Atlantik-Rekordversuch: Boris Herrmann puscht seinen Maserati mit Soldini

Die Uhr läuft

Der aufgemotzte Volvo 70 "Maserati (ex Ericsson 3) ist zur Rekordfahrt über den Atlantik aufgebrochen. © Maserati

Seit 12.50 Uhr und acht Sekunden läuft die Zeit: Genau dann startete Hochseesegler Boris Herrmann als Navigator des italienischen Skippers Giovanni Soldini mit der 21 Meter langen Hightechyacht „Maserati“ seine erste von drei Rekordfahrten auf dem Atlantik.

Bei starken Nordwestwinden verließ die achtköpfige, internationale Crew den spanischen Hafen von Cadiz und nahm Kurs auf San Salvador/Bahamas. Die 3.884,8 Seemeilen (mehr als 7.000 Kilometer) entfernte Karibikinsel soll in etwa zwölf Tagen erreicht werden.

Im April will der 30-jährige Oldenburger, der voriges Jahr als erster Deutscher beim Barcelona World Race non-stop um die Welt Fünfter wurde, mit dem Team den prestigeträchtigsten Streckenrekord von New York nach Lizard Point (Großbritannien) angreifen und den Atlantik von West nach Ost in sechs Tagen überqueren.

„Die Bedingungen sind ideal. Der Wind hat auf Nordwest gedreht und weht mit Stärke sechs. Das Boot läuft rund 20 Knoten“, meldete Boris Herrmann kurz nach dem Start, der vormittags noch einmal um zwei Stunden verschoben worden war, weil auf den Durchzug einer Kaltfront gewartet wurde.

Als Navigator ist Herrmann für die Wetteranalyse zuständig und hatte den günstigsten Zeitpunkt für Donnerstagmittag identifiziert. Erst zwei Tage zuvor war die „Maserati“ aus Italien überführt worden, wo sie über Winter für die Rekordfahrten getunt worden war. Die ehemalige VO70-Yacht „Ericsson 3“ ist leichter geworden und hat einen längeren Kiel bekommen.

Skipper Giovanni Soldini, der für das Projekt außerdem die Hauptpartner „BSI“ und „Generali“ gewann, gilt als bester und bekanntester Hochseesegler Italiens. Mit seinem ehemaligen Gegner aus der Class 40-Bootsklasse, Boris Herrmann, ist er seit vielen Jahren befreundet und schätzt dessen nautische Fähigkeiten:

„Boris hat das richtige, strategische Gespür und Know-how für solche Langstrecken. Wir waren uns sofort einig, dass wir jetzt losmüssen. Denn das Azorenhoch hat sich so positioniert, dass es uns eine schnelle erste Hälfte ermöglichst.“ Der Auftakt gab ihnen schon mal Recht.

Die bisher meist als Solosegler oder in Zweimanncrews aktiven Soldini und Herrmann werden vom America’s Cup-erfahrenen Brad Van Liew aus den USA und dem Spanier David Vera als Wachführern sowie vier Italienern unterstützt.

Die Rekordfahrten werden vom World Speed Sailing Record Council WSSRC offiziell überwacht. Es hatte eigens eine Abordnung nach Cadiz entsandt, die eine Startlinie auslegte und die Zeit nahm.

Bislang steht auf der Strecke, die Christopher Columbus am 3. August 1492 segelte, als er einen neuen Handelsseeweg nach Indien entdecken wollte, noch keine Rekordzeit für Einrumpfboote zu Buche. Einziger Wegpunkt ist Gran Canaria; die Kanarische Insel muss an Backbord passiert werden.

Die Bestzeit durch Frank Cammas Trimaran „Groupama“ mit knapp siebeneinhalb Tagen aus 2007 ist nicht vergleichbar, da die Mehrrumpfboote bauartbedingt schneller sind. Hier wird die „Maserati“ für den ersten Eintrag sorgen.

Gleiches gilt für die zweite Strecke über 947 Seemeilen von Miami/Florida nach New York, die im März angegangen werden soll. Die größte Herausforderung wartet dagegen auf dem Nordatlantik. Exakt 2.925 Seemeilen ist die Strecke vom Ambrose-Leuchtturm vor New York nach Lizard Point, der Südwestecke Großbritanniens, lang.

Sechs Tage, 17 Stunden, 52 Minuten und 37 Sekunden sind zu unterbieten, 18,05 Knoten im Schnitt, aufgestellt 2003 von der doppelt so langen, britischen Mega-Yacht „Mari Cha IV“.

Außerdem haben Soldini und Herrmann den 24-Stunden-Weltrekord im Visier. Den hält der Brasilianer Torben Grael seit 2008 mit der VO70 „Ericsson 4“, als er 596,6 Seemeilen, das sind 1.100 Kilometer, an einem Tag schaffte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 24,85 Knoten, entsprechend fast 46 km/h.

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15 Kommentare zu „Atlantik-Rekordversuch: Boris Herrmann puscht seinen Maserati mit Soldini“

  1. avatar Uwe sagt:

    Boris als Navigator ?

    Wie war eigentlich seine wetternavigatorische Leistung auf der Neutrogena ?

    Oder ist das nicht miteinander zu vergleichen ?

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    • Hallo?

      …was glaubst Du denn die das so abläuft, wen man “Zweihand” segelt?

      …einer kocht und der Andere macht den Abwasch?

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      • avatar Uwe sagt:

        “Herrmann genervt. Fast 1000 Meilen Rückstand für “Neutrogena”
        “Wir agieren bisher etwas unglücklich”
        26.01.2011 von Andreas Kling ”
        http://segelreporter.com/blog/2011/01/26/herrmann-genervt-fast-1000-meilen-rueckstand-fuer-neutrogena/

        Ich frage, weil ich nicht weiss, was ich glauben soll 🙂

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        • …ist doch ganz einfach: das da zwei Jungs, die ihre erste Regatta in einem nicht einfachen Bootstyp segeln und etwas unzufrieden mit ihrer Performance sind. Aber “navigiert” wird zweihand immer in Absprache. Wobei Boris in einem späteren Beitrag deutlich sagt, das er dankbar für die besseren handwerklichen Fähigkeiten seines Kollegen und seinen dahingehenden Einsatz ist. Ich geh mal davon aus, das Boris sicherlich die eine oder andere Stunde mehr vor dem Rechner gesessen hat.

          Egal. das war gestern. Wenn ein Giovanni Soldini einen als Navigator haben will, dann kann man davon ausgehen, dass der Mann weiss was er tut. So hab ich ihn zumindest 1996 in Quebec kennengelernt.

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  2. avatar Heini sagt:

    Dass Soldini ihn ausgewählt hat, wunderte mich auch ein bißchen. Er ist nun nicht gerade als Top-Navigator bekannt. Da fallen einem eher Namen wie ‘Marcel van Triest’ ein.
    Vielleicht war gerade niemand namhaftes frei? Oder die sind zu teuer?
    Aber wo sind die Top-Leute? Unter den VOR-Navigatoren findet man außer Andrew Cape auch keinen bekannten Namen.

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    • avatar Uwe sagt:

      Heini sagt: “Er ist nun nicht gerade als Top-Navigator bekannt.”

      Zu einem guten Navigator wird man wohl erst durch viel Erfahrung, die
      Boris mit 30 Jahren noch nicht haben kann.
      Beim Barcelona World Race wurde deutlich, dass z.B. die Erfahrung im Stromsegeln
      zu fehlen schien. Während die “alten Hasen” den Gegenstrom in der Strasse von Gibraltar
      durch einen eleganten Südschlag umschifften und völlig easy im Neerstrom durch den Engpass
      schlüpften, kreuzte Boris ziemlich konzeplos mehrmals den Gegenstrom und fiel dabei sehr stark zurück.
      Im weiteren Verlauf des Rennens hingen Boris und Ryan häufig in Flautenlöchern fest.
      Sie arbeitetetn dann aber sehr hart an den Winschen (häufige Segelwechsel) und konnten die Rückstände
      aufgrund ihrer Fitness immer wieder wettmachen.

      Als Crewmitglied hätte ich Boris gern mitgenommen, als Navigator jedoch nicht.

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  3. avatar Wilfried sagt:

    die ersten beiden Strecken sind ja nur zum überführen. Man sollte auch nicht von Rekord angreifen sprechen wenn nur die erste Zeit gesetzt wird. Interessant wird es erst im April auf dem Nordatlantik.

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  4. avatar Hannes sagt:

    Ja genau, lasst Boris einfach zuhause und sucht nen anderen Profi.

    Mit 30 Jahren überhaupt in dem Zirkus mitzuspielen ist schon eine riesen Leistung. Im Gegensatz zu vielen anderen sind Boris und Ryan auch ein “World Race” non stopp gefahren.

    Jetzt wird hier eine der wenigen deutschen offshore Hoffnungen auch noch beleidigt.

    Jungs kommt mal weg von der Theke. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

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    • avatar Marc sagt:

      Hier sind halt nur Top Navigatoren unter den Kommentatoren 😉

      Ich wünsche jedenfalls Boris alles Gute, wird schon seinen Grund haben warum er ausgewählt wurde. Und ich glaube nicht das fehlendes Geld oder keine verfügbaren besseren Navigatoren der Grund waren. Vielleicht hat Soldini seine Fähigkeiten erkannt.

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      • avatar Uwe sagt:

        Marc,

        woran liegt es denn eigentlich, dass beim Volvo Ocean Race selbst beim Puma-Team nur ein einziger Deutscher an Bord ist ?

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  5. avatar Manfred sagt:

    Moin, ich will jetzt Uwe nicht in die Seite springen und ich schätze Boris sehr. Über seine Navigationskenntnisse, verbunden mit Wetteranalyse mag ich nicht urteilen. Mit Sicherheit 90% besser und 98 mehr Treffer als wenn ich ds machen würde.

    Mit einer Bemerkung habe ich mich allerdings schon seit Beginn dieses Projektes zurückgehalten. Ein reines PR Projekt und hoffentlich geht das nicht in die Hose bei den vielen PR Artikeln voller Vorschußlorberen. Ich finde, die Fachpresse müsste sich da ein bisschen mehr zurückhalten. Aber was weiss ich denn schon genaues…

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  6. avatar NK sagt:

    Ich kann nicht verstehen, warum hier Boris Herrmann schlecht gemacht wird!! Nun gibt es endlich mal einen jüngeren deutschen Segler, der sich auf dem großen Offshore-Parkett bewegt und dann wird er auch noch in der Heimat niedergemacht… Ich finde seine bisherigen Leistungen saugeil und finde es super, dass er als Nav diese Rekordversuche mitsegeln darf. Das ist genau die richtige Vorbreitung und Weiterentwicklung in Richtung eines eigenen Vendee Projektes. Ich freue mich und drücke alle Daumen!!

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