Bootsbau: Foil-Ofen aus Coesfeld – 2 Millionen-Euro teurer “Schnellkochtopf”

Heißer Ofen

Ein 120 Tonnen schwerer und 25 Meter langer Autoklav-Ofen ist aus Deutschland nach Lorient verschickt worden. Darin wird die neueste Generation der Formel 1 Rennyachten gebacken – zuerst die Foils für den neuen Ultim “Banque Populaire”.

Die Autoklave wird auf ein Binnenschiff nach Rotterdam verladen. © CDK

Eigentlich generiert sich der Kundenkreis der Firma Scholz eher aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie. Denn die Maschinenbauer aus der nordrheinwestfälischen Provinz in Coesfeld bei Münster sind weltweit führend im Autoklavenbau. Sie produzieren gasdicht verschließbare Druckbehälter, in denen unter thermischer Behandlung insbesondere Faserverbundwerkstoffe verpresst werden können.

“Charal” wird aus der CDK-Halle in Lorient geschoben. © CDK

Aber nun haben die Spezialisten aus Deutschland auch einen 120 Tonnen schweren Behälter nach Lorient geliefert, in das Zentrum des französischen Rennsegelsportes. Der 25 Meter lange und 4 Meter breite Ofen, der wie ein riesiger Schnellkochtopf funktioniert, wurde an die Werft CDK Technologies ausgeliefert. Der Schwertransport war zuerst per LKW und Binnenschiff nach Rotterdam geführt und dann auf einen Frachter nach Lorient verladen worden.

Boomender Markt

Die insgesamt zwei Millionen teure Investition von CDK ist Ausdruck für die rasante Entwicklung des High-Tech-Yachtsports besonders in Frankreich. Die Ansprüche an die Kohlfaser-Konstruktionen steigen analog zu den Geschwindigkeiten beim Hochseesegeln.

Eine Anlage dieser Größe wird im französischen Yachtsport bisher nicht verwendet. Aber laut CDK-Technologies-Geschäftsführer Philippe Facque boomt der Markt. Immer häufiger müssen große Teile wie Tragflächen für die IMOCAs gebacken werden. Früher habe man sie aus zwei Teilen gefertigt, in der neuen Anlage ist es ein einziges Stück.

Die Qualität verbessere sich dadurch erheblich. Üblich sei ein Verfahren, bei dem man in der Autoklave 200 Grad Hitze und 10 Bar Druck erzeuge. Nun könne man höherwertige Harze mit höheren Temperaturen und größerem Druck verarbeiten.

Ankunft der 120-Tonnen-Röhre in Lorient. © CDK

Anfang März soll der Ofen in Betrieb genommen werden. Zuerst entstehen darin die Tragflächen des neuen Maxi-Trimarans “Banque Populaire”. Zuletzt war bei CDK Technologies unter anderem “Charal” entstanden, der erste Foiler-IMOCA der neuesten Generation. Danach wurde “Apivia” aus der Halle geschoben, die auf Anhieb die Transat Jacques Vabre gewann.

Mit der neuen Anlage will die Firma eine Expansion um 15 Arbeitsplätze erreichen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete CDK Technologies einen Umsatz von 9 Millionen Euro. Bereits 2018 hatte das Unternehmen seine Produktionskapazität um einen großen Ofen erweitert.

Tipp: André Mayer

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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