Cannes Yachting Festival Absage: Öffentlicher Streit um Verantwortung

"Enttäuschung und Unverständnis"

Um die Absage des Cannes Yachting Festivals im September ist ein öffentlicher Streit entbrannt. Veranstalter, Präfektur und der Bürgermeister der Stadt Cannes sind im Disput um die Verantwortung und den Sinn der Absage.

Cannes Boat Show. © Cyril Charpin/ Abacadabra Studio

“Yes, it’s cancelled…”. Die Veranstalter des Cannes Yachting Festival hatten bereits am Freitag-Vormittag der Redaktion des SVG-Verlags telefonisch bestätigt, dass die Messe, die im September stattfinden sollte, abgesagt wird, nachdem kurzzeitig – vermutlich aufgrund eines Versehens – bereits ein entsprechender Hinweis auf der Festival-Website sichtbar war. Gegen Mittag berichteten dann auch Aussteller, dass sie über die bevorstehende Absage informiert wurden. Am Sonntag den 23. August folgte dann die offizielle Bestätigung per Presseerklärung.

Enttäuschung und Unverständnis bei den Veranstaltern

“Trotz eines sehr rigorosen Plans mit einer Reihe zusätzlicher Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen, (…), hat die Stadt von Cannes und die Regionale Gesundheitsbehörde (ARS), der Präfekt der Alpes-Maritimes, (…) beschlossen, die Erlaubnis, die die Durchführung des Yachting Festivals ermöglicht hätte, nicht zu erteilen. Zu unserem größten Bedauern und mit einem gewissen Unverständnis sehen wir uns daher gezwungen, die Absage des Yachting Festivals 2020 bekannt zu geben,…” heißt es in der Presseerklärung.

Diese Entscheidung ist eine große Enttäuschung für die gesamte nautische Industrie, mit den Ausstellern an der Spitze, der Stadt Cannes und ihren Fachleuten, den Dienstleistern der Messe und dem Reed-Team, die seit Monaten unermüdlich zusammengearbeitet haben(…).Die Umsetzung des von uns ausgearbeiteten Gesundheitsprotokolls, das von der APAVE zertifiziert und von den Dienststellen der Präfektur und der regionalen Gesundheitsbehörde (ARS) als völlig zufriedenstellend anerkannt wurde, hätte das Yachting Festival 2020 zu einer der sichersten Veranstaltungen in Bezug auf die Gesundheit in Frankreich gemacht. Außerdem nehmen wir mit großer Überraschung und Unverständnis die Entscheidung des Präfekten zur Kenntnis

Disput um die Verantwortung für die Absage

In der Presseerklärung wird u.a. dem Präfekten der Region Alpes Maritim Bernard Gonzalez die Verantwortung für die Absage des Festival zugewiesen. Das weist dieser jedoch zurück und erklärte gegenüber dem französischen Magazin Nice-Matin dass er sich lediglich geweigert habe, eine Ausnahmegenehmigung für die Unterbringung von 15.000 statt 5.000 Personen zu erteilen.

Der Vieux Port in Cannes © Cannes Yachting Festival

Am 11. August 2020 beschloss die französische Regierung wegen der Verschlechterung der Gesundheitssituation, die Abhaltung von Veranstaltungen von mehr als 5.000 Personen in Frankreich bis zum 30. Oktober 2020 zu untersagen. Ursprünglich sollte diese Anordnung Ende August auslaufen, wurde mit dem erneuten starken Anstieg der Infektionszahlen aber verlängert.

Regional-Prefekt weist eine Verantwortung für die Absage zurück

“Ich habe nichts abgesagt”, erklärt Bernard Gonzalez, Präfekt der Region der Region Alpes Maritim gegenüber Nice-Matin.”Nach mehrstündigen Verhandlungen mit den Organisatoren und den Vertretern der Stadt Cannes, insbesondere während eines mehr als zweistündigen Treffens am Donnerstagnachmittag, habe ich mich geweigert, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, die es erlaubt, bis zu 15.000 Personen zu empfangen…” )

Dass dies faktisch einer Absage jedoch fast gleich kommt, da eine Großveranstaltung wie das Cannes Yachting Festival unter dieser Bedingung weder für die Veranstalter noch für Aussteller wirtschaftlich sinnvoll, bzw. organisatorisch machbar sein dürfte, liegt dabei allerdings auf der Hand.

Cannes Bürgermeister nennt Entscheidung “absurd”

Eine für den Bürgermeister der Stadt, David Lisnard, unverständliche Entscheidung. Von France 3 Provence Alpes Côte d’Azur zitiert, hält der Edile diese Absage für “absurd auf gesundheitlicher Ebene, nachteilig in wirtschaftlichen Belangen und völlig ungerecht”.

Allerdings sind in der Region deutlich steigende Infektionszahlen zu beobachten. So hat auch das Deutsche Robert-Koch-Institut (RKI) die Region an der Côte d’Azur unterdessen als Risikogebiet für Covid 19 Infektionen ausgewiesen. Seitens der Bundesregierung besteht jetzt eine Reisewarnung.

Unklar ist, ob diese Absage auch für weitere geplante Herbstmessen wie z.B. Le Grand Pavois im Oktober in La Rochelle ein Signal ist. Die Ausrichtungen der in Deutschland in naher Zukunft geplanten Messen Boot & Fun Inwater in Werder/ Havel und Interboot in Friedrichshafen stehen derzeit nicht in Frage.

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