Corona: Sommerurlaub an Bord in Kroatien? – Tourismusindustrie macht Druck

Touristenkorridore möglich

Während einige einheimischen Bootseigner die Aussicht haben, wieder an Bord gehen zu dürfen, herrscht für Eigner mit Boot im Ausland noch Ungewissheit. Dürfen sie in Kroatien jetzt vorsichtig hoffen?

Wasserport in Kroatien

Es gibt zurzeit einige Berichte über die Corona-Lage in Kroatien, die Hoffnung machen, dass eine baldige Einreise zum Segeln möglich sein könnte. Unter anderem hatte das ORF entsprechend berichtet. Fasst man aber die greifbaren Fakten zusammen, bewegt sich noch viel im Bereich von Spekulationen.

Tatsache ist, dass der Tourismus in Kroatien wirtschaftlich eine bedeutende Rolle spielt und die kroatische Tourismusindustrie – zu der auch die zahlreichen Yachthäfen und Marinas gehören – ein großes Interesse hat, wieder Gäste beherbergen zu können und das auch gegenüber der Politik deutlich macht.

Allerdings: Das ist auch in zahlreichen anderen Regionen Europas so, und der Tourismus ist generell eine der Branchen, die in der gegenwärtigen Situation am meisten Federn lassen muss und daher auch woanders Druck ausübt.

Hinweise zur Öffnung

Allerdings hat Kroatien durch frühzeitige konsequente Maßnahmen die Situation in der Corona-Krise so gut in den Griff bekommen wie kaum ein anders europäisches Land. Darauf verweist ein Artikel der in Kroatien gut vernetzten Pannenhelfer zur See SeaHelp.

Kroatien lockt mit gutem Wetter, schönen Häfen und viel Kultur- hier die Stadt Krk
© C. Schneider

 

SeaHelp ist in Kroatien stark aufgestellt und vernetzt und verfügt über intime Kenntnisse aus verlässlichen Quellen vor Ort. Zudem soll der kroatische Premier Andrej Plenkovic´ die Ministerien angewiesen habe, Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft einzuleiten. So sollen u.a. bald die Grenzen für Autotouristen geöffnet werden sollen, sofern die Epidemie in den betreffenden Ländern unter Kontrolle ist. Allerdings ist es dafür notwendig, dass auch Slowenien seine Grenzen für den Transitverkehr öffnet.

Auch einige große Reiseveranstalter rechnen laut einem Artikel des Tagesspiegel damit, dass im Laufe des Juni/ Juli wieder Reisen unter Vorsichtsmaßnahmen in einige europäische Regionen möglich sind.

Laut www.inistrien.de hat sich auch der Chef des Krisenstabes in der Corona Krise Krunoslav Capak zu den Aussichten geäußert, den Tourismus im Land wieder zuzulassen. Danach forderte er die kroatische Tourismusindustrie allerdings auf, sich in diesem Jahr eher an einheimische Gäste zu wenden. Sämtliche Maßnahmen sollen zudem in Abstimmung mit den Partnern in der Europäischen Union getroffen werden. Offiziell enden die Reisebeschränkungen am 18. Mai.

Drei-Phasen-Plan und widersprüchliche Meldungen

Jetzt wurde ein Drei-Phasen-Plan für die schrittweise Lockerung der Beschränkungen bekanntgegeben. Danach sollen es zuerst im Lande div. Lockerungen im Handel geben, ab der Phase drei ab 11. Mai auch Hotels und Appartements wieder öffnen dürfen und unter bestimmten Voraussetzungen Gäste beherbergen. Auch Inlandsflüge sollen ab diesem Termin wieder möglich sein. Für Hotels und Campingplätze wurden Regeln angekündigt, wie der Umgang mit Gästen zu handhaben ist, um dem Schutz vor Corona Infektionen vorzubeugen.

Das lässt Spekulationen Raum, dass auch Bootseigner bald wieder ins Land dürfen. Gerade auf Booten ist eine Beschränkung auf ein definiertes Umfeld gut möglich, Abstandsregeln sind in Häfen und auf See gut einzuhalten.

Gedämpft werden die Hoffnungen deutscher Skipper allerdings durch die Aussage des Krisenstab-Chefs Capak, dass man sicherlich keine Touristen einreisen lassen werde, in denen die epidemiologische Lage schlechter ist als in Kroatien. Und da stehen Deutschland und Österreich im Vergleich derzeit schlechter dar.

Das deckt sich mit einer Meldung auf www.focus.de, nach der eine Öffnung für Touristen aus Tschechien und ggf. Ungarn unter bestimmten Auflagen über einen Tourismus-Korridor möglich sei. Von deutschen und österreichischen Touristen ist vorläufig aber nicht die Rede.

Hier geht www.inistrien.de einen Schritt weiter und vermeldet, dass die Regelung bilateraler Touristenkorridore auch für deutsche und österreichische Touristen gelten soll – allerdings sei unklar, ab wann das gilt.

Nach Gesprächen auf höchster Ebene über dieses Thema zwischen Kroatien, Deutschland und Österreich soll nach Aussage des kroatischen Premiers Andrej Plenkovic Zuversicht herrschen, dass ein Modell entwickelt wird, damit Gäste in der Sommersaison nach Kroatien reisen können.

Marinas in Kontakt mit Ministerien

In einer der größten kroatischen Marina im Norden des Landes, der Marina Punat hat man hier noch keine Infos, wie uns die Marina auf Anfrage der Redaktion mitteilte: „Wann Bootseigner aus Deutschland und Österreich wieder zu ihren Schiffen in Kroatien dürfen, wissen wir noch nicht. Unsere nautischen Vereine und Marinas sind konstant im Kontakt mit zuständigen Ministerien. Wir hoffen, dass die Maßnahmen für Nautiker zuerst entlastet werden. In diese Richtung gehen auch alle unsere Gespräche. Bis dahin richten wir uns in Bezug auf die Tätigkeiten innerhalb der Marina ein. Die Infrastruktur der Marina funktioniert vollständig, und wir sind vorbereitet, um in die neue Saison zu starten, sobald dies möglich ist.“

Reisewarnung besteht weiter

Allerdings hat auch die Bundesregierung hier noch ein Wörtchen mitzureden, denn immerhin gibt es eine offizielle weltweite Reisewarnung. Nach Aussage von Außenminister Heiko Maas am 21. April in einem Interview mit der ARD-Tagesschau gibt es allerdings „…derzeit keinen einzigen Hinweis darauf, dass diese Reisewarnung aufgehoben werden können…“ Auch die Bundeskanzlerin schließt weitergehende Lockerungen und Veränderungen der Lage zumindest vor dem 6. Mai aus.

Zudem verweist Außenminister Maas auf die gewaltige Anstrengung der Rückholaktion, bei der auf Staatskosten zigtausende Reisende über eine Luftbrücke aus dem Ausland wieder nach Hause geflogen wurden, nachdem die Corona-Krise den Luftverkehr zum Erliegen brachte. Erst am 24. April landete die letzte Maschine. Sollten die Infektionszahlen nach Lockerungen u.a. im Reiseverkehr wieder nach oben schnellen, wird es eine zweite Aktion dieser Art nicht geben, wie Maas unmissverständlich klarstellte.

Fazit

Fasst man all diese Aussagen zusammen, bleibt am Ende immerhin die Erkenntnis: Es gibt Bemühungen, die Einreise nach Kroatien für den touristischen Verkehr wieder zu ermöglichen, und es deutet einiges darauf hin, dass auch Bootseigner davon in einigen Wochen profitieren können. Letztlich hängt aber alles von der Entwicklung der Infektionszahlen ab. Alles Weitere ist eine Irrfahrt im Nebel von Spekulationen und Wunschdenken.

Eigner sind daher gut beraten – sofern nicht schon geschehen – in Kontakt mit der Marina zu treten, in der das Schiff den Liege- oder Lagerplatz hat. Informationen weiterzugeben, wann es für Bootseigner wieder möglich sein wird, selbst an Bord zu gehen, wird auch im allerersten Interesse der Marinas liegen, so dass Eigner überprüfen sollten, ob ihre aktuellen Kontaktdaten dort vorliegen.

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