Corona: Gehandicaptem Solo-Segler gelingt Spontan-Atlantiküberquerung

„Es gab ein paar schlimme Stürme“

Als im Frühling der erste Corona-Lockdown die ganze Welt lahmlegte, saß Garry Crothers plötzlich ohne Crew auf seiner Ovni 435 vor Sint Maarten fest. Trotz Bemühungen gab es kein Wegkommen mehr. Und so trat der Nordire kurz vor Beginn der Hurrikansaison schließlich die Flucht über den Atlantik an – allein, trotz Handicap. Nach 37 herausfordernden Tagen auf See erreichte er am Wochenende seine Heimat, wo er von einem großen Begrüßungskomitee empfangen wurde.

Im Mai ging Garry Crothers Geschichte vor allem durch die britischen Medien. Aber auch wir berichteten über das Vorhaben des Seglers aus Nordirland, der sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Karibik befand, solo den Atlantik zu überqueren. Nicht alle Leser hießen seine Entscheidung gut – schließlich war dem 64-Jährigen nach einem Unfall einer seiner Arme amputiert worden. Außerdem war er zuvor noch nie länger als eine knappe Woche am Stück allein gesegelt.

„Man muss sehr fokussiert bleiben“

Doch glücklicherweise ging alles gut. Nach 37 Tagen und etwa 3.600 Seemeilen ist der mutige Segler wohlbehalten in seiner Heimat Nordirland angekommen.

„Es ist seltsam, so viel Zeit allein zu verbringen“, sagte Garry Crothers nach seiner Ankunft gegenüber der BBC. „Man muss sehr fokussiert bleiben. Ich hätte auf den Azoren einen Zwischenstopp einlegen können, aber ich war entschlossen, weiterzusegeln und nach Hause zu kommen.“ Sein Handicap habe natürlich vieles schwieriger gemacht, aber er habe gelernt, Dinge anders zu lösen. Trotzdem sei das Segeln auch manchmal ein Kampf.

Zwischenzeitlich hatte Crothers gefürchtet, in Spanien oder im Süden von Irland doch noch pausieren zu müssen. „Es gab ein paar schlimme Stürme, aber es machte keinen Sinn, sich Sorgen zu machen. Wenn man eine Reise unternimmt, ist man sich der Schwierigkeiten bewusst, die vor einem liegen. Man muss sich einfach mit ihnen abfinden“, erklärte er dem Belfast Telegraph.

Die letzten Seemeilen waren für den erfahrenen Segler dann noch einmal besonders hart. Wegen des Schiffsverkehrs habe er zuletzt höchstens eine Stunde am Stück schlafen können.

„Ich bin überglücklich, wieder zu Hause zu sein“

Zurück in der nordirischen Stadt Derry wurde er nicht nur von Frau und Töchtern begrüßt, sondern unter anderem auch von zahlreichen Anwohnern, Journalisten, dem Vizebürgermeister der Stadt und der Organisation Foyle Sailability, in der er selbst mitwirkt, um Menschen mit Behinderungen zum Segeln zu ermutigen. Den letzten Teil der Strecke den Fluss Foyle hinunter begleitete ihn sogar eine kleine Gruppe von Booten. 

Er sei überwältigt von der großen Anzahl an Menschen und überglücklich, wieder zu Hause zu sein, verkündete Garry Crothers noch vor Ort – zum Glück mehr als pünktlich zur Hochzeit seiner Tochter im September, die er um keinen Preis verpassen wollte.

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