Anders leben: „Liv“ verlässt Mittelmeer – „seasicksailing“ auf dem Großen Teich

Die Leichtigkeit des Seins

langfahrt, Blauwasser, junge Crew

Und ab dafür: Die Seasick-Crew im Relax-Modus © seasick

Wind, Wasser, Wellen, Wein… was braucht man sonst noch zu einem glücklichen Törn im Mittelmeer? Story rund um eine Suche nach mee(h)r.

Aufgemerkt, es folgt ein Loblied! Ein Kompliment an junge Segler – was dem einen oder anderen an dieser Stelle nicht besonders originell erscheinen mag, aber lassen wir das. Es soll der Hut vor den Jungen gezogen werden, die sich mehr und mehr in einer Domäne behaupten, die eigentlich von deutlich älteren Seglern besetzt zu sein schien. Fest in der Hand derer, die qua finanzieller Mittel, bereits gelebter Karrieren und sowieso aufgrund eines gewissen gesellschaftlichen Überdrusses durch die Weltgeschichte tingeln.

Nicht “meer” und nicht weniger

Doch die letzten Jahre haben gezeigt, dass junge Langfahrt- oder Blauwassersegler den alten Cruisern vielleicht zahlenmäßig etwas „unterlegen“ sind, dabei aber keineswegs in ihrem Schatten stehen. Ganz im Gegenteil: Junge Segler, „frische“ Crews besinnen sich auf alte Werte und segeln mehr oder weniger „einfach los“ Richtung Horizont, lassen gesellschaftliche Zwänge hinter sich und versuchen… ja, versuchen optimal zu leben. Nicht „meer” und nicht weniger.

Bei SegelReporter haben wir schon Dutzende Projekte vorgestellt, in denen junge Segler auf den unendlich wirkenden Weiten der Meere ihr ganz persönliches Abenteuer, ihren ureigenen Traum alleine oder gemeinsam mit Gefährten leben. Egal wohin sie segeln, ob um die Welt, um den Atlantik, nach Island, durch die Arktis, ob sie den Indischen Ozean queren oder in der Südsee von Bucht zu Bucht tingeln… (fast) immer sind ihre Erlebnisse von einer betörenden „Leichtigkeit des Seins“ beseelt.

Hab’ ne Yacht, haste Bock?

So etwa auch bei den Damen und Herren, die auf der „Liv“, einem formschönen Langkieler, während der letzten Monate das Mittelmeer „unsicher gemacht“ haben und die sich wohl in diesem Moment auf den Atlantik trauen. Um die Kanaren anzusteuern, worauf konsequenterweise die Atlantiküberquerung folgen dürfte (Haste Bock? Hab’ ne Yacht!). „Wir liegen gerade in Gibraltar und segeln wohl heute Abend noch los“ schrieben sie vor zwei Tagen. Was für uns Anlass genug sein sollte, um erneut auf die gelassene, fast schon müßiggängerisch aufgemachte Website der segelgemeinschaft „seasicksailing“ hinzuweisen.
Wie’s der (häufig wechselnden) Crew der „Liv“ in den letzten Wochen ergangen ist? beispielhaft sei ein kleiner Text von ihnen angefügt. Dem wir eigentlich nichts mehr hinzufügen möchten…

langfahrt, Blauwasser, junge Crew

Einfach mal vom Boot Abstand halten © seasick

“Dicker Fritz”

Es ist Freitag Nacht, irgendwo in einer glasklaren kleinen Bucht in der Nähe von Tisno. Direkt neben uns eine kleine Insel, ohne Namen, zumindest kennen wir ihn nicht. Das Zirpen der Grillen ist schon seit längerem verstummt. Zeit, den Tag Revue passieren zu lassen, der die gesamt Woche eigentlich ganz gut beschreibt. Wir sind mittags aufgebrochen, kurz zur nächsten schönen Bucht gesegelt, Anker runter, Badehose an, und dann rein ins Wasser. Baden, schnorcheln, Stand-Up-Paddeln, das Übliche eben. Irgendwann vor ein paar Stunden, als die Sonne gerade unterging beginnen die Ersten Gemüse zu schnippeln, zu kochen. Dann alle ab aufs Vorschiff, der erste Korken knallt. Ein überragender Sekt namens „Dicker Fritz“! Besser geht’s nicht. Irgendjemand bringt das Essen, roten Paprika-Reis, unser restliches Gemüse verpackt als Ratatouille oder so ähnlich.

Dazu gebratenen Oktopus und natürlich Cevapcici! Wir sind ja in Kroatien. Dank unseren Freunden von „geileweine.de“ stehen noch einige andere Flaschen Wein herum.

Milchstraße reflektiert im Meer

Die werden schnell leer, das Lachen lauter, perfekte Momente. Irgendwann gehen die Kerzen aus, alle liegen da, schauen in den Sternenhimmel. Es wird still. Ein komisches Gefühl nach einer Woche zu neunt auf der Liv. Still war’s selten. Aber eine sich im Meer spiegelnde Milchstraße hat man auch nicht alle Tage. Das beeindruckt. Normalerweise sind bei uns sechs Personen Maximum. Ist ‚ne schöne Zahl, und mehr Betten haben wir nicht. Aber dann wurden es halt doch ein paar mehr, ein bisschen kuscheln hat noch keinem geschadet. Später sitzen alle wieder hinten im Cockpit. Aus dem Niedergang dröhnen die „Red Hot Chili Peppers“, es wird wieder getrunken und geraucht.

langfahrt, Blauwasser, junge Crew

Für den kleinen Hunger zwischendurch © seasick

Schnell landet der Erste im Wasser. Nicht schon geil genug, dass sich darin die Sterne reflektieren. Jetzt reagiert sogar das Plankton auf jede Bewegung im Wasser und fängt an zu leuchten. – Not Bad! Mother Nature, we love you! – Platsch, Platsch, Platsch, die Nächsten folgen. Zwei von uns sitzen auf halber Höhe im Mast, da ist man den Sternen noch näher. Und man sieht das leuchtende Plankton. Die ersten Klamotten fliegen vom Mast, dann zwei Schreie. 10 Meter im Dunkeln und man muss ein gutes Stück nach vorne springen. Das kitzelt ordentlich. Dann macht es zweimal Platsch, deutlich lauter! Überall leuchtendes Plankton, warmes Wasser. Auftauchen, die Sterne sehen, ein dickes High Five. Einfach SICK. SEASICK.

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