ARC: Mareike Guhr berichtet von Bord ihrer Swan

"Alles ist schräg, nass, klamm..."

Kawentsmänner

Wer hat eigentlich erzählt, im Passat würde man easy das Downwindsegeln genießen? Seit Tagen kämpfen wir uns bei 20-30 Knoten durch die mächtige Atlantikwelle. Die Füße sind platt gestanden, die Arme tun weh, und die Schultern schmerzen und vom unvermeidbaren Kurbeln, meist am Steuerbordrad. Von dort sieht man die Kawentsmänner besser.

Zumindest tagsüber. Alles ist schräg, nass, klamm und sehr salzig. Easy ist anders. Da rollt wieder ein dickes Ding an, krawumm. Heute Nacht hat Holger eine schwarze Wolke mit 40 Knoten Inhalt abgewettert.

Wir schmettern mit zweitem Reff und kleiner Fock die Wellenberge runter, dass es scheppert. 8,9,10 Knoten. Denn das beste an dem Spektakel ist: wir sind schnell unterwegs. Noch etwa 550 Meilen, ETA Sonntag irgendwann.

Die Wellen türmen sich mächtig, einige überholen und steigen fies von der Seite ein. Als ich mir wieder mal die Gischt von den Lippen lecke, denke ich: Warum ist der Atlantik bloß so salzig? Könnte der nicht nach Schokolade schmecken?

Die Crew protestiert: Dann würde das ganze Deck kleben! Na, aber wenn der Atlantik nach Schoki schmecken würde, vielleicht hätte der Pazifik dann Himbeergeschmack? Ok, jetzt wird’s wild – ich gebe zu in den letzten Tagen sehr wenig geschlafen zu haben. Es gibt bei dem Geschaukel und dem Lärm einfach nicht viel Ruhe an Bord.

Immer der Bolzen…

Mittlerweile bin ich zur Ruderbolzenwechselmeisterin geworden. Vielleicht könnte ich damit bei „Wetten Dass“ auftreten. Gerne mitten in der Nacht verabschiedet sich die Verbindung von Quadrant und Ruderschaft. Dann wird wieder die Notpinne angesetzt und ich verziehe mich in die achtere Backskiste um einen neuen Bolzen einzufädeln.

Viermal haben wir das nun schon gemacht. Wir sind mächtig in Übung. Leider hat keines unserer Ersatzteile die Festigkeit des Originals. Sie halten der starken Belastung unter diesen Bedingungen nicht lange stand. Daher reduzieren wir mittlerweile die Fahrt, sprich Ruderdruck und humpeln eher ins Ziel. Bald. Hoffentlich.

Fliegende Spirellis

Heute stand Nudelsalat auf dem Menüplan am Mittag. Liebevoll von Kirstin zubereitet. Einige Wellen schienen allerdings etwas dagegen zu haben. Die Backschaft wurde ziemlich mühevoll. Zweimal mussten die Zutaten wieder vom Boden gesammelt werden. Vor allem die fliegenden Spirellis.

Geschmeckt hat es trotzdem wunderbar. Aber nach der zweiten Bauchlandung war selbst unser Sonnenschein Kirstin, die sonst nichts so schnell aus der Ruhe bringt, ziemlich genervt. Morgens war schon der worst case eingetreten: der Inhalt der Zuckerdose verteilte sich durch den Salon. Dazu noch zwei Tassen Kaffee. Momentan möchte keiner so genau erforschen wie die Bilgemischung aussieht.

Event Website ARC

Race Tracker

Website Mareike Guhr

Die bisherigen SR ARC Berichte:

“Das Atlantik Abenteuer hat begonnen”

“Freudige Atmosphäre”

“Skorbut ist nicht in Sicht”

Schlacker Shaka

Zum Bergfest Delfine

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