Aerodynamik: Katamaran mit Auftrieb durch Fahrtwind – 60 Knoten möglich

Im Aufwind

Unter dem Kat soll sich der Fahrtwind stauen und somit das Boot anheben © AAV

Unter dem Kat soll sich der Fahrtwind stauen und somit das Boot anheben © AAV

Die Flügelform des Katamaran-Prototypen A2V sorgt für Auftrieb durch Fahrtwind. Das reduziert die Verdrängung, macht schneller und spart Sprit.

Für Designer, Schiffbauingenieure und Bootsbauer ist mit Foils und Tragflügeln noch längst nicht das „Ende der Fahnenstange“ erreicht, um möglichst hohe Leistungseffizienz bei Booten und Yachten zu erreichen.

So zeigt etwa das junge, französische Start-Up-Unternehmen „Advanced Aerodynamic Vessels“ (gegründet 2013), dass bei Motoryachten die Form als solche bereits für Auftrieb im Sinne eines „abhebenden Moments“ sorgen kann.

George Lucas lässt grüßen © AAV

George Lucas lässt grüßen © AAV

Ende letzter Woche präsentierte AAV in la Rochelle den Prototypen eines Motor-Katamarans, der im Prinzip nur zwei Ziele kennt: Möglichst schnell über das Wasser gleiten und dabei drastisch weniger Sprit als herkömmliche Bootstypen verbrauchen.

Dies soll mit einer „an sich simplen Idee“ (so die Designer von AAV) erreicht werden: Schon ab relativ niedrigen Anfangsgeschwindigkeiten staut sich der Fahrtwind zwischen den beiden Rümpfen und hebt das Boot deutlich an. Somit wird die Verdrängung reduziert und der Widerstand, also die Bremswirkung durch das Wasser, minimiert. Die Folgen sollen höhere Geschwindigkeiten bei deutlich verringertem Treibstoffverbrauch sein.

18 Monate arbeitete das Designbüro am Projekt, unterstützt von renommierten Konstrukteuren, zum Beispiel aus dem Hause Marc Lombard.

Anheben ja – aber nicht mit Foils © AAV

Anheben ja – aber nicht mit Foils © AAV

Der kürzlich enthüllte Prototyp ist vollständig aus Karbon gebacken, 10,5 Meter lang und 7,5 Meter breit. Der Katamaran wird mit zwei 200-PS-Außenbordmotoren angetrieben. Der Tiefgang soll im „Auftriebsmodus“ nicht mehr als 40 Zentimeter betragen – so werden (noch theoretisch) Geschwindigkeiten von 40 Knoten geschafft.

Der später in Serie zu bauende A2V-Katamaran soll mit 70 Fuß Länge genau doppelt so groß werden und (rein rechnerisch) mit proportional stärkeren Motoren Geschwindigkeiten von 60 Knoten erreichen. Die Spritersparnis könnte laut Computerberechnungen 50-60% betragen.

In knapp drei Wochen sollen die ersten Testfahrten auf dem Wasser beginnen. Für die spätere Serienversion gibt es angeblich bereits Interessenten aus aller Welt. Mineralöl-Gesellschaften, die A2V als Versorgungsschiffe für Ölplattformen einsetzen wollen, Hafenverwaltungen, die sie als ultra schnelle Wassertaxis nutzen möchten und Drogenfahnder, die auch auf längeren Verfolgungsfahrten das gewisse Quentchen schneller als die technisch immer weiter aufrüstenden Drogenkuriere zu Wasser sein wollen.

Tipp: André Mayer

Eines kann man der Form jedenfalls bescheinigen: Sie ist aufsehenerregend!

Eines kann man der Form jedenfalls bescheinigen: Sie ist aufsehenerregend!

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2 Kommentare zu „Aerodynamik: Katamaran mit Auftrieb durch Fahrtwind – 60 Knoten möglich“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Versorger für Offshoreeinrichtungen? Nee, das ist wohl ‘ne Ente. Was will ich denn mit 60 kn durch den Seegang Bügeln. Dann kann ich nach Ankunft an der Plattform direkt wieder umkehren, denn meine Ladung (Besatzung) ist dann vermutlich urlaubsreif. Wenn Offshore, dann habe ich entweder viel Masse zu transportieren und mache es mit einem klassischen Versorger, oder ich nehme den Hubschrauber.

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    • avatar reketz sagt:

      Quatsch:

      1.: Der Entwurf hat SWATH-Charakter.
      2.: Neben dem Transport von Gerät ist die Personenbeförderung massiv wichtig: Techniker von Land ins Offshorefeld, dort den Tag über arbeiten und dann zurück. Innerhalb eines Tages nur effizeint möglich wenn der Zubringer etwas schneller ist. Hubschrauber sind teuer.

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