Bootsbau: Mit günstigen Hochsee Proas um die Wette segeln

Richtungsänderung

Nur ein unverstagtes Segel, kein Wenden sondern „shunten“, für Einhand-Betrieb konzipiert, hochseetüchtig und offenbar sicher – ist das alte Proa-Prinzip die Zukunft des Segelsports?

„Harryproas“  gibt es bereits seit 1995. Der neuseeländische Segelfreak Rob Denney übernahm das uralte Prinzip der „Prau oder Proa” und entwarf hochinteressante Yachten, die aus modernsten, niedriggewichtigen Materialien möglichst umweltschonend gebaut werden.

Das Proa-Prinzip auf einem Cruiser-Racer © harryboats

Das Proa-Prinzip auf einem Cruiser-Racer © harryproa

Dabei achtete Denney (sieben Sydney-Hobart-, sechs Brisbane Gladstone-Teilnahmen; professioneller Yacht-Skipper, Designer, Bootsbauer und und und… ) vor allem auf die Hochseetüchtigkeit seiner Designs.

Das ließ „mutige“ Eigner, die auf der Suche nach dem etwas anderen Segelerlebnis waren, aufhorchen. Fünf der „Harryproa“-Entwürfe, alle mit unverstagtem Wing-Sail, sind mittlerweile in unterschiedlichen Längen und Rissen auf den Weltmeeren unterwegs.

Darunter befinden sich spannende Cruiser-Racer wie die 15m-Xacht „Rare Bird“ (Australien) oder die holländische „Blind Date“ für die „Zeilen mit Visie“-Foundation, die blinden Menschen den Segelsport näher bringen will.

Vor diesem Hintergrund propagiert Denney einen Richtungswechsel im internationalen Regattasport.  Das im Video vorgestellte Projektv scheint mehr zu sein,  als der versponnene  Traum eines engagierten Seglers. Die Ambitionen deuten auf eine durchaus ernst gemeinte Vision, schnell und effizient bei Regatten oder Langstrecken-Solo-Törns zu segeln.

Für den VK-Preis von 40.000 Euro soll eine 12m-Proa mit Schlupfkajüte entstehen, mit der man an den großen Küsten- und Hochseeregatten teilnehmen kann… und dieselben (zumindest in der entsprechenden Kategorie) auch noch gewinnen könnte.

Zudem soll eine Charter-Flotte von zunächst vier Booten für Europa aufgebaut werden  (Stützpunkt St. Malo/Bretagne), von der man für 400 Euro Tagesmiete die Renn-Prau chartern kann – ausdrücklich für Regatten wie Fastnet und Cowes-Week oder eben auch den ARC über den Atlantik.

Scheint auch durchaus "wohnlich" zu sein © harryboat

Scheint auch durchaus “wohnlich” zu sein © harryproa

Der Clou: Das im Video gezeigte Boot ist im Prinzip auf Einhand-Betrieb ausgelegt, eignet sich aber offensichtlich auch für Zwei-Personen-Crews. Nach Ende der Saison in der nördlichen Hemisphäre soll die kleine Flotte entweder mit dem ARC in die Karbik gesegelt oder im Container dorthin geschippert werden.

Die erste „Bucket List“ wird gerade in Australien gebaut und der Charterbetrieb soll auch dort getestet werden. Ob es wirklich zur Realisierung kommt, bleibt noch abzuwarten.

Website “harryproa”

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https://yachtservice-sb.com

7 Kommentare zu „Bootsbau: Mit günstigen Hochsee Proas um die Wette segeln“

  1. avatar Friedrich sagt:

    Bente 2.0?

    Sehr spannendes Konzept. Wenn das für die Preise funktioniert, sehr spannend!

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  2. avatar Piet sagt:

    Kann man den kleinen schwimmer nicht auch in Lee fahren?
    Dann wäre das shunten nicht so blöd…

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  3. avatar Chris sagt:

    Kann mir jemand die Sache mit dem “shunten” erklären? Mir ist der Begriff nicht geläufig..

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    • avatar Florian K. sagt:

      Der Ausleger ist immer in Luv. Das bedeutet das man zum kreuzen nicht mit dem Bug durch den Wind geht, sondern auf halben Wind abfællt. Das Segel læsst man dann auswehen und holt es da dicht wo eben noch der Bug war. Jetzt kann man mit halbem Wind in die andere Richtung segeln und wieder anluven.
      Um das zu kønnen muss die Proa von vorne nach hinten symmetrisch gebaut sein und auch zwei Ruder haben, wobei das vordere Ruder aufgeholt ist.
      Bei multihull.de gibt es viel interessantes zu Proas oder bei http://www.clcboats.com/shop/wooden-sailboat-kits/proa/
      Grøsstes Problem dürfte wohl das Aufkreuzen im engen Fahrwasser sein.

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    • avatar Super-Spät-Segler sagt:

      Beim Shunten ändert man die Fahrtrichtung ohne mit Bug oder Heck durch den Wind zu gehen (Bug und Heck tauschen einfach die Rolle) und das Segel wird in Lee auf die andere Seite “geklappt”.

      Lange Worte, kurzer Sinn:

      http://www.youtube.com/watch?v=H_gXcrx7v14#t=45

      Ist in Binnenrevieren umständlich und zeitraubend, bei langen Schlägen fällt es aber kaum ins Gewicht.

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  4. avatar WB sagt:

    Dieses Bootskonzept geistert nun seid Jahrzehnten durch die Segelgemeinde und hier vor allem durch die Foren. Als Evergreen sind Proas seid jeher ein Spielplatz für eine kleine Gemeinde von Bastlern, Theoretikern und Weltverbesserern. Tatsache ist das in all den Jahren noch keine Proa durch Segelleistung, Preis, Sicherheit oder sonstwas überzeugen konnte. Die Blind Date von Harryproa aus Holland kenne ich persönlich – ein hässliches Segelgerät mit sehr mäßigen Segeleigenschaften. Als Konzeptboot für Behinderte Menschen ist diese Proa allerdings trotzdem gelungen, weil sie eine Ergonomie erlaubt , die Ihren Bedürnissen entgegen kommt.

    Es wird spannend wenn dieses Teil tatsächlich (und das noch als Charterboot) bei der ersten Regatta auftaucht. Mein Tipp: Sie wird wie alle bisherige Proa Projekte schnell wieder in der Versenkung verschwinden wenn sich Theorie und Praxis treffen.

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