Boris Herrmann: “Malizia” nach der Kollision – Ultraschall-Experte eingeflogen

"Malizia will be back"

Die Atlantik-Törn mit Greta Thunberg hat Boris Herrmann bisher kein Glück gebracht. Nach einer Kollision bei der Rücküberführung stand der Saison-Höhepunkt in Frage. Wie es weitergeht.

Malizia, Herrmann

Posing auf dem Vorschiff. © Andreas Lindlahr

Ulli Libor hatte noch darauf hingewiesen, dass Boris Herrmanns Törn über den Atlantik mit Greta Thunberg seemannschaftlich kritikwürdig sei. Und er erntete vielfach Kopfschütteln, da die Überfahrt ohne Wettkampfstress und mit den modernsten Navigationsgeräten elegant an den heftigsten Tiefdruckgebieten vorbei gestaltet werden konte.

Aber das was, bei der Rücküberführung passierte, hätte tatsächlich ebenso mit Greta an Bord eintreten können: Eine “brutale Kollision” – wie Herrmann es nennt – mit einem nicht identifizierten Objekt – möglicherweise einem Container, oder Wal. Die Überführungscrew war in voller Fahrt um 20 Knoten mit einem Hindernis im Wasser zusammengestoßen und danach im Hafen St. Pierre südlich von Neufundland  eingelaufen, um die Schäden zu untersuchen.

Malizia, Herrmann

Malizia wird in St. Pierre aus dem Wasser gehoben und auf Schäden untersucht. © Team Malizia

Ohnehin war dadurch eine längere Pause notwendig geworden, weil die Ausläufer von Hurrikan Dorian, der unter anderem auf den Bahamas gewütet hatte, mit 50 Knoten auch über St. Francis zogen.

Aber dann musste die Überführungscrew noch auf das Einfliegen eines Ultraschall-Experten warten, um vor der Weiterfahrt über den Atlantik sicher zu gehen, dass es keine versteckten Strukturschäden an Rumpf oder Anhängen gegeben hat.

Rekordzeit geplant

So langsam wurde das Malizia-Team nervös. Schließlich startet am 27. Oktober das Transat Jaques Vabre von Le Havre in die Karibik mit 34 IMOCAs an der Startlinie. Dafür sollte “Malizia” sollte so schnell wie möglich nach Frankreich gebracht werden.

Die Überführungscrew wollte sogar eine Atlantik-Rekord-Referenzzeit vom Ambrose-Leuchtturm/New York nach Lizard Point/England festsetzen, um das Schiff nach dem ungeplanten Greta-Tripp rechtzeitig für das Transat-Rennen vorbereiten und eintrimmen zu können.

Malizia, Herrmann

“Malizia” ist fit für die Atlantik-Rennstrecke. © Andreas Lindlahr

Der Greta-Trip mag PR-technisch ein echter Coup gewesen sein und könnte langfristig  Herrmanns Profi-Karriere befeuern. Alleine seine Auftritte bei Markus Lanz im ZDF oder auch am Montag bei Hart aber Fair in der ARD steigern seinen Bekanntheitsgrad, die Aufmerksamkeit für seine Segel-Aktivitäten und seinen Wert für potenzielle Sponsoren enorm.

Aber die direkte Rennvorbereitung hat gelitten. Herrmann und Casiraghi versuchten zwar, den Atlantik-Törn im Cruising-Modus als ohnehin nötigen Technik-Test zu bewerten, aber im Hinblick auf die Transat Jacques Vabre wären intensive Trainings in Frankreich gegen die direkte Konkurrenz wohl effektiver gewesen.

“Keine Strukturschäden”

Umso bitterer ist es, dass ddurch den ungeplanten Stopp in St. Pierre weitere Trainingszeit verloren geht. Zuletzt stand sogar in Frage, ob es “Malizia” überhaupt rechtzeitig an die Startlinie schaffen würde.

Malizia, Herrmann

Boris Herrmann mit Will Harris, seinem Co-Skipper für das Ttransat Jacques Vabre. © Andreas Lindlahr

Aber Herrmann hat nun seine Fans beruhigt: “Wir sind sehr erleichtert, dass keine Stukturschäden gefunden wurden. Das Boot kann seine Reise nach Frankreich fortsetzen, und dann bei der Transat Jaques Vabre teilnehmen. – Malizia will be back.”

Herrmann segelt dann die 4350 Seemeilen von Le Havre nach Salvador de Bahia in Brasilien mit dem jungen Briten Will Harris (25), mit dem er schon das Fastnet-Race bestritten hat. Harris war platzierte sich bei dem vergangenen Solitaire Le Figaro Rennen auf einem respektablen 22. Platz.

Die Verzögerung bei der Vorbereitung macht ein erfolgreiches Jacques Vabre schwierig. Auch weil die Konkurrenz mit ihren neuen Booten immer übermächtiger wird. Aber sie müssen auch erstmal in einem Stück über den Atlantik kommen und dürften längst nicht bei 100 Prozent gesegelt werden. “Malizia” hat nun schon viele tausend Meilen überstanden. Dabei dürften längst ihre Schwachpunkte identifiziert und verstärkt worden sein. Vielleicht kann Herrmann im Oktober doch noch für eine Überraschung sorgen.

 

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Boris Herrmann: “Malizia” nach der Kollision – Ultraschall-Experte eingeflogen“

  1. avatar Peter Ningelgen sagt:

    Wie ist das denn für einen Wal, einen anderen Säuger oder einen Fisch wenn er einen Foil, einen Kiel oder auch die Bombe oder eins der Ruderblätter mit etlichen Tonnen dahinter und 20 bis 30 Knoten Fahrt, oder mehr, in die Rippen bekommt?

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  2. avatar Yo sagt:

    Hoffen wir es dass Mailizia wieder voll angreift! Drücke Boris, Will und dem Team fest die Daumen!

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