Anstieg von Containerverlusten: Warum immer mehr Boxen über Bord gehen

Folge der Pandemie?

In den letzten Monaten häuften sich Containerverluste auf See. Experten sind den Gründen für die besorgniserregende Entwicklung nachgegangen. Was die Pandemie damit zu tun hat.

Container im Meer (Symbolbild) © Shutterstock

Allein die One Apus verlor im November 2020 fast 2.000 Container, im Januar 2021 fielen etwa 750 Boxen von der Maersk Essen und kurz darauf noch einmal 260 von der Maersk Eindhoven. Auch unter Seglern sorgten diese großen Unglücke für Aufsehen. Schließlich schwimmen viele der Stahlboxen letztlich im Meer und stellen eine potenzielle Kollisionsgefahr dar.

Laut dem Nachrichten-Unternehmen Bloomberg verzeichnet die Schifffahrtsindustrie derzeit den größten Anstieg an Containerverlusten seit sieben Jahren. Mehr als 3.000 Container gingen nach eigenen Schätzungen des Medienunternehmens im vergangenen Jahr über Bord, 2021 sind es bis jetzt schon mehr als 1.000. Die Zahlen des Wirtschaftsverbandes der internationalen Linienschifffahrtsbranche, World Shipping Council (WSC), ergeben für die Jahre 2014 bis 2019 Werte zwischen etwa 400 und 1.500 jährlich „offiziell“ verlorenen Containern.

Der Faktor Corona

Für den deutlichen Anstieg der Containerverluste identifiziert Bloomberg verschiedene Gründe. So werde zum einen das Wetter immer unberechenbarer, zum anderen würden die Schiffe immer größer und die Container in der Folge höher gestapelt, was die Frachter im Sturm instabiler werden lassen könne. Aber auch die Corona-Pandemie spiele eine Rolle. Denn der Online-Handel sei infolge der einer deutlich erhöhten Verbrauchernachfrage sprunghaft angestiegen. China etwa verzeichne einen Exportboom.

„Die erhöhte Bewegung von Containern bedeutet, dass diese sehr großen Containerschiffe viel näher an der vollen Kapazität sind als in der Vergangenheit“, erklärte Clive Reed, Gründer von Reed Marine Maritime Casualty Management Consultancy, gegenüber dem Medienunternehmen. Deshalb werden etwa Container-Reihen auf den Ozean-Riesen öfter höher gestapelt als zuvor.

Die Schäden an Bord der „CMA CGM G. Washington“. Reihe 18 ist zusammengebrochen. © Marine Accident Investigation Branch

Nach Ansicht von Schifffahrtsexperten führt auch der Zwang zur Geschwindigkeit zu Problemen, die leicht im Unglück enden. „Es gibt einen kommerziellen Druck auf die Schiffe, pünktlich anzukommen und mehr Fahrten zu machen.“ 

Immer wieder kommt es vor, dass Kapitäne Stürmen nicht ausweichen, um Treibstoff und Zeit zu sparen, so die Analyse. Oft laute die Einstellung: „nicht um den Sturm herum, sondern durch ihn hindurch“, berichtete Jonathan Ranger, Leiter des Bereichs Marine Asia Pacific bei der American International Group Inc. Viele der jüngsten Zwischenfälle ereigneten sich im Pazifik, einer Region mit hoher Verkehrsdichte und problematischen Wetterverhältnissen. Vergangenen Winter habe es zudem besonders starke Winde im Nordpazifik gegeben, was eine raue See und große Wellen begünstigt habe, so Todd Crawford, Chefmeteorologe bei The Weather Company gegenüber Bloomberg.

Container, Zoe

Die mälträtierte Container-Ladung auf der “MSC Zoe”. © Havariekommando

Ein weiteres Problem: Während der Pandemie verschlechterten sich die Bedingungen für die Seeleute. Weniger Arbeitskräfte an Bord und eine erhöhte Anzahl von Containern an Deck machen es nach Ansicht von Neil Wiggins, Geschäftsführer von Independent Vessel Operations Services Ltd., für die Besatzungen immer schwieriger, alles angemessen zu kontrollieren. Allianz Global Corporate & Specialty schätzt laut Bloomberg, dass menschliches Versagen zu mindestens drei Viertel der Unfälle und Todesfälle in der Schifffahrtsbranche beiträgt.

Laut Rajesh Unni, Gründer der Synergy Marine Group, muss es nun für die Branche darum gehen, auf die veränderte Situation zu reagieren. Die Schuld alleine auf die Kapitäne zu schieben, wie es nach einem Container-Unglück oft geschehe, sei zu einfach.

 

Ein Kommentar „Anstieg von Containerverlusten: Warum immer mehr Boxen über Bord gehen“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Wenn es für Reeder und Kapitäne oft heißt lieber durch den Sturm als drumherum, um Kosten zu sparen, dann sollten die Reeder mehr an den Kosten der verlorenen Container beteiligt werden. Nicht so sehr die Versicherungen und die Staaten für die Bergungskosten. Dann kippt die Wirtschaftlichkeitsrechnung wieder in die andere Richtung.

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