Außenbordkamerad: Jetzt doch – Toter Buckelwal am Ostseestrand bei Rostock

Realität nach dem Fake

Toter Wal, Ostsee

Seltener Anblick: ein toter Acht-Meter-Wal nahe Rostock © screenshot ndr

Meeresbiologen zerlegten die tote Walkuh bei sengender Hitze. Plastik im Magen des Tieres kann als Todesursache ausgeschlossen werden.

Nach dem Fake die traurige Wahrheit: In der Ostsee ist nun tatsächlich ein toter Wal gefunden worden.

Vor drei Wochen hatte das Künstlerkollektiv „Captain Boomer“ medienwirksam eine täuschend echte Wal-Attrappe (aus recyceltem Plastik) auf den Strand von Zingst platziert, um mit falschen Pressemeldungen für das Festival „Umwelt-Mensch-Natur“ zu werben (SR berichtete).

Am Wochenende wurde nun in der Nähe von Rostock am Strand von Graal-Müritz eine tote Buckelwalkuh gesichtet und auf den Strand gezogen. (Video in ARD-Mediathek)

Todesursache unklar

Da das Tier keine sichtbaren Verletzungen aufwies und somit eine Kollision mit Schiffsbug oder Schiffsschrauben ausgeschlossen werden konnte, tippte man zunächst auf Plastik im Magen als Todesursache. 

Der Plastik-Pottwal auf dem Strand vor Zingst. © Kur- und Tourismus Gmbh Zingst

Doch Meeresbiologen, die den Walkadaver noch am Strand sezierten und Proben für Laboruntersuchungen nahmen, entkräfteten sogleich diese Vermutung. Wale, die an Plastikmüll im Magen verenden, verhungern meistens. Doch diese, wahrscheinlich gerade mal 1 Jahr junge Walkuh, habe mit ihren 8,65 m Länge bei ca. vier Tonnen Gewicht gut genährt gewirkt. 

Die Todesursache gibt weiterhin Rätsel auf. Größere Krankheiten könnten ausgeschlossen werden, informierten die Meeresbiologen vor Ort lokale Medien. Es seien mehrere Todesursachen denkbar, u.a. auch Ertrinken. 

Sorge bereitet offenbar ein möglicher Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auffinden toter Kegelrobben und Schweinswale in der Ostsee und dem toten Buckelwal-Weibchen. 

Seltene Gäste

Buckelwale wurden in der Vergangenheit eher selten in der Ostsee gesichtet. Die bis zu 18 m langen Bartenwale stehen seit den Sechzigerjahren unter Artenschutz, nachdem sie zuvor nahezu ausgerottet wurden. Mittlerweile haben sich die Bestände weltweit wieder erholt, die Tiere gelten allerdings als sehr anfällig für die Meeresverschmutzung.
Die letzten Sichtungen in der Ostsee waren spektakulär. 2014/15 wurde sogar eine Mutterkuh mit Kalb gesehen – die beiden überwinterten nach Einschätzung von Meeresbiologen zwischen der schwedischen und dänischen Küste. 2016 wurde ein Buckelwal im Greifswalder Bodden beobachtet. 

Die Meeresbiologen des Stralsunder Meeresmuseums wollen im Labor weitere Untersuchungen an den Fleischproben und am Mageninhalt vornehmen. Das Skelett Des Tieres soll später im Stralsunder Meeresmuseum ausgestellt werden. 

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