Aerodynamik-Trend: “Endplatten-Segel” auf dem Vormarsch

Der neueste Schrei

Das Komittee zur Beaufsichtigung der IRC-Handicap-Regel reagiert auf eine neue Entwicklung, derzufolge sogenannte Deck-Sweeper-Segel auf dem Vormarsch sind. Eine Überlegung auch für Fahrtenyachten?

Deck Sweeper auf einer Yacht: Aerodynamischer Vorteil und zusätzliche Segelfläche. (SA)

Beim vergangenen America’s Cup war der sogenannte “Endplatten-Effekt” in aller Munde. Die neuen AC75-Konstruktionen setzten sichtbar darauf, möglichst keine Luft zwischen Unterliek und Deck zirkulieren zu lassen. Die Ingenieure suchten nach Lösungen, wie man die Segel maximal weit nach unten ziehen und trotzdem noch das Profil kontrollieren könnte.

Das tiefer gelegte Deck erlaubt ETZ zusätzliche Segelfläche @ COR 36 / Studio Borlenghi

Was wie eine Neuerung aussah war in anderen Speed-Klassen schon gang und gäbe. Die A-Cats fingen damit an und die Formel 18 Katamarane folgten.

Deck-Sweeper-Großsegel im A-Cat © Josh McCormack

Dann wurde auch auf der Moth nach Lösungen gesucht. Längst segeln die Spitzenfahrer mit Tüchern, die so weit bis auf den Rumpf heruntergezogen sind, dass man so gerade noch dahinter auf die andere Seite wechseln kann.

Vor dem Wind mit dem Deck Sweeper-Segel. © martina orsini

Dieser Trend schien insbesondere für Highspeed-Segler Sinn zu ergeben. Aber in letzter Zeit sind immer öfter solche Konstruktionen auch im Yacht-Bereich aufgetaucht. Das bereitet offenbar den Hütern der IRC-Handicap-Regel Sorgen. Denn sie weisen in einer aktuellen Mitteilung darauf hin, dass solche Konstruktionen zwar durchaus erlaubt sind, aber ab sofort auch in den Messwert eingehen. Das heißt, sie werden als zusätzliche Segelfläche gewertet und verschlechtern den Rennwert.

Ob das nun dazu führt, dass diese Segel-Anhänge verschwinden – oder sich gar nicht erst verbreiten – ist noch nicht klar. Das hängt wohl davon ab, inwiefern diese Deck-Sweeper-Segel auf vergleichsweise langsamen Yachten nur eine Regellücke füllen, weil sie bisher nicht vermessene Segelfläche einbringen, oder ob sie einen großen aerodynamischen Vorteil bringen.

Diese Segel-Verlängerung unter dem Großbaum soll die Aerodynamik verbessern. © IRC

Wäre letzteres der Fall, würden sie theoretisch auch auf Fahrtenyachten einen Sinn ergeben. Allerdings erscheint das Handling in der obigen Form doch etwas schwierig. Auch dürfte die Rundum-Sicht leiden.

Aber wer weiß? Vielleicht wird das Tuch unter dem Baum in einer durchsichtigen Form auch der neueste Schrei, wenn man auf diese Weise ein paar Knötchen rauskitzeln kann.

TF35, Alinghi

Das tief aufs Trampolin heruntergezogene Deck-Sweeper-Großsegel verbessert die Aerodynamik. © Loris Von Siebenthal

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Aerodynamik-Trend: “Endplatten-Segel” auf dem Vormarsch“

  1. avatar meerkater sagt:

    Wie bei Winglets oder Flügelendplatten am Ende von Flugzeugtragflächen ist der entscheidende Faktor, das verhindern des Druckausgleichs von der Profilvorderseite zur Rückseite. Genau aus dem gleichen Grund gehen die Vorsegel auf Regatteryachten auch bis nahe über Deck.
    Im vorderen Teil des Großsegels ist der Druckunterschie besonders groß, daher ist es dort der Effekt besonders groß. Imocas fahren schon lange extrem tief angeschlagene Größbäume. Das hat allerdings noch den zusätzlichen Effekt des reduzierten Knickmoments am Mast.

  2. avatar PL_osc sagt:

    Bei Windsurfern auf Race Boards, geht ohne “close the gap” gar nichts, die Segel verlieren 25% Vortrieb wenn sie “offen” gefahren werden. Nichts Neues eigentlich

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