Bente-Pleite: Wie das Erfolgsprojekt begann – Probleme mit der Bente39

Die Bente-Story

Wild, unangepasst, einfach mal was anderes als der Branchen-Einheitsbrei. Auf ein Projekt wie Bente hatte die Szene gewartet. Wie konnte es zu der Insolvenz kommen?

Bente ist endlich Mal was Neues auf dem Kleinkreuzer-Markt, ein Segment, das die Großen lieber aussparen. Es gibt zu wenig zu holen. Von wegen: Klein, bezahlbar, neuer Look, frische Ideen – Bente ist in aller Munde, nachdem Stefan Boden alias Digger-Hamburg am 7.3.2014 zum ersten Mal auf Segelreporter über das Vorhaben schreibt, einen Kleinkreuzer entwickeln zu wollen.

Bente 24

Bente beim ersten Testsegeln auf der Arniser Breite auf der Schlei. © S. Boden

Er war selber mit einer Varianta 18 und Hund über die Ostsee gecruist, hatte authentisch drüber gebloggt, einen hübschen Fankreis um sich geschart und war schließlich im Oktober 2012 selber mit Boot auf der Messe in Hamburg präsent.

Ein Augenzwinker-Artikel über rudel/frolic bringt den Kontakt zu Alexander Vrolijk, Sohn des berühmten Alinghi-Designers Rolf. Zusammen stellen sie sich die Frage: Warum gibt es auf dem Markt kein 24/25-Fuß-Boot, “schnell, hochseetauglich, simpel, sexy, neu, modular, bewohnbar, flexibel und bezahlbar. Für Einsteiger und für Aussteiger”. 

Kann man das nicht alleine auf den Markt bringen? Die konservative Yachtszene aufmischen?

Bente 24

Bente unter Gennaker. © S. Boden

Der Stein kommt ins Rollen. Mit der fachlichen Kompetenz von Vrolijk und dem Renomee des Design-Büros aus Bremerhaven im Rücken und Digger, als Werbefilm-Spezialist sicher im Umgang mit den Möglichkeiten des Internets, entsteht ein einzigartiges Projekt. Geprägt und getragen von der Basis, sympathisch durch die Einbindung der Crowd, überzeugend als Produkt und attraktiv wegen der Ablehnung durch die traditionellen Medien und Branchenvertreter.

Allein die Entstehung des Namens Bente spricht Bände über den Spirit der Initiative. Als das größer werdende Team im Brainstorming die Anforderungen an ihr Traumboot beschreiben, landen sie schnell bei einem spartanischen, eher sportlichen Design.

Bente 24

Das Bente-Team: vl, unten: Stefan Boden,  Margo Petrova (Marketing-j/v) vl, oben: Max Minarek (Brokerage j/v, Alex Vrolijk, Paul Schirmer © Marina Könitzer

Aber ein Einwand von Mitstreiter Jan wird erst zum Running Gag, dann zum wichtigen Design-Faktor: “Meine Freundin Bente würde da nicht mitkommen. Sie braucht einen abgeschlossenen Toilettenraum.” Boden schreibt: “Seit diesem Tag macht immer wieder dieselbe Frage die Runde, wenn wir zusammensitzen: ‘Was würde Bente dazu sagen?'” Der Name war geboren.

Bente in Progress. Die Webcam zeigt den Bau des Prototyps

Vieles war anders. Auf SegelReporter verlinkten wir sogar auf eine Webcam, die den Bau des Prototypen in Polen zeigte. Industriedesign-Studenten aus Hannover machten sich Gedanken über Innenausbau-Varianten. Man versuchte über den Tellerrand zu sehen. Neue Ansätze finden. Boote auf der Messe mit einem Astra-Pils in der Hand verkaufen. Richtpreis: 25.000 Euro (o.MW). Den Vorab-Test schrieb man einfach selbst.

Es klappte. Das Schiff mit dem markanten Dodger – der festen Sprayhout – funktioniert. Sogar beim SegelReporter Pärchen-Urlaub.

SR beim Bente24-Törn auf der Schlei. © SegelReporter

120 Bente24 sollen bis heute verkauft sein. Eine echte Erfolgsgeschichte. Es wird sogar eine Bio Bente gebaut. Der Name: “Hanf im Glück”. Aus Flachs, Kork und Leinölharz. Im Vakuum-Infusionsverfahren für Liebhaber. Der stolze Preis: 55.000 Euro.

Bio Bente

Die Macher der Bio Bente bei ihrem Modell. Die Pläne werden real. © diggerhamburg

Die Bente-Truppe sprüht vor Phantasie. Auf der boot 2016 folgt die nächste spannende Idee: Eine 20 Fuß Mini Bente, die über ein neuartiges Boat Sharing Modell einen neuen Zugang zum Markt ermöglichen soll. Wieder mit einem hübschen Marketing-Gag: Das unfertige Boot kann nur durch ein Guckloch hinter einer Wand betrachtet werden.

Bente

Die MiniBente aus der Box wird auf der boot verladen.

Aber dieses Projekt, so spannend und modern es gedacht ist, hebt nicht ab. Es verschwindet einfach von der Bildfläche. So wie Stefan Boden selber. Plötzlich ist er weg. Das Gesicht und die Stimme von Bente zieht sich zurück. Aus der Bootsbaubranche, aus Hamburg und aus der Öffentlichkeit.

Gründe wurden nicht kommuniziert, so ist nur zu vermuten, dass das nächste angepeilte Bente-Projekt für die Trennung eine Rolle spielte – die 39. Auch Paul Schirmer, Mann der ersten Stunden, scheidet Anfang 2018 als Mit-Geschäftsführer aus.

Alexander Vrolijk zieht die Realisierung des Baus ohne den Kern der ursprünglichen Bente-Gründer durch. Ende 2018 ist die große Bente fertig. Sie wird zurzeit für 310.000 Euro auf dem Markt angeboten. Die Marke ist im Mainstream-Bootsbau angekommen, wo Schiffe und Gewinnspannen größer sein sollten.

Bente39 hat noch den Look der kleinen 24 insbesondere wegen des markanten Aufbaus. Aber auf den Spirit der Max-Mustermann-Segler-Crowd mit kleinem Geldbeutel, muss sie verzichten. Kein Wunder: für den Preis der Großen könnte man sich jede Menge Kleine kaufen.

Belgier hat Probleme mit der 39

Dennoch passt gerade das Projekt des belgischen Neu-Eigners Peter Luycks gut zur Marke. Er will nicht einfach nur ein Boot von der Stange, sondern auch noch mit seiner “BlackFish” für die Umwelt segeln. Am 7. Juni 2019 stellt er die Kampagne und seine neue Bente 39  in Ostende vor.

Bent39 “Blackfish” auf hoher See. © Blackfish Sailing

Drei Jahre habe er nach einem geeigneten Schiff gesucht, nun sei ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, schreibt er auf seiner Website. Insgesamt drei Jahre wolle er auf den Weltmeeren unterwegs sein und mit dem Projekt Partner Yan Trouwen 2020 im Rahmen der “Transquadra”, einer Shorthand-Regatta für Amateure, über den Atlantik. “‘Blackfish’ wird in den kommenden Jahren ins Rampenlicht segeln”, verspricht er. Insbesondere wegen seiner Verbindung zu den Umweltorganisationen WWF und VLIZ, für die er auf den Meeren Daten und Proben sammeln will.

Aber so weit kommt es ersteinmal nicht. “Blackfish” nimmt zwar Anfang August mit der neuen Bente am Fastnet Race 2019 teil, gibt aber auf. Erst habe der Mast komische Geräusche gemacht, schreibt der Eigner auf seiner Facebook-Seite, dann habe man einen Riss im Deck entdeckt.

Motor kaputt

Ganz so schlimm kann der aber nicht gewesen sein, denn eine Woche später gelingt die fünftägige Überfahrt von Plymouth nach Porto bei starkem Wind. Dabei habe sich der Kühlschrank gelöst und nur noch am Kabel gehangen, schreibt Luycks. Aber es gelingt, ihn mit “richtigen Schrauben” zu fixieren.

Der Belgier schwärmt trotzdem, “es ist eine Freude, das Boot zu segeln”. Doch die Probleme häufen sich. Nun macht die eingebaute Maschine Probleme. “Blackfish” kommt bis nach Puerto del Este aber – ohne dass der Motor repariert ist – aber die geplante Teilnahme am Middle Sea Race auf Malta wird abgesagt. Es sein nun ein “Streitfall”, schreibt Luyck.

Der letzte Eintrag vom 30. Dezember lautet: Man habe immer noch Hoffnung, dass die Saison 2020 wie geplant starten könne. “Wir glauben weiterhin an den professionellen Ansatz unserer Werft.” Das ist offenbar immer noch der Stand.

Investoren finden

Der Ärger mit dem Belgier scheint einer der Gründe für die Bente-Insolvenz zu sein. Dabei scheint es auch noch einen weiteren Eigner aus Holland zu geben, der Probleme hat. Er mahnt in einem öffentlichen Post an, dass er mit der Werft über eine hohe Anzahlung im Clinch liege.

Vrolijk selber äußert sich dazu nicht gegenüber SR. Auch die angekündigte Antwort des Insolvenzverwalters zu dem Thema ist ausgeblieben. An anderer Stelle macht Vrolijk ausbleibenden ökonomischen Erfolg für die Insolvenz verantwortlich. Er sei aber überzeugt, dass Investoren gefunden werden können.

Das wäre wahrlich zu wünschen. Ohne Frage ist die Bente-Story eine der spannendsten Geschichten im deutschen Yacht-Bootsbau seit vielen Jahren. Es wurde viel bewegt, und gezeigt, was auf dem vermeintlich konservativen deutschen Yacht-Markt möglich ist. Die Marke Bente ist mit einem positiven Spirit aufgeladen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Bente-Pleite: Wie das Erfolgsprojekt begann – Probleme mit der Bente39“

  1. avatar Thomas sagt:

    Mir hat Digger beim Bente-Projekt gefehlt in den letzten Jahren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 17 Daumen runter 11

  2. avatar PL_jp_junker sagt:

    Schade um Bente. Aber leider gibt es immer wieder Beispiele wie sich kleine, neue Werften mit dann zu großen Booten übernehmen. Wir sind mit unser Bente24 zwar sehr zufrieden, hatten aber auch Probleme mit Lieferzeiten und Versprechungen. Vor allem die Kommunikation liegt da bei Bente sehr im Argen.

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