Corona Irrsinn: Wenn deutsche Gründlichkeit anstrengend wird – Crew-Regatta in der Schweiz

Verschiedene Maßstäbe

Wie groß ist die Ansteckungsgefahr auf dem Wasser wirklich? 13 Zentimeter fehlen in Hamburg für die Erfüllung der Abstand-Regel und die Sport-Erlaubnis.

Mit diesem Foto weisen die Ruderer auf Ungleichbehandlung der Sportarten hin.

Mit diesem Foto haben die Ruderer in Hamburg auf eine Entscheidung aufmerksam gemacht, die ihnen zurzeit die Ausübung ihres Sports auf dem Wasser verbietet. Wie das Abendblatt berichtet, ist es nicht erlaubt, Mannschaftsboote zu benutzen, weil der geforderte Abstand zwischen den Rollsitzen geringer ist als 1,50 Meter. Tatsächlich fehlen genau 13 Zentimeter. Die Ruderer halten es für schwer vorstellbar, dass dieser Unterschied das Infektionsrisiko dramatisch erhöht. Deshalb dringen sie darauf, den Mindestabstand auf 1,30m zu verringern.

Schließlich erfolge bei ihrem Sport “kein körperlicher Kontakt” und “kein Gesichtskontakt”.  Es werde im Freien gerudert und so die Atemluft verwirbelt. “Weiterhin werden Viren in der freien Luft und unter UV-Einfluss unmittelbar inaktiviert”, heißt es in der Forderung des Ruderverbandes. Und wenn es zu einem Infektionsverdacht komme, könne die Zusammensetzung der Mannschaften einfach nachvollzogen werden. Offenbar messe man mit zweierlei Maßstäben, wenn Profi-Mannschaftssportarten in Hallen die Akrivität erlaubt ist.

Tape-Markierung auf 420ern

Die gleichen Faktoren wie beim Rudern gelten auch beim Segeln. Aber dennoch wird teilweise streng geprüft, ob auf den Booten die geltenden Regeln eingehalten werden. Zweier-Crews sind erlaubt, aber in Hamburg ist man teilweise auch schon dazu übergangen, per Tape Abstandsmarkierungen auf 420ern anzubringen, um bei Polizei-Kontrollen zu bestehen.

Interessant ist auch, dass die aktuellen Regelungen in Mecklenburg-Vorpommern Chartercrews aus beliebig vielen Haushalten an Bord wieder erlauben, es in Schleswig-Holstein aber noch Bedenken gibt und es eben in Hamburg und anderswo noch strenger gehandhabt wird. Die generelle Ansteckungsgefahr auf einem Segelboot sollte sich eigentlich nicht an einer Ländergrenze verändern.

Dabei haben einige Länder wie Dänemark jüngst das Abstand-Gebot von zwei auf einen Meter verringert. Ausgenommen davon ist der Sport. Das macht Sinn, wenn es etwa wie beim Ausdauersport um höhere Atemfrequenzen und die dadurch bedingte größere Reichweite der Tröpfchen-Infektion und von Aerosolen. Aber beim Segeln hält sich diese Gefahr in Grenzen.

J/70 Bodensee Battle in der Schweiz. Mehr als 30 Schiffe erwartet. © Claudia Somm

So sehen es jedenfalls die Schweizer. Dort sind nach wie vor Sportarten mit engem Körperkontakt verboten, aber Segeln auch mit Crew ist wieder erlaubt. Das führt am übernächsten Wochenende auf dem Bodensee zu einem Kuriosum. Auf der Schweizer Seite des See in Kreuzlingen findet wie geplant das Das J/70 Bodensee Battle statt. Teams aus Bayern und Baden Württemberg dürfen anreisen. Mehr als 30 Schiffe werden erwartet.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

4 Kommentare zu „Corona Irrsinn: Wenn deutsche Gründlichkeit anstrengend wird – Crew-Regatta in der Schweiz“

  1. avatar Besserwisser sagt:

    Es zeigen sich 2 Sachen: 1) Die Schweiz wird von unten nach oben regiert, Deutschland andersherum; 2) Fussball darf in D alles.
    Die Unverhältnissmässigkeit der Regeln in D ist grotesk. Grüsse aus der Schweiz.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 4

  2. avatar Jürgen Rösch sagt:

    Mit “Corona-Irrsinn” Schlagzeile können Sie Xaviers und Attilas Freunde beglücken, die Ihre Zielgruppe oder latente Gesinnungsgenossen sind. Behörden haben gerade ständig jede Menge relevanterer Entscheidungen zu treffen als sich um sowas zu kümmern. Vor allem wenn es um ein paar Wochen hin oder her geht. Dann kommt auch noch jeder daher und will seine Ausnahme für seinen Pipifaxkram haben, weil das ja so wichtig ist und mit “Augenmaß” entschieden werden soll. Kritik gerne, aber ohne “Irrsinn”. Oder einfach mal den Zwang zur Äußerung zurückstellen.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 17 Daumen runter 14

    • avatar pl_j.wellnitz sagt:

      Herr Rösch schreibt unverständlichen Blödsinn. Die Bilder von den Ruderern und den Fußballern zeigen wie unverhältnismäßig die Maßnahmen angeordnet werden.

      Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 10 Daumen runter 7

  3. avatar pl_j.wellnitz sagt:

    Herr Rösch schreibt unverständlichen Blödsinn. Die Bilder von den Ruderern und den Fußballern zeigen wie unverhältnismäßig die Maßnahmen angeordnet werden.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 3 Daumen runter 6

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