. Jahrhundert eine zuverlässige Positionsbestimmung. Das war bis in das späte 20. Jahrhundert auch die einzige Möglichkeit, die exakte Position zu bestimmen. Im Juni 1944 nutzten die Alliierten erstmals ein Funknavigationsverfahren (Decca), um “sicher” in der Normandie zu landen. Funknavigation in verschiedenen Ausführungen sollte im zivilen Bereich bis zur Jahrtausendwende die sicherste Methode zur Positionsbestimmung bleiben. Zwar bauten die Amerikaner das Global Positioning System bereits ab den 1970er Jahren auf, aber erst in den 1990er Jahren war es voll funktionsfähig und erst im Jahr 2000 schalteten die Amerikaner die künstliche Signalverschlechterung aus. Seitdem ist die Positionsbestimmung per Satellit aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der Einstieg in den Segelsport ist durch die genaue Positionsbestimmung einfacher geworden. GPS hat den Segelsport geprägt wie kaum ein anderer technischer Fortschritt und hat die weitere Entwicklung von Ausrüstung erst möglich gemacht.

8. Falt-, Drehflügelpropeller

© Archiv

Der Propeller an sich war schon ein enormer Fortschritt in der Schifffahrt, doch hatte er einen großen Nachteil bei Segelschiffen: die Propellerblätter bremsen das Schiff ab. Mit den ersten Dampfmaschinen auf Schiffen bauten die Bootsbauer komplizierte Mechanismen, um Welle und Propeller aus dem Wasser zu hieven. Als die Segel dann endgültig verschwanden, brauchte man diese Konstruktionen nicht mehr und für den Yachtbereich waren sie zu aufwendig. Erst mit Falt- und Drehflügelpropellern gab es eine Lösung für den Yachtbereich. Der Faltpropeller nutzt die Zentrifugalkraft und den Widerstand des Wassers. Ab einer bestimmten Umdrehungszahl entfalten sich die Propellerblätter und ohne Umdrehung faltet er sich zusammen. Der größte Nachteil liegt in der Rückwärtsfahrt, da sich der Propeller hier nie ganz entfaltet. Der Drehflügler funktioniert anders. Bei ihm ändert sich der Anstellwinkel (Pitch) der Propellerblätter, wenn sich die Welle dreht.

9. AIS

Die Idee hinter dem Automatic Identification System (AIS) ist einfach, aber genial: Die über das GPS ermittelte Position wird mit weiteren Parametern über UKW-Funk ausgesendet, von einem Empfänger ausgelesen und auf einem Display ausgegeben. Im Hauruckverfahren wurde das System nach den Anschlägen am 11. September 2001 von den Amerikanern durchgeboxt. Schon 2002 wurde das System Pflicht für Schiffe über 300 BRZ. Das System verbesserte die Sicherheit auf See nachhaltig. Schon 2006 wurden die ersten Class-B Transceiver zugelassen, die es auch Sportbooten erlaubten, ihre eigene Position zu senden. Bis dahin konnten sie nur empfangen. Heute sind viele Verkehrsleitzentralen auf AIS angewiesen.

10. Echolot

© Navico

Nach dem Untergang der Titanic 1912 arbeiteten Forscher in verschiedenen Ländern an Systemen zur Ortung von Hindernissen mit Hilfe von Schallwellen. In Deutschland meldete Alexander Behm 1916 und 1920 Patente für Verfahren an, welche die Wassertiefe mithilfe der Zeitverzögerung zwischen Signal und Echo bestimmen. Geräte für die Freizeit kamen nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Markt. Bis dahin war das Bleilot noch immer das Mittel der Wahl, um Wassertiefen zu bestimmen.

11. Rollreffanlage

© Kai Köckeritz

Die ersten Vorrichtungen zum Aufrollen von Vorsegeln wurden schon um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erfunden. Zum Reffen im eigentlichen Sinn waren sie wegen der Stagreiter noch ungeeignet. Erst die Verbindung mit dem Profilvorstag, das für nahtlose Segelwechsel in Regatten entwickelt worden war, erlaubte in den 1970er Jahren die Konstruktion von Anlagen, die Vorsegel stufenlos reffen konnten.

12. Atmungsaktives Ölzeug/Kleidung

© Ekkehard Erben

Schwerwetterkleidung war schon immer ein essenzieller Ausrüstungsgegenstand, doch es sollte Jahrhunderte dauern, bis es auch wirklich angenehm zu tragen war. Die ersten ölgetränkten Mäntel konnten das Wasser zwar gut abhalten, aber richtig dicht waren diese auch nicht. Der altbekannte Friesennerz war dann endlich richtig dicht, doch trocken blieb man auch nicht. Denn durch Schwitzen war man schnell nasser als ohne Ölzeug. Erst mit atmungsaktiven Stoffen wurde Segeln in Schietwetter endlich erträglich. Ohne atmungsaktives Ölzeug würden wir eine lange Segeltour bei schlechtem Wetter als Tortur bezeichnen. Ermöglicht wurde es übrigens durch ultraporöse Gewebe. Die “Löcher” in ihnen sind so klein, dass nur Wasserdampfmoleküle hindurch passen. Wasser ist zu groß und kann den Stoff nicht durchdringen

13. AIS-SART/PLB

© Weatherdock

Personal Locator Beacons (PLB) sind mehr oder weniger geschrumpfte EPIRBs, die in die Jackentasche passen. Im Notfall können sie aktiviert werden und senden ein Notsignal an das COSPAS-SARSAT-Netzwerk. Doch in Deutschland können sie nicht personengebunden, sondern nur schiffsgebunden angemeldet werden. Ein AIS-SART nutzt die AIS-Technologie und sendet über UKW (quasioptisch) auf den AIS-Frequenzen ein Notsignal, das von Empfängern auch aus solches erkannt wird. Allerdings kann das Notsignal nur von Schiffen in der Nähe empfangen werden. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, dennoch haben sie dazu beigetragen, dass Wassersport sicherer wurde. Hersteller von Rettungswesten bieten in ihren Produkten entsprechende Taschen an, damit der Notsender auf dem Wasser immer am Körper getragen werden kann.

14. Kartenplotter

© Garmin

Zusammen mit dem GPS und der elektronischen Seekarte sorgte der Kartenplotter für eine Revolution im Wassersport. Mit ihm wird die Navigation beinahe spielend einfach und so gut wie jeder aus der Crew kann mit ihm umgehen. Seit den ersten Kartenplottern, die Seekarte und Position angezeigt haben, hat sich viel getan. Der Kartenplotter ist ein Multifunktionsdisplay geworden, von dem aus das gesamte Schiff gesteuert werden kann. Instrumentendaten, Wettervorhersagen, Gezeiten, Radar, AIS und vieles mehr lässt sich auf dem Display darstellen. Und die Entwicklung geht stets voran.

15. EPIRB

© Kannad

Mitten im Kalten Krieg arbeiteten sowohl die Sowjetunion als auch die USA, Frankreich und Kanada an einem System, um Notrufe weltweit zu empfangen, weiterzuleiten und Hilfe zu leisten. Zuerst arbeiteten beide Gruppen noch an einem eigenen System, doch es stellte sich heraus, dass ‚weltweit’ bedeutet, zusammen etwas aufzubauen. So verschmolzen das russische COSPAS (Kosmitscheskaja Sistema Poiska Awarinych Sudow) und das westliche SARSAT (search and rescue satellite-aided tracking) zu einem einheitlichen System – COSPAS-SARSAT. Zu Beginn des Programms bestand das System aus Satelliten, die in einer niedrigen Umlaufbahn die Erde umkreisen. Diese LEOSAR (Low Earth Orbit Search and Rescue) genannten Satelliten decken auf ihrer Reise um die Erde nur ein vergleichweise kleines Gebiet ab, überfliegen allerdings die Pole. Daher überfliegen LEOSAR-Satelitten nie zur gleichen Zeit die gesamte Erdoberfläche, sondern erarbeiten sich die Fläche Stück für Stück wie ein Rasenmäher, der systematisch eine große Wiese mäht. Mit Satelliten in einem höheren, stationären Orbit wurde das System weiter ausgebaut. Wird eine Emergency position-Indicating radiobeacon (EPIRB) aktiviert, sendet sie über Funk ein Notsignal aus, das von einem der Satelliten empfangen und weitergeleitet wird. 74 auf der Erde verteilte Bodenstationen können die Notrufe empfangen und weiterleiten. Die Epirb wird auf ein Schiff registriert und sendet die gleiche MMSI aus, um den Notruf zuordnen zu können. 

16. Windmesser

© Garmin

Windmesser gibt es bereits länger. Zuerst waren es Schaufelräder, die wie ein Dynamo eine elektrische Spannung induzierten, die je nach Stärke eine Nadel ausschlagen ließen. Sie halfen die durch reine Beobachtung geschätzten Windstärken präziser einordnen zu können. Doch seit der Vernetzung mit dem Kartenplotter hat sich der Nutzen vervielfacht. Aus den Winddaten kann der Plotter berechnen, aus welcher Richtung der wahre Wind kommt, was der beste Kurs zum Ziel ist und wann eine Wende gefahren werden sollte. Eine unschätzbare Hilfe an Bord.

17. LED-Beleuchtung

© Hallberg Rassy, R. Tomlinson

Die Beleuchtung an Bord in Navigationslaternen und unter Deck war einer der Stromfresser Nummer 1. Anders als Halogenstrahler oder Glühlampen sind LEDs keine Temperatur- oder Wärmestrahler und besitzen einen wesentlich geringeren Energieverbauch. LED steht für Leuchtdiode (engl. ‚light emitting diode‘ oder ‚Luminiszenz-Diode‘); sie ist ein lichtemittierendes Halbleiter-Bauinstrument, dessen elektrische Eigenschaften einer Diode entsprechen. Fließt Strom durch diese winzigen Elektronikchips, strahlen sie Licht mit einer vom Halbleiter-Material abhängigen Wellenlänge ab. Licht wird emittiert; in der Lichttechnik wird der Prozess als ‚Elektroluminiszenz‘ bezeichnet. Mit einer Kantenlänge von circa einem Millimeter gehören LEDs zu den kleinsten verfügbaren Lichtquellen, die ein nahezu punktförmiges Licht abstrahlen. Die freigesetzte Energie wird im Halbleiterkristall in Licht (und Wärme) umgesetzt. Schon geringe Energie reicht aus, um sie zum Leuchten zu bringen. Mittlerweile sind bestimmte LEDs auch für die Navigationsbeleuchtung zugelassen.

18. GFK

© Silke Springer

Ohne den glasfaserverstärkten Kunststoff GFK wäre das Segeln sicher nicht zum Breitensport geworden. Erst die Einführung von GFK erlaubte die Übertragung von industriellen Fertigungsmethoden auf den Bootsbau. Einer der Pioniere war der Niederländer E.G. van de Stadt, der Ende der 1950er Jahre das erste Serienschiff aus GFK auf den Markt brachte. Heute steht die Industrie vor der Notwendigkeit neuer Innovationen: Wie entsorgt man alte GFK-Rümpfe? Und wie sorgt man dafür, dass neue Boote leichter recyclet werden können als bisher? 

19. Katamaran

© Fountaine Pajot

Die Polynesier kennen Katamarane schon seit 3.500 Jahren. Den Grundstein für ihre heutige Beliebtheit legte jedoch der Brite James Wharram vor 60 Jahren. Ihm gelang auf seinem selbstgebauten Boot die erste Atlantiküberquerung mit einem Katamaran von West nach Ost. Kurze Zeit spät erfand der Surfer Hobie Alter in Kalifornien den Strandkat. Hobie Cats trugen dazu bei, dass Segeln erschwinglich wurde. 

20. Aluminiummasten

© Thorsten Höge

Die ersten Aluminiummasten kamen in den 30er Jahren auf J-Klasse-Yachten zum Einsatz. Die großen J-Yachten trieben die Probleme von Holzmasten auf die Spitze. Aluminium ist leichter als Holz, beständiger gegen Witterungseinflüsse und braucht weniger Pflege. Die ersten Masten waren noch genietet, aber inzwischen kommen schon lange Profile zum Einsatz, die Masten aus einen Stück erlauben.

21. Hochtakelung

© Thorsten Höge

Die Hochtakelung bringt gegenüber der Gaffeltakelung weniger Turbulenzen, mehr Höhe am Wind und einfachere Handhabung. Dreieckige Segel gibt es schon lange. Aber die Idee, sie am Mast zu fahren, geht auf holländische Seefahrer zurück, die das über Arabien und Spanien eingeführte Lateinersegel im 17. Jahrhundert so modifizierten, dass die Spiere senkrecht zwischen zwei Mastbacken gefahren wurde.

22. Saildrive

© Archiv

Der Saildrive stammt aus den 1970er Jahren und ist eine Weiterentwicklung des Z-Antriebs für Motorboote. Statt einer lange Welle kommt ein zweifach umgelenkter Antrieb zum Einsatz. Auf Motorbooten ist der Z-Antrieb drehbar. Das ist bei Saildrives nicht der Fall, hier macht man sich unter anderem die kompakte Bauweise, die waagerechte Propellerwelle und den einfachen Borddurchbruch zunutze.

23. Chronometer

© wikimedia commons

Ohne Zeitmessung keine Navigation. Denn während sich der Breitengrad an Bord astronomisch bestimmen lässt, erwies sich dieser Weg für den Längengrad als unpraktisch. Erst die Entwicklung genau gehender Uhren durch den Briten John Harrison löste das Problem im 18. Jahrhundert. Seine ersten drei Entwürfe hatten noch die Ausmaße eines Kleiderschrankes. Erst mit der H4 besann sich der Tischler auf eine Taschenuhr, die schließlich die Verantwortlichen überzeugen konnte. Die Uhr behielt die Zeit des Ausgangshafens und aus der Differenz zur Ortszeit war die Länge bestimmbar.

24. Geteilter Lateralplan

© Van De Stadt

Der US-Konstrukteur Nathanael Herreshoff entwarf mit der Dilemma 1891 die erste Yacht mit geteiltem Lateralplan. Ähnliche Designs kamen bei der Ausscheidung zum America’s Cup 1895 zum Einsatz, unterlagen jedoch gegen Herreshoffs traditionellere Defender. Danach lag die Idee auf Eis. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte E.G. van de Stadt seine Trial, die Mutter der heute beherrschenden Kurzkieler.

25. Lifeline

© Hinnerk Stumm

Strecktaue gibt es schon lange. Allerdings erforderten sie in ihrer ursprünglichen Form, dass sich Seeleute nach der Maxime »Eine Hand für den Mann« selbst fest hielten und waren entsprechend unsicher. Der Einsatz eines Gurtgeschirrs mit Sorgleine stellte einen großen Fortschritt dar. Allerdings ist es empfehlenswerter, sich mittschiffs einzupicken, um nicht über Bord zu fallen.

26. Rettungsinsel

© Archiv

Das erste faltbare Rettungsfloß ließ die Amerikanerin Maria Beasley 1880 patentieren. Entsprechende Boote kamen auf der Titanic zum Einsatz und retteten schon damals Leben. Moderne aufblasbare Rettungsflöße gehen auch auf die Entdeckung der Vulkanisierung von Gummi durch Charles Goodyear 1838 zurück. Die Entwicklung von PVC machte Rettungsflöße im 20. Jahrhundert leichter, kleiner und yachttauglicher.

27. Seekarten

© Archiv

Seekarten sind alt. Schon die Polynesier kannten Navigationshilfen. Als Vater der modernen Seekarten gilt der schottische Geograph Alexander Dalrymple, der erste Hydrograph der britischen Admiralität. Er organisierte im Auftrag der Navy die Kartierung vieler bis dahin unbekannter Gewässer und sorgte für die Standardisierung und Katalogisierung der Karten.

28. Funk

© Navico

Die theoretische Grundlage für den Seefunk lieferten die Forschungen von Heinrich Hertz. In die Praxis umgesetzt wurden sie zuerst von Guglielmo Marconi, dem 1902 die ersten transatlantischen Funkverbindungen gelangen. In der Folge verbreiteten sich die Anlagen schnell. 1912 konnte die »Titanic« bereits per Funk den Seenotfall erklären, so dass Überlebende von Schiffen in der Nähe gerettet werden konnten. 

29. Kompass

© Kai Köckeritz

Der Kugelkompass geht auf eine Erfindung des chinesischen Beamten und Wissenschaftlers Shen Kuo im 11. Jahrhundert zurück. Er kombinierte eine schwimmende magnetische Nadel mit einer Windrose. Der genauere trockene Kompass wurde im 13. Jahrhundert von Petrus Peregrinus de Maricourt entwickelt. Seine kardanische Aufhängung dachte sich Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert aus.

30. Sextant

© Raymond Kleboe, Getty Images

Die Methode, mittels des Höhenwinkels von Sternen wie der Sonne die geografische Breite zu bestimmen, ist schon lange bekannt. In der Praxis allerdings ist ein Jakobsstab auf einem schwankenden Schiff schwer zu handhaben. Der Sextant vereinfachte im 18. Jahrhundert die Messung des Winkels durch Spiegel. Diese Idee hatte schon Issac Newton, aber als Erfinder gelten John Hadley und Thomas Godfrey.

31. Dieselmotor

© Kai Köckeritz

Es gab zwar auch immer wieder marinisierte Benzinmotoren, doch der Dieselmotor war zuverlässiger und robuster, als der Benziner. Seine Vorteile im Bootsbetrieb liegen in der Kosntruktion und im Brennstoff. Diesel verbrennt zwar, kann aber nicht explodieren wie Benzin. Zudem benötigt der Selbstzünder keinen elektrischen Zündfunken einer anfälligen Zündkürze. Läuft der Dieselmotor erst, kann man ihn nur durch Dekompression oder Spritmangel stoppen. Elektromotoren können den Diesel in naher Zukunft ablösen, aber bis dahin bleibt er der zuverlässigste Motor, den es an Bord geben kann.

32. Batterie

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Schon 1838 schob ein Elektromotor ein Boot über die Newa in St. Petersburg. Die größte Einschränkung bestand schon damals in der Energieversorgung. Die Zink-Batterien an Bord wogen 200 Kilogramm und kamen auf eine Reichweite von sieben Kilometern. Die erste Bleibatterie entstand schon 1854, ab 1887 wurden die ersten Bleibatterien industriell gefertigt. Bis heute versorgen sie die Bordelektronik mit Energie, starten den Motor oder bringen Licht in den Salon. Obwohl das System schon über 150 Jahre auf dem Buckel hat, gibt es keine Alternativen um Energie zu speichern. Lithium-Ionen-Batterien sind eine Weiterentwicklung, die Vorteile, wie eine höhere Energiedichte und Ladezyklen, haben.

33. Windfahnensteuerung

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Ein Autopilot, der keinen Strom braucht – das macht die Windfahnen-Selbststeuerung für Blauwassersegler so interessant. Es entlastet die Crew unabhängig von ihrer Größe sehr, wenn sie nicht rund um die Uhr selbst Ruder gehen muss. Die ersten Windfahnen-Selbststeueranlagen tauchten dementsprechend in den 1960er Jahren auf, als Yachteigner begannen, auf große Fahrt zu gehen.

34. Patentanker

© Spade

Seit es Alternativen zum Stockanker gibt, ist das Ankern erheblich sicherer und leichter geworden. Patentanker sind jederzeit klar zum Fallen und niemand muss mehr befürchten, dass sich die Ankerkette um den Stock törnt. Welches Patent das beste ist, darüber gibt es lange Diskussionen. Und wenn es um krautigen Grund geht, holt manch einer auch den guten alten Stockanker hervor. 

35. Fallenstopper

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Die Entwicklung des Fallenstoppers hat die Entwicklung beschleunigt, dass Fallen und Trimmleinen vom Mast immer mehr ins Cockpit umgelenkt wurden. Heute ist das fast Standard, aber vor einer Generation war es üblich, zum Setzen, Bergen und Trimmen an den Mast zu gehen. Die Verlegung ins Cockpit hat besonders das Segeln mit kleiner Crew oder einhand leichter und sicherer gemacht.

36. Tablet

© Kai Köckeritz

Die ersten Tablet-Computer spielten an Bord höchstens als Kalender oder Notizbuch eine Rolle. Erst Apples iPad brachte in der Version mit eingebautem Empfänger zur Satellitennavigation den Durchbruch. Seitdem machen die Geräte in Verbindung mit einer Seekarten-App und entsprechenden Kartensätzen einen eigenen Kartenplotter aus der Sicht einer steigenden Zahl von Seglern überflüssig. Auch die Möglichkeit, das Display des Plotters auf dem Tablet zu spiegeln, nutzen viele Segler.

37. Schlauchboot

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Die ersten Schlauchboote bestanden aus aufgeblasenen Tierhäuten als Schwimmkörper. In der Neuzeit machte sich dann eine Reihe von Menschen die Erfindung der Vulkanisierung von Gummi durch Charles Goodyear 1838 zunutze, um Textilien zu gummieren. 1866 gelang die erste Atlantiküberquerung auf einem Gummiboot. Die heutigen Schlauchboote bestehen in der Regel aus PVC, was leichter ist und die Boote besser transportabel und yachttauglicher macht.

38. Fernglas

© Kai Köckeritz

Das erste Fernrohr hat der holländische Brillenschleifer Hans Lipperhey im 17. Jahrhundert gebaut. Durch die lange Bauweise sind Fernrohre an Bord jedoch relativ unpraktisch. Deshalb stellte die Erfindung des Prismenfernrohrs durch Ignazio Porro im 19. Jahrhundert einen wichtigen Fortschritt dar. Porro-Prismen erlauben eine kompakte Bauweise und sind darum an Bord heute noch weit verbreitet.  

39. Kühlschrank

© Archiv

In den 1970er Jahren verbauten die Werften noch oft einen Absorberkühlschrank, der sich in Wohnmobilen bewährt hatte. Solche Geräte können mit Strom oder Gas betrieben werden. Doch mit den Anforderungen an Bord kommen die Geräte nicht zurecht, saugen die Batterien leer, ohne wirklich zu kühlen. Kein Wunder, dass Absorber nicht mehr auf Booten verbaut werden. Ähnliches gilt für das thermoelektrische Peltierelement, das ebenfalls die Batterien stark belastet und einen schlechten Wirkungsgrad besitzt. Kühlschränke oder –boxen der beiden Typen können nur mit Landstrom betrieben werden, sodass nach dem Segelschlag der fünfte Festmacher zwangsweise belegt werden muss. Kühlschränke oder –boxen mit Kompressor schaffen es hingegen, den Inhalt von innerhalb einer Stunde herunterzukühlen. Zwar liegt der Anlaufstrom der Aggregate bei mehreren Ampere, doch nachdem die Temperatur im Innenraum erreicht ist, springt der Kompressor nur kurzzeitig an, um das Niveau zu halten. Durch elektronische Steuerungen lässt sich der Prozess noch weiter optimieren. Sie erkennt, ob die Batterien geladen werden und nutzen den Überschuss an Energie, um den Kompressor auf höheren Touren laufen zu lassen. Der Innenraum wird um einige Grad kälter, um die überschüssige Energie in Form von Kälte in den Nahrungsmitteln zu speichern.

40. Automatische Bilgenpumpe

© Whale

Als die Boote noch aus Holz waren, musste die Bilge nach jedem Törn trockengelegt werden. Und wer sein Boot nicht regelmäßig kontrollierte, konnte eine böse Überraschung erleben. Auf großen Segelschiffen im 19. Jahrhundert musste mehrmals am Tag die Stangenpumpe bedient werden, um Wasser aus dem Schiff zu pumpen. Erst seit es Batterien an Bord gibt, ist es möglich, Pumpen zu elektrisch betreiben. Die Verbindung mit einem Schwimmerschalter macht daraus ein Gerät, das Bootseigner deutlich ruhiger schlafen lässt – aber Kontrollen nicht überflüssig macht. Zudem birgt sie auch Gefahren für die Umwelt, da die Pumpe auch anspringen kann, wenn beispielsweise Öl ausläuft. Dennoch hat die automatische Pumpe viel dazu beigetragen, Schiffe sicherer werden zu lassen.

41. Nirostahl im Rigg

© Archiv

Wanten, Stage und Beschläge aus Nirostahl kamen in den 50er Jahren auf. Zuvor bestanden sie aus verzinktem Stahl und mussten zu jeder Jahreszeit aktiv vor Korrosion geschützt werden. Davor wiederum war das stehende Gut im Allgemeinen aus Hanftauwerk, das regelmäßig mit Labsal, einer klebrigen Mischung aus Holzteer und Leinöl, »gesmartet« und mit geteertem Tauwerk »bekleedet« werden musste.

42. Barograph

© Archiv

Für kurzfristige lokale Wetterprognosen ist die Beobachtung des Luftdrucks entscheidend. Den ersten Barographen, der Änderungen aufzeichnet, entwickelte der Engländer Samuel Moreland im 17. Jahrhundert. Sein System war jedoch zu empfindlich. Erst die Erfindung des Dosenbarometers durch den Franzosen Lucien Vidie im 19. Jahrhundert brachte den Durchbruch zum bordtauglichen Barographen.

43. Marinas

© Kai Köckeritz

Die einen lieben ihre Ausstattung mit Strom und Wasser am Steg, die anderen vermissen in ihrem Angesicht die Urigkeit eines echten Hafens. Aber wie auch immer man zu Marinas stehen mag – den Segelsport haben sie sicher verändert. Die spezialisierten Yachthäfen bieten die Liegeplätze, die der Breitensport braucht. Und bequemer als in großen Häfen liegt man dort auch. Mittlerweile gibt es schon erste Dry Marinas, die darauf spezialisiert sind, die Schiffe an Land mit Strom, Wasser und Fäkalienabsaugung zu versehen.

44. Radar

© Nikolas Woeckner

Radar selbst ist eine Abkürzung und steht für „Radio direction and ranging“ und bedeutet übersetzt Funkortung und Abstandsmessung. Das Grundprinzip der Messung ist, einen elektromagnetischen Impuls auszusenden und die Zeit zu messen (Laufzeit), bis dieser Impuls von einem Objekt reflektiert und von der eigenen Antenne wieder empfangen wird. Da sich die elektromagnetischen Wellen mit annähernd Lichtgeschwindigkeit (c≈ 300.000 km/s ≈ 300m/μs) ausbreiten, kann aus der gemessenen Laufzeit eines Impulses die Distanz zum Objekt ermittelt werden. Aus dem Antennenwinkel kann die Peilung zum Objekt bestimmt werden. Mit diesen beiden Werten ist eine genaue Beschreibung der Position eines Objekts im Verhältnis zur eigenen Position möglich. War früher noch eine Ausbildung nötig, um die Bilder interpretieren zu können, kann moderne Software die Echos so darstellen, dass auch wirklich jeder einen Nutzen aus der Technik ziehen kann. Bei schlechter Sicht (Regen, Nacht, Nebel) ist Radar die einzige Möglichkeit, sicher zu navigieren und Kollisionen zu vermeiden.

45. Elektroaußenborder

© Torqeedo

In Bayern sind die Beschränkungen auf den zahlreichen Seen, was Verbrennermotoren betrifft, sehr strikt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wende vom knatternden Ungetüm zum leisen Quirl am Heck aus Bayern kam. Torqeedo gehört zu den Vorreitern bei Elektromotoren. Sie zeigten, dass es möglich ist, mit Elektomotoren unterwegs zu sein. Das ist ein Glück: denn sie sind schlicht und einfach die bessere Alternative zu ihren Benzin-Pendants. Sie sind leichter, machen keinen Dreck und lassen sich so auch mal eben unter Deck verstauen, wenn das DIngi zusammengelegt wird. Doch das Schönste ist wohl die Ruhe. Auch Abends am Ankerplatz oder im Hafen. 

46. Antifouling

© Kai Köckeritz

Früher schlugen die Bootsbauer Kupferplanken an den Rumpf, um ihn vor dem gefräßigen Schiffsbohrwurm zu schützen. Ein Nebeneffekt: das Unterwasserschiff war in Folge weniger bewachsen, die Schiffe waren schneller. Kupfer war lange Zeit der Hauptanteil von Antibewuchsanstrichen auf Schiffen. Durch den hohen Kupferanteil waren die Anstriche rot – was sich bis heute gehalten hat. Durch Biozide wurde der Anstrich weiter verbessert. Allerdings waren diese Anstriche so giftig, dass mittlerweile ein Umdenken stattgefunden hat. Neue, biozidfreie Anstriche sollen die gleiche Wirkung aufweisen, wie biozidhaltige.

47. Knarrblock

© Ronstan

Knarrblöcke, Ratschenblöcke oder – nach ihrem Erfinder, dem dänischen Segler und Segelmacher Paul Elvstrøm – Elvstrømblöcke verringern den Kraftaufwand beim Halten einer Schot. Durch einen Ratschenmechanismus kann sich die Scheibe nur in Laufrichtung bewegen, in Gegenrichtung arretiert sie. Bei wenig Wind kann bei den meisten Knarrblöcken die Bremse ausgeschaltet werden.

48. Heizung

© Kai Köckeritz

Bei der beliebten Warmluftheizung wird das Medium Luft entweder von außen oder aus dem Innenraum an dem Wärmetauscher entlang geführt und nimmt die Wärmeenergie der Verbrennung auf. Ein elektrisch betriebenes Gebläse sorgt einerseits dafür, dass weiter frische Luft angesaugt und andererseits die warme Luft über Schlauchleitungen an ihren Zielort transportiert wird. Als Brennstoff dient fast ausschließlich Diesel, der fein zerstäubt verbrannt wird. Die Heizung brachte erheblichen Komfort an Bord. Im Frühjahr oder Herbst kann die Saison so voll ausgenutzt werden. Da die Heizung auch während der Fahrt betrieben werden kann, ist es an Bord immer wohlig warm. Das ermöglicht sogar das Überwintern an Bord. 

49. Ankerwinde

© Silke Springer

Das Ankerspill verrichtet schon seit Jahrhunderten seinen Dienst auf Schiffen. Ansonsten wäre wohl auch niemand in der Lage den Anker samt Kette aus dem Wasser zu hieven. Bis zu einer gewissen Größe ist das auf Sportbooten noch möglich, aber dank der flach bauenden und meist elektrisch unterstützten Ankerwinsch artet das Ankermanöver nicht mehr in schweißtreibende Arbeit aus. Doch die kleinen Powerwinden ziehen viel Strom. Wer den Motor bei der Bedienung nicht laufen lässt, liegt schnell mit leeren Batterien in der Ankerbucht. 

50. Bugstrahlruder

© Archiv

Von der Lautstärke einer der meistgehassten Gegenstände an Bord. Doch an Bord von Charteryachten sind sie nicht mehr wegzudenken. Zwar schaffen sie es nicht, den Bug bei mehr als vier Windstärken sicher gegen den Wind zu bewegen, doch vereinfachen sie das Handling von Yachten ungemein. Gerade ab 40 Fuß aufwärts geben die Bugstrahlruder einer unerfahrenen Crew mehr Sicherheit. Zusammen mit einem Heckstrahlruder wird das An- und Ablegen zum Kinderspiel.

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