Bootsbau: Star-Architekt Frank Gehry (84) verwirklicht seine Luxus-Traumyacht

Vom Segeln inspiriert

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

Macht eine richtig gute Figur – auch dank roter Karbonmasten © gehry

Ausgefallen, aber effizient: Frank Gehrys Superyacht „Foggy“ ist ein echter Hingucker: Holz-Karbon-Mix, Glasbausteine, halluzinogene Teppiche und sonstige spleenige Stilelemente.

Der Mann ist bekannt für seine Gebäude mit collagenhaft aufgebautem Charakter: Frank Gehry, 84 Jahre jung, hat im Laufe seiner langen Karriere so ziemlich alle Preise, Auszeichnungen, Ehrungen etc. ergattert, die in der mit Lobpreisungen nicht gerade knausrigen Architektur-Szene vergeben werden. Mit seinen Bauten hat Gehry schon oft Geschichte geschrieben. Sein dekonstruktivistischer Stil wird längst an Universitäten auf der ganzen Welt gelehrt.

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

Was wie eine Verzierung am Backbordbug aussieht, ist tatsächlich ein Fenster © gehry

Doch neben seiner Leidenschaft für kippende Räume, umgekehrte Formen und gebrochene Geometrien in teils fantastisch anmutenden Gebäuden, konnte sich der Architekt nur noch für eines begeistern: Segeln.

Dabei verließ er sich bis vor Kurzem auf eher profane Untersätze. Vor seiner heimatlichen kalifornischen Küste segelte er gerne mit alten Kumpeln auf seiner Beneteau First 44.7, die er vor allem wegen ihrer Agilität und gleichzeitigen Sicherheit schätzte.

Immerhin verbrachte Gehry so viele Stunden auf dem Wasser, dass er den Einfluss der Segelei auf seine Werke selbst nicht mehr verleugnen konnte. „Segel im Wind, Boote in der Welle… all das hat mich zu einigen wilden Gebäude-Ideen inspiriert,“ sagte er gerne während seiner Gastvorträge an Universitäten und Hochschulen. Sein in dieser Hinsicht wohl offensichtlichstes Werk dürfte das Guggenheim-Museum in Bilbao sein.

Drei Mann an einem Boot

Aber letztendlich habe er doch immer wieder davon geträumt, einmal eine „Frank-Gehry-Yacht“ zu entwerfen, erinnert sich der Architekt heute. „Es gab zwar einige schnelle Zeichnungen, die aber niemals zu Ende gedacht wurden. Ich hatte eben nie die Zeit, mich ernsthaft damit auseinander zu setzen.“

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

Gehry und Cohen (rechts) am filigran verarbeiteten Ruder © gehry

Doch 2008 saß er dann mit seinem alten Freund Richard Cohen zusammen, der ihm von seinem Traum erzählte, möglichst bald eine große Regattayacht zu bauen, auf der Luxus zudem eine gewisse Rolle spielen sollte. Die betagten Männer argumentierten: „So lange wir uns noch einigermaßen bewegen können!“

Die beiden beschlossen, das Projekt gemeinsam zu verwirklichen: Cohen fühlte sich zuständig fürs Rasante, Gehry eher fürs Ausgeflippte. Sozusagen als Mittler zwischen beiden Welten und als tragenden professionellen Part holten sie ihren gemeinsamen Kumpel German Frers, den berühmten argentinischen Yachtskonstrukteur, mit ins Boot. „Damit die Schüssel nicht gleich am Steg absäuft,“ soll Gehry gesagt haben.

Doch es kam gleich zu Beginn der Zusammenarbeit zu „gewissen Differenzen“ zwischen Gehry und Frers. „Ich wollte ein Flushdeck-Design, Frers stand eher auf die moderne Hochseevariante mit Schutz vor Wellen durch Aufbauten,“ erklärte Gehry.

Der argentinische Schiffsdesigner gab in diesem Punkt zwar händeringend nach, wobei er jedoch „Kopfschmerzen bekommen habe“, so German Frers später, waren die endlosen Diskussionen ums Baumaterial. Frers konzentrierte sich auf Karbon, Gehry fand das in Ordnung, wollte aber unbedingt noch Holz dabei haben. „Ist schöner und schiffiger!“ meinte er. Frers addierte das Gewicht beider Materialien und winkte ab: „Viel zu schwer, für das was ihr wollt!“

Bau der “Foggy” im Zeitraffer

Holz und Carbon

So kam Cohen als klassischer Vermittler zum Zug. Er hatte kürzlich die Holzbootswerft „Brooklyn Boat Yard“ in Maine kennengelernt und war begeistert von deren fortschrittlichen Verarbeitungstechniken und von ihrer Bootsbaukunst. Die Werft hatte sich in den letzten Jahren vor allem einen Namen durch ihre ausgefeilte Technik beim Kaltformverfahren gemacht.

Also entschieden sich die Drei für Lärche, Zeder und Teak als hauptsächliches Baumaterial, mit einer „dünnen Karbonschicht außenrum“ (Tribut an Frers) plus ein wenig Titanium (Gehry: „Das brauchen moderne Architekten in ihren Werken“) und natürlich Karbon für das Rigg.

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

800 Glasteile im Deck © gehry

Werftboss Steve White war überaus geehrt, mit so einem Großen der Szene wie German Frers zu arbeiten, hatte aber seine Bedenken bei dem anderen großen Namen im Auftraggeber-Trio. „Wenn ein Gebäude-Architekt seine kühnsten Träume verwirklichen will, wird’s beinhart für unsereinen!“

Er sollte Recht behalten. „Als Gehry mir die Pläne für die Gitterfenster schickte, die in unterschiedlichen Größen an den strukturell schwierigsten Stellen im Boot angebracht werden sollten, wurde es mir mulmig,“ gab der Bootsbauer zu. „Doch irgendwo war das Ganze auch eine echte Herausforderung!“

Mit diesen besonderen Fenstern wollte der Architekt „die Stimmung des Lichts auf den Wellen und des Himmels ins Innere des Schiffes lenken“. Gehry bezeichnete das als „elementares Stilmittel, die Seele der Yacht.“

Und White machte sich ans Werk. Dreihundert einzelne Glasstücke in jedem der seitlichen Fenster, mehr als 800 auf dem Deck waren zu verarbeiten. An exponierten Stellen, wohlgemerkt. „Wir mussten also das zu verwendende Glas auf seine Belastungsfähigkeit durch Wellenschlag überprüfen lassen. Doch durch diese interessante Gitterkonstruktion wird auch viel Stabilität in diese Fenster eingebracht. Kurz: Es war spannend!“ erklärt Wight.

Hinzu kamen natürlich noch ein par spleenige Extravaganzen wie etwas ein „Teppich in halluzinogenen Farben“, den Gehrys Schwiegertochter entwarf. Oder mit neuseeländischem Schafsfell bezogene Sofas. Das Design der Steuerräder machte den Bootsbauern übrigens besonderes Kopfzerbrechen…

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

“Die segelt ja richtig!” © gehry

74 Fuß mit spleenigen Details

Zwanzig Monate dauerte der Bau der 74 Fuß langen „Foggy“ (ein Wortspiel aus Frank Gehrys Initialien), und im Sommer wurde das neue „Gehry-Wunder“ schließlich in Brooklin an der US-Ostküste zu Wasser gelassen. Um gleich darauf bei ein paar lokalen Regatten für Furore zu sorgen.

Nur eine Architektengruppe aus dem Umfeld Gehrys zeigte sich sichtlich enttäuscht. Auf einer Website wunderten sie sich, dass die „Foggy“ tatsächlich die Formen eines Segelbootes habe. „Wir hatten etwas deutlich Unkonventionelleres erwartet!“

Als Frank Gehry zum ersten Mal auf „Foggy“ am Ruder stand, sei er „so verdammt stolz wie selten“ gewesen. „Mensch, die Yacht läuft ja richtig!“ Und auch German Frers zeigte sich zufrieden, Cohen gewinnt ab sofort die Regatten und alle sind glücklich.

Aber Frank Gehry setzt gleich noch eins obendrauf: „Nächstes Mal bauen wir ein Raumschiff!“

Frank Gehry, Yacht, Foggy, German Frers

German Frers und Frank Gehry auf Schaffell und halluzinogenem Teppich

 

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Ein Kommentar „Bootsbau: Star-Architekt Frank Gehry (84) verwirklicht seine Luxus-Traumyacht“

  1. avatar Lyr sagt:

    sau stark! Ich komme aus dem schmunzeln kaum raus, wenn ich mir vorstelle, wie die drei alten genialen Männer zusammengesessen haben mussten um die verrückten Träume in Form zu bringen, und der Werftchef immer kopfschüttelnd und Haare raufend dazwischen 🙂 🙂 🙂

    Meine Lieblingszitate:
    „Damit die Schüssel nicht gleich am Steg absäuft,“ soll Gehry gesagt haben
    Auf einer Website wunderten sie sich, dass die „Foggy“ tatsächlich die Formen eines Segelbootes habe. „Wir hatten etwas deutlich Unkonventionelleres erwartet!“ 🙂

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