Bente-Pleite: Bente39-Eigner legt Blackfish-Projekt auf Eis – Anwalt eingeschaltet

"Eigentlich lösbare Mängel"

Die Bente Insolvenz hat offenbar zu einem Teil mit Problemen bei der neuen 39 zu tun. Der Belgier Peter Luycks konkretisiert die Probleme bei seiner Baunummer 2.

“Blackfish”, die 2. Bente39 unter großem Kite. © Blackfish Sailing

Der Belgier Peter Luycks wollte für sein neues Projekt namens Blackfish nicht einfach nur ein Boot von der Stange, sondern entschied sich nach dreijähriger Suche für die Bente39. Es sollte ihn drei Jahre lang über die Weltmeere tragen, ordentliche Regatta-Ergebnisse einfahren und den  Umweltschutz vorantreiben. Die Organisationen WWF und VLIZ kamen als Partner ins Boot. Ihnen stellte er auf den Meeren gesammelte Daten und Proben in Aussicht.

Auf der Übeführung nach Spanien nahm das Team Wasserproben in der Biskaya. © Blackfish Sailing

Wichtigstes Regatta-Event 2020 sollte die Teilnahme an der “Transquadra” werden, einer Shorthand-Regatta für Amateure, über den Atlantik mit dem Projekt Partner Yan Trouwen. Hauptsponsor sollte die Firma Petzl sein, ein französischer Hersteller von Bergsportausrüstung und Stirnlampen.

Nun hat Luycks aber angekündigt, Blackfish vorerst auf Eis zu legen. In einem aktuellen Facebook-Post erklärt er die Gründe, “um Spekulationen und falsche Informationen zu verhindern”.

Schickes Schiffchen. © Blackfish Sailing

Dabei macht er deutlich, es sei durchaus klar gewesen, dass bei einer Baunummer 2 durchaus Kinderkrankheiten auftreten können. Aber schließlich seien die Probleme mit der Installation größer gewesen als gedacht.

Zertifikat nicht geliefert

“Wir sind nach wie vor von der Konstruktion und den erlebten Segeleigenschaften überzeugt.” Er habe auch das Design und das Konzept gut gefunden, und sich deshalb für das Boot entschieden. Immer noch vertraue er dem Know-How von Vrolijk-Design.

Auch der Hauptsponsor Petzl in Belgien und Spanien, habe an das Projekt und die Ziele geglaubt und mit finanzielle Unterstützung wie auch Ausrüstung geholfen. “Dafür sind wir sehr dankbar.”

Es sei aber noch ein besonderes Problem aufgetreten. “Für die Regatten der Kategorie 1 und 2 benötigen wir ein Zertifikat von World Sailing, und das die Werft nicht geliefert. Dabei ist die Teilnahme an der Kategorie 1-Regatta Transquadra in unserem Auftrag klar definiert.

Für die Teilnahme an dieser Regatta darf das IRC-Handicap 1.050 nicht überschreiten. Vor der Unterzeichnung des Auftrags bestätigte Bente uns per E-Mail, dass sie diesen Standard erfüllen würden. Aber bei der Lieferung wurde ein IRC-Wert von 1.118 ermittelt. Deshalb können also unsere Hauptveranstaltung nicht segeln.”

Keine Antwort, keine Zusammenarbeit

Das sei ziemlich ärgerlich, auch wenn man damit leben könne, andere Offshore-Rennen zu wählen.

Schwerwiegender war für den Belgier offenbar der Umgang der Werft mit den auftretenden Problemen. “Während des Segelns wurden viele, Mängel gefunden, die aber eigentlich lösbar waren. Wir haben sie der Werft jeweils mit der Bitte um Behebung mitgeteilt. Als es dann aber keine Antwort, keine Zusammenarbeit und kein Gefühl der Verantwortlichkeit gab, haben wir den Fall an einen Anwalt übergeben. Aber auch daraus folgte keine nennenswerte Reaktion, außer dass das Boot CE-konform wäre.

Am Ende hat sich die Werft für den Konkurs entschieden, anstatt auf eine Lösung hinzuarbeiten. Deshalb haben wir unser Projekt vorerst auf Eis gelegt.

Das ist aber nicht das Ende……Wir hoffen, dass wir das Projekt wieder aufnehmen können. Aber vorher muss das Boot komplett überholt werden.”

Nun sei man über jeden Vorschlag dankbar.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

8 Kommentare zu „Bente-Pleite: Bente39-Eigner legt Blackfish-Projekt auf Eis – Anwalt eingeschaltet“

  1. avatar IRC sagt:

    Wie kann ein zu hoher IRC Wert ein Problem sein? Boot langsamer machen durch Festprop oder Verzicht auf Gennaker. Zur Not lässt man sich ein kleineres Großsegel machen. Nach IRC langsamer zu werden ist doch viel einfacher, als schneller zu werden.

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    • avatar Wurstwagenlover sagt:

      Wenns so easy ist, hätte die Werft das Boot ja ohne Probleme auch direkt als Wurstwagenversion ausliefern können. Wenn der Kunde das so bestellt und die Werft das zusagt, muss sie es als Teil der Bestellung auch einhalten. Völlig egal, ob der Eigner das auch eben selbst lösen kann. Ich mache beim Auto nach der Inspektion ja auch nicht selber Ölwechsel, wenn die Werkstatt den nicht wie bestellt gemacht hat, nur weil ich es könnte.

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  2. avatar TurboSegler sagt:

    Jeder Eigner besorgt sein Zertifikat von World Sailing doch selber, keine Werft der Welt macht das.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 3

  3. Das mit der Transquadra fand ich von vornherin schräg. Dafür ist die Bente viel zu schnell, wofür aber die Bente nichts kann, sondern der Käufer. Langsamer machen geht natürlich – es fahren ja auch größere JPKs und sogar Figaro-2 dort mit – nur jeweils gut kastriert …

    Ansonsten scheint es eine ganze Menge Kinderkrankheiten zu geben aber keine echten Showstopper. Die Insolvenz dürfte damit wohl nicht zusammen hängen …

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  4. avatar Firma Siemek sagt:

    Na Ja, bei einigen ganz wichtigen Kunden denkt man sich auch Erfahrungsgemäß nur seinen Teil. Gehören auch immer zwei Seiten zu.
    Blöd ist es allgemein im Yacht und Schiffbau wenn da mit einem einzigen Auftrag erhebliche Werte auf dem Hof/in Garantie stehen und ein Fehlgriff gerade am Anfang fatal sein kann, wenn das denn überhaupt mit der Insolvenz was zu tun hat. Es braucht auch viel Glück mit den ersten Kunden, der Fertigung, der Organisation und dem richtigen Zeitpunkt am Anfang in so einem Risikoreichen übersättigten Freizeitmarkt. Am Anfang ist nie alles perfekt.

    Ich finde es aber ziemlich daneben, wie darüber hier berichtet wird. Hauptsache was zum schreiben. Ich glaube man muss das nicht so zerpflücken, auch wenn es Clicks und Reichweite generiert.
    So Boulevardpressenmäßig und Schaulustig nützt das keinem. Es wird schon seine Gründe geben, ein eine solche Situation wünscht sich kein junges Unternehmen, egal was man von den Booten, Firmen oder Mitwirkenden auch halten mag. Es gab sicher auch brenzlige Situationen bei SR.

    Ich hoffe für die heimische Industrie, dass es mit Bente weitergeht. Auch wenn viel Marketing war, auch eine der Innovativsten Firmen in Deutschland auf dem sonst konservativen Markt. Nur sollte man sie in der schwierigen Situation in Ruhe lassen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 14 Daumen runter 13

    • avatar Jorgo sagt:

      Naja, wenn man vorher soviel PR macht darf man sich eigentlich hinterher nicht wundern wenn es weitergeht in der “Öffentlichkeit”.
      Insofern möchte ich SR hier ausdrücklich für die weiteren Informationen danken.
      Die Hype vorher um die Marke war ja auch nicht unbedingt jedermanns/fraus Sache.

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  5. avatar Felix sagt:

    Ich pflichte Fa. Siemek bei und hoffe, dass es hier mit der noch jungen Bente-Marke weitergeht.
    Auch wenn für manche/viele die Adaption des Bente-Designs von der Ur-Jedermanns-Bente28 auf 39-Fuß philosophisch bedenklich ist, ist und bleibt es für mich ein frisches, spannendes Fahrtenboot.
    Hoffe auf noch viele Baunummern, so dass sich in ein paar Jahren eine Gebrauchte für mich findet 😉

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