Corona-Krise: Negative Auswirkungen auf Wettervorhersagen – besonders auf dem Wasser

Wetterfröschen fehlen Daten

Weltweit wurde der Flugverkehr durch die Coronavirus-Pandemie auf ein Minimum zurückgefahren. Das könnte nun auch Auswirkungen auf die Wettervorhersagen haben. Der Grund: Meteorologen fehlen für ihre Berechnungen Daten aus Flugzeugsensoren.

Unterschied der Datenübermittlung über Europa am 2. März (oben) und 23. März (unten). © Screenshot ECMWF
© ECWS

Wetterdaten werden nicht nur durch Boden- und Seestationen, Radiosonden, Radarstationen und Satelliten gewonnen, sondern auch durch Sensoren an Fracht- und Linienflugzeugen. Doch in den letzten Wochen brach vor allem letztere Quelle immer weiter weg. Unpräzisere Vorhersagen könnten die Folge sein.

Flugzeuge dienen als Datensammler, die Temperaturen, Windgeschwindigkeiten- und richtungen sowie Angaben über die Luftfeuchtigkeit aus dem Ist-Zustand der Atmosphäre an die Bodenstationen funken. Wetterdienste greifen für ihre Prognosen auf diese Daten zurück. Bleiben die Flugzeuge am Boden, fehlt es den Meteorologen an eben diesen Informationen.

Abnahme der Flugzeugbericht-Zahl für Europa, die bei der ECMWF pro Tag eingehen. © ECMWF

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) schreibt dazu in einer Pressemitteilung: „Der deutliche Rückgang des Flugverkehrs hat sich bereits bemerkbar gemacht. Messungen der Umgebungstemperatur sowie der Windgeschwindigkeit und -richtung während des Fluges sind eine sehr wichtige Informationsquelle – sowohl für die Wettervorhersage als auch für die Klimaüberwachung.“

65 Prozent weniger Daten

Und auch das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) erklärt: „Beim ECMWF stehen die Flugzeugberichte bezüglich ihres Einflusses auf die Vorhersagen nach den Satellitendaten an zweiter Stelle.“ Schon jetzt lägen hier aber erheblich weniger Daten vor. Laut WMO waren statt den üblichen mehr als 700.000 europäischen Flugzeugdaten pro Tag zuletzt nur mehr wenige Tausend verfügbar. Die im April von den Fluggesellschaften gesammelten Informationen sollen um bis zu 65 Prozent zurückgehen.

Viele Experten erwarten eine Verschärfung der Situation in den kommenden Monaten. Während die gegenwärtigen Auswirkungen auf die Wettervorhersagen noch relativ gering seien, könne in nächster Zeit durchaus eine allmähliche Abnahme der Zuverlässigkeit von Prognosen erwartet werden, da die Verfügbarkeit von Daten weiter zurückgehen werde, so Lars Peter Riishojgaard, Fachgruppenleiter bei der WMO.

Vielerorts wird deshalb derzeit die Möglichkeit einer Erhöhung der Kapazitäten anderer Wetterbeobachtungssysteme geprüft, um den Verlust der Flugzeugdaten zumindest teilweise abmildern zu können.

Satelliten und Heißluftballons

Neben den speziell ausgerüsteten Verkehrsflugzeugen sind auch Forschungssatelliten im All, Schiffe auf den Meeren, Heißluftballons oder Wetterstationen am Boden wichtige Informationsquellen, die teilweise im Sekundentakt Informationen senden. Diese sollen den Rückgang der flugzeuggestützten Daten in nächster Zeit abmildern.

Große Teile dieses Beobachtungssystems in Industrieländern, wie zum Beispiel Wettersatelliten und Bodenstationen, sind entweder teilweise oder vollständig automatisiert. Sie sollten daher mehrere Wochen oder sogar länger ohne nennenswerte Beeinträchtigung weiter funktionieren, so die WMO.

Erst wenn die Pandemie länger andauere und auch Personalausfälle hinzukämen, könnten auch hier Probleme entstehen, etwa aufgrund fehlender Reparatur-, Wartungs-, Versorgungsarbeiten.

Aber besonders über dem Wasser wird die Ungenauigkeit größer. So weisen die Speziealisten schon darauf hin, dass Ländern mit einer Westküste, wie Portugal oder Großbritannien größere Probleme haben werden, weil in dieser Region die Tiefdruckgebiete meit westlich über das Meer kommend und gerade dort die Daten fehlen.

In Deutschland dagegen könne man mit anderern Datenquellen, wie zum Beispiel von Heißluftballons, arbeiten. Die dreitägige Voraussage solle hierzulande immer noch relativ sicher funktionieren.

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