Bodeneffektfahrzeug: „Fliegende“ Elektro-Fähre soll mit 290 km/h über den Ärmelkanal rasen

„Zukunft des Seetransports“

Die französische Reederei „Brittany Ferries“ und ihr Entwicklungspartner aus den USA haben Pläne für eine zukunftsfähige Form des Fährverkehrs vorgestellt. Schon in wenigen Jahren sollen vollelektrische „Seaglider“ zum Einsatz kommen und mit bis zu 290 km/h knapp über dem Ärmelkanal schweben.

Für Segler wird es immer enger auf den Schifffahrtsstraßen. An rasende Fähren hat man sich vielleicht einigermaßen gewöhnt, aber bald könnten noch schnellere Gefährte ihren Platz auf dem Wasser beanspruchen. Sie sollen erstmal auf dem Ärmelkanal hin- und herrasen.

Das US-Start-up „Regent“ (Regional Electric Ground Effect Nautical Transport) entwickelt das Konzept für den “Seaglider”, ein sogenanntes Wing-in-Ground-Effect-Vehicle (WIG). Entsprechend der kürzlich unterzeichneten Absichtserklärung von Brittany Ferries könnten bereits 2028 Seaglider mit einer Kapazität von 50 bis 150 Passagieren zwischen Großbritannien und Frankreich verkehren.

Für die Strecke vom südenglischen Portsmouth bis ins nordfranzösische Cherbourg zum Beispiel bräuchten Passagiere dann statt mehrerer Stunden nur noch etwa 40 Minuten, so die Reederei. Die „fliegenden Fähren“ sollen mit bis zu 290 km/h unterwegs und damit sechsmal schneller als herkömmliche Fähren sein. Laut dem französischen Unternehmen sorgt neueste Sensortechnik dafür, dass die Fahrzeuge den Verkehr auf See erkennen und automatisch ausweichen.

Das geplante Bodeneffektfahrzeug im Vergleich zur klassischen Kanalfähre. © Brittany Ferries

Der Seaglider macht sich den altbekannten „Bodeneffekt“ zunutze, hebt sich nach dem Auslaufen aus dem Hafen zunächst auf die Tragflächen, dann knapp über die Wasseroberfläche und gleitet auf einem „Luftpolster“ bis zum Zielort. Anders als bereits existierende Bodeneffekt-Flugzeuge soll er rein eklektisch angetrieben werden und ohne fossile Brennstoffe auskommen. Mit heutiger Batterietechnik schätzt man die Reichweite bei Brittany Ferries auf knapp 300 Kilometer.

Rendering vom Seaglider. © Brittany Ferries

Zum Stand des Projektes heißt es vonseiten der Unternehmen: „Sowohl Brittany Ferries als auch Regent sind sich bewusst, dass noch viele technologische, praktische und regulatorische Herausforderungen vor ihnen liegen.“ Das sei jedoch kein Hindernis für die Entwicklung des vielversprechenden Konzepts, das bereits im militärischen Bereich und bei kleineren Freizeitbooten eingesetzt werde. Man wolle die Zukunft des Seetransports marktreif machen. Frédéric Pouget, Ports and Operations Director bei Brittany Ferries ergänzte: „Wer weiß; möglicherweise ist dies die Geburtsstunde von Fähren, die über den Ärmelkanal fliegen.“

Tipp: André Mayer

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