Alternativer Antrieb: Klapp-Segel mit Vendée-Star entwickelt – Kreuzfahrer testet Solid Sail

"Ökonomisch signifikante Gewinne"

Ein neues Segelkonzept wird auf dem Dreimast-Kreuzfahrer “Le Ponant” getestet. Der viermalige Vendée Globe-Teilnehmer Jean Le Cam (59) installierte es zuvor auf seinem 60 Fußer.

Die Berufschifffahrt gerät als Umweltsünder immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Druck wächst, den Schadstoff-Ausstoß zu verringern. Das spielt Entwicklern alternativer Segel-Antriebe in die Hände. Jüngstes Beispiel ist die Praxis-Erprobung des Solid Sail-Konzeptes auf einem Kreuzfahrtschiff.

Le Ponant, Solid Sails

Das Solid Sail ist auf “Le Ponant” am vorderen Mast gesetzt. © PHILIP PLISSON/Solid Sail

Im Oktober wurde das neue Segel-System mit über 300 Quadratmetern, auf dem 89 Meter langen Dreimalster “Le Ponant” installiert, der 67 Passagiere in 32 Kabinen befördern kann. Das 27 Jahre alte Schiff, das 2008 mit seiner 30-köpfigen Besatzung von somalischen Piraten gekapert worden war, läuft von Marseille aus die Kap Verden an und segelt dann über den Atlantik nach Kuba.

Jean Le Cam, Solid Sail

Jean Le Cam testet Solid Sail auf seinem 60 Fußer. © Solid sail

Jean Le Cam, Solid Sail

Das geborgene, eingeklappte Großsegel. © Solid sail

Die Prototyp-Technologie aus zusammenklappbaren Glasfaser-, Kohle- und Epoxidharzplatten wird ein Jahr lang auf dem Schiff getestet. Zuvor hatte der Vendée Globe Veteran Jean Le Cam (59) ein entsprechendes Großsegel auf seinem IMOCA ausprobiert. Erste Versuche mit einem 1/10-Prototypen haben auf einer J80 stattgefunden.

Auf “Le Ponant” wird das Platten-Segel nach dem Zieharmonika-Prinzip am 88 Meter hohen vorderen Mast gesetzt und geborgen. Das später auf größeren Kreuzfahrern einzusetzende Segel soll noch einmal doppelt so groß sein.

Klapp-Masten für die Brücken

Das Konzept basiert auf zwei Patenten, die 2009 und 2017 von Chantiers de l’Atlantique eingereicht wurden. Die neue Technologie soll den Energieverbrauch von Schiffen deutlich senken und ihre Schadstoffemissionen reduzieren. Solid Sail wurde im Rahmen des Silenseas-Projekts entwickelt, um auf Kreuzfahrt-Yachten zwischen 85 und 190 Metern  eingesetzt zu werden.

Konzept eines neuen Segel-Kreuzfahrers, das 2016 von Ponant entworfen wurde © SDI

Die Segel werden an klappbaren Masten gesetzt, um die Durchfahrt unter Brücken zu ermöglichen. Die Schiffe werden ansonsten von Motoren mit Flüssiggas angetrieben. Es wird auch ein Brennstoffzellen-Antrieb getestet, der nicht mit Wasserstoff, sondern mit LNG betrieben wird.

Laurent Castaing, General Manager der Werft Chantiers de l’Atlantique, sagt: “Wir sind überzeugt, dass das Solid Sail-Antriebssystem eine Lösung für die Passagierschiffe der Zukunft darstellen kann, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch signifikante Betriebsgewinne ermöglicht.”

silenssea

So soll die Silenssea-Flotte einmal aussehen. © CHANTIERS DE L’ATLANTIQUE

Das französische Unternehmen Ponant, das den Bau eines neuen Kreuzfahrtschiffes plant, war sehr früh in die Entwicklung eingebunden, und setzt weiterhin auf den Segelantrieb als “Energie der Zukunft” für ihre Flotte. 

Eine Rechnung des französischen Schiffbauers STX France für sein Anfang des Jahres vorgestellte Segelkreuzfahrtkonzept Projekt Silenseas basierend auf die Bestückung mit Solid Sails ergibt großes Einspar-Potenzial. Ein neues 190 Meter langes, 150-Kabinen-Schiff mit Segeln und einem elektrischem Hybrid-Antrieb soll den Kraftstoffverbrauch um 25 Prozent senken. Es spart damit im Jahr mehr als 2.500 Tonnen Kraftstoff und senkt die CO2-Emissionen um 7.500 Tonnen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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