Alkohol: Mobo-Fahrer wollen nicht ins Röhrchen pusten

„Promillegrenze abschaffen!“

Ohne Sundowner ist Böotchenfahren nur halb so schön – angeblich © boatcharter

Ohne Sundowner ist Böotchenfahren nur halb so schön – angeblich © boatcharter

Bootfahren sei nicht mit dem Straßenverkehr zu vergleichen, sagen die Mobofahrer. Man habe viel mehr Platz und Raum. Die Promillegrenze sei unsinnig.

Nachdem der Schweizer Bundesrat in einer Teilrevision des Binnenschifffahrtsgesetzes vorgeschlagen hatte, neben der bereits gültigen 0,5-Promille-Grenze nun auch den Röhrchentest als Beweis bei Freizeit- und Berufsschifffahrtskapitänen zuzulassen, gehen die Schweizer Motorbootfahrer auf die Barrikaden.

Hintergrund: Der deutlich teurere, bisher zwingend vorgeschriebene Bluttest zur Bestimmung des Alkoholwertes wurde nur selten angewendet – meistens als Beweisaufnahme bei (wenigen) Unfällen oder Vergehen. Präventivüberprüfungen, wie sie mit dem Atemalkoholtest durchaus möglich wären, fanden nicht statt.

Fokus auf den Raum

In einer Stellungnahme fordert der Schweizer Verband der Motorbootfahrer nun deutlich vom eidgenössischen Gesetzgeber, dass für die (Freizeit)-Kapitäne auf den Schweizer Seen und Flüssen andere Maßstäbe als beim Straßenverkehr zugrunde gelegt werden. In dem Schreiben wird die gewünschte Einführung der „Röhrchenpusterei“ schlicht abgelehnt und gleich auf die Unsinnigkeit einer offenbar viel zu niedrig angesetzten Promillegrenze hingewiesen (0, 5 Promille Verwarnung und Bußgeld, ab 0,8 Promille Boots- etwaig auch KFZ-Führerschein weg).

Kaum an Bord, kommen gleich die harten Sachen auf den Tisch? © boatcharter

Kaum an Bord, kommen gleich die harten Sachen auf den Tisch? © boatcharter

„Es braucht eine Fokussierung des Gesetzes auf das Wesentliche,“ heißt es. „Die private Binnenschifffahrt lässt sich nicht im Geringsten mit dem Straßenverkehr vergleichen: Auf den Gewässern steht als Fahrbahn deutlich mehr Raum zur Verfügung, weshalb es auf Abweichungen von wenigen Metern nicht ankommt!“ Die derzeit gültige Promillegrenze sei so nicht mehr tragbar – man fordert deutlich höhere Grenzwerte, ab ca. ein Promille.

Wortklauberei oder berechtigte Kritik?

Ferner mokieren sich die Verfasser des Schreibens über Formulierungen im Gesetzestext wie etwa: „Wer einen nautischen Dienst an Bord eines Schiffes ausübt, muss über Fahreignung verfügen.“ Gegenfrage des Verbandes: „Ist es nicht so, dass selbst das Ausbringen von Fendern oder das Belegen einer Leine ein nautischer Dienst ist?“ Und man könne wohl nicht erwarten, dass der Schiffsführer seine Gäste zum Verzicht auf Alkohol bewegen soll, weil später noch ein Anlegemanöver gelingen muss…

Übrigens: Der Verband ist absolut dagegen, dass über „das verträgliche Maß Alkohol konsumiert wird.“

Wortklaubereien? Die Schweizer Motorbootfahrer nehmen sich und ihre Einwände jedenfalls sehr ernst. Bei anderen Wassersportverbänden ist der Röhrchentest bereits durchgewunken worden: Swiss Sailing hat die vorgeschlagene Änderung akzeptiert. Und „ungefährliche“ Schiffe sind sowieso nicht davon betroffen: Auf Schlauch- und Strandbooten darf immer noch gesoffen werden bis der Arzt kommt…

Tipp: André Mayer

 

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8 Kommentare zu „Alkohol: Mobo-Fahrer wollen nicht ins Röhrchen pusten“

  1. avatar Daniel sagt:

    Da hat vermutlich jeder so seine eigenen Ansichten. Bei mir auf dem Boot gilt immer absolutes Alkverbot. Der Gleichgewichtsinn ist schon bei einer kleinen Menge gestört und die persönliche Könnensüberschätzung steigt und das passt für mich nicht zusammen. Gerade hier oben im kalten Wasser sterben viele einfach weil sie besoffen ins Wasser fallen und schneller auskühlen. Später an Land oder am Steg von mir aus wenn es sein muss. Aber nicht wenn das Boot sich bewegt oder viel Wasser drum herum ist.

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    • avatar Piet sagt:

      Das ist ne gute einstellung von dir.

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    • Ich bin auch eher für 0.0. Selbst trinke ich nicht mal ein einziges Bier unterwegs. Wenn man mit einem anfängt, werden es zwei, dann drei…

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      • avatar Piet sagt:

        Ich wunder mich gerade warum wir für unsere abstinenz rote daumen bekommen.

        Das können ja nur schweizer alkis sein 🙂

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  2. avatar Firstler sagt:

    Ich finde mit nem Bierchen in der Hand segelt es sich ganz wunderbar und gestorben ist bei mir an Bord deswegen noch niemand.

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    • avatar wet rabbit sagt:

      Das eine Bierchen passt ja auch gut in die Promillegrenze. 20kn Mobo, 2 Promille und 20 Optis beim Training vorm Hafen passen nicht so gut zusammen. Wer von sich weiß, er kann es nicht bei einem Bierchen belassen, soll es ganz lassen.

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  3. avatar Kluchschieter sagt:

    Also die Argumentation liest sich als hätten die Verfasser bereits ein paar ihrer Drinks intus gehabt 😉

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