Beilken Sails: Bremers Segelmacher ist insolvent

Schwere Schlagseite

Beilken Sails hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht gestellt. Ein vorläufiger Verwalter wurde bestellt. Vor 14 Jahren bekamen die Bremer noch die Kurve. Zuvor schrieben sie seit 1919 eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Die heutige Pressemitteilung ist kurz: “Das Traditionsunternehmen Beilken Sails hat einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bremen gestellt. Rechtsanwalt Michail Siagas von der Kuhmann Insolvenzverwaltung ist zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb wird gegenwärtig fortgeführt und es werden parallel etwaige Sanierungsaussichten sondiert.”

Am Mittwoch hatte schon der Weser-Kurier berichtet: “Laut Geschäftsführung werde aber weiter produziert und alle Kunden, die bereits Anzahlungen gemacht hätten, würden ihre Segel bekommen.”

Es ist eine traurige Nachricht. Schließlich haben die Segelmacher aus Bremen seit 1919 die Entwicklung des deutschen Segelsports maßgeblich mitgeprägt. Gründer Friedrich Beilken stellte im Stadtteil Vegesack noch Segeltücher her, die “geloht” werden mussten – also versiegelt mit einer Brühe aus gemahlener Eichenrinde und Wasser, die in einem großen Kessel gekocht wurde.

Von Bremen zur Weltmarke

Als die Enkel Hans und Berend Beilken die Firma nach dem Zweiten Weltkrieg in dritter Generation von ihrem Vater übernahmen, begann eine Erfolgsgeschichte. Sie bewegten sich beim weltweiten Aufstieg des Segelsports im Gleichschritt.

Mit der Verlegung des Firmensitzes in den 60er Jahren auf die andere Seite der Weser nach Lemwerder in Niedersachsen wurde die Basis gelegt. Die Beilkens gehörten zu den Ersten, die ersten Polyester-Segel aus Dacron produzierten und verkauften. Sie machten sich dabei insbesondere mit der erfolgreichen Abwicklung des Großauftrages für Alfried Krupps “Germania V” einen Namen. Beilken eröffnete sich damit den Markt für große Yachten, war aber auch in den Jollenklassen präsent (selbst im entfernten NRW – der Autor war zufriedener Kunde im Opti und 420er).

In der Folge half es, dass Hans und “Bernie” Berend Beilken selber zu den besten deutschen Seglern gehörten. Ihre Erfolge in den 70er Jahren beim Admiral’s Cup waren wichtige Eigenwerbung. Hans Beilken gewann die prestigereiche Eintonner-Weltmeisterschaft zweimal. Der jüngere Bruder war gleich dreimal beim Admiral’s Cup erfolgreich.

Die erste Insolvenz

Die Ära der Beilken-Brüder zog sich bis 1995 als Hans Beilken als letztes Mitglied der Gründerfamilie in den Ruhestand ging. Mit der eher rückläufigen Entwicklung des Seesegelns in Deutschland wurde es auch für die Marke Beilken immer schwieriger. North Sails etwa war zum übermächtigen Gegner geworden.

Großauftrag “Alexander von Humboldt” mit den grünen Segeln von Beilken. © DSST

Albert Schweitzer, selber ein großer Name im deutschen Segelsport, übernahm 1995 die Segelmacherei. Er holte sich insbesondere durch eine Kooperation mit der US-Firma Quantum Sails verlorene Marktanteile unter den Regattaseglern zurück. Aber nach einem Krisenjahr 2007 schlitterte er in die Insolvenz.

Das war aber noch nicht das Ende. Mitarbeiter Jörg Müller-Arnecke übernahm die Geschäftsführung, fand Investoren, schrieb nach etwa einem halben Jahr wieder schwarze Zahlen und beschäftigte 21 Mitarbeiter. 2019 schied aber auch er aus dem Unternehmen aus und übergab die Leitung an den bekannten Bremer Wettfahrtleiter Uwe Wenzel.

Dass er mit seinem Team nun gerade voll in die Corona-Krise schlitterte, war sicher nicht das beste Timing. Es sieht nun nicht gut aus für die Traditionsmarke. Das Schiff hat schwere Schlagseite. Aber vielleicht gelingt ja doch noch das Gegensteuern in letzter Minute.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

3 Kommentare zu „Beilken Sails: Bremers Segelmacher ist insolvent“

  1. avatar Maharani sagt:

    Moin,
    hatte vor ein paar Wochen per Email einen Satz Classic Sails für eine Hansa-Jolle angefragt. Leider (zum Glück?) nie eine Reaktion bekommen. Die Website war auch schon länger nicht gepflegt. Schade schade! Gute Erinnerungen aus der Jugend ansonsten (unter anderem auf db 1 🙂 Ich drück mal alle Daumen!

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  2. avatar Jochen Buttkereit sagt:

    Ich habe bei Uwe erst vor ein paar Wochen ein Rollgross bestellt das pünktlich ausgeliefert wurde. Das Segel steht für ein Rollgrosssegel hervorragend und ist perfekt verarbeitet. Die Beratung war top und der Preis absolut konkurrenzfähig. Ich drücke dem Team und insbesondere dem Uwe Wenzel ganz fest die Daumen das er es schafft, den Laden noch zu retten.

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  3. avatar Albrecht Schall sagt:

    Ich habe eine Fock ein Großsegel angefragt leider hat niemand darauf reagieret.
    In Flensburg wird Robbe und Berking Classic als Händler mit Adresse genannt, mit Telefonnummer. Leider Wissen die Herren von R&B nichts davon.
    Ich werde noch einmal eine GS Regenerierung anfragen, irgendwann hat aber das Nachlaufen einmal ein Ende

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