Coronatests für Bootstouristen – Ein Bericht aus der Nordadria

Alle Skipper umgehend informiert!

Ferragosto in Italien – der 15. August, Mariä Himmelfahrt, ist in Deutschland nur in Bayern und im Saarland noch ein Feiertag, in Österreich  landesweit. In Italien hingegen ist dies der Wende- und Hauptpunkt des Sommers, ein Feiertagsfest für die ganze Familie, die sich mit Sack und Pack aufmacht, um die heißesten Tage am Meer und noch lieber auf dem Boot zu verbringen. Doch die aktuellen Reisewarnungen bringen alles durcheinander. Susanne Guidera ist vor Ort und berichtet, wie die Häfen in der nördlichen Adria mit der aktuellen Situation umgehen. Ein Gastbeitrag.

Ausverkauft sind dann nicht nur die dieses Jahr mit größerem Abstand und Zugangskontrolle aufgestellten Sonnenschirme an den Stränden von Lignano und Grado. Deren Strandbetreiber haben noch inmitten des Lockdowns ein ausgeklügeltes Zugangssystem organisiert, um das Sommergeschäft zu retten. Ein buntes Armband weist den Strandabschnitt und den im Internet vorbestellen „Ombrellone“ – den Sonnenschirm – und die „Lettini“, die weiter als sonst voneinander entfernt stehenden Liegen aus. Doch das Armband kann noch mehr: es ermöglicht den kontaktlosen Eintritt zu Bädern und Duschen und meldet, wenn das „Panino“, die belegte Semmel, an der Strandbar zum Abholen bereit steht. Modern times also auch an den altehrwürdigen Strandbädern der nördlichen Adria.

Alles lief gut. Die Italiener, als eines der ersten und am schwersten betroffenen Länder der Corona-Pandemie halten sich mehrheitlich an die Abstandsregeln und Masken sind in weiten Teilen zur neuen Normalität geworden. Dann kam Ferragosto – und damit bis mindestens zum 7. September neue Regelungen. Maskenpflicht im öffentlichen Raum zwischen 18 Uhr Abends und 6 Uhr morgens, um der durch Alkohol und Partylaune angefeuerte Nähe sicherer zu machen. Und: obligatorischer Coronatest für Heimkehrer aus Risikogebieten wie Spanien, Griechenland, Malta und Kroatien.

Was tun also mit den heimischen italienischen Bootstouristen, die in Norditalien im Dreiländereck zwischen Italien, Slowenien und Kroatien pendeln, wie andere mit dem Stadtbus, wenn blitzschnell angestiegene Coronazahlen eine Ansteckung in Kroatien nicht nur wahrscheinlicher, sondern zur realen Gefahr werden lassen. Und welche Regelungen gelten für alle nicht-italienischen Staatsbürger, wenn sie ihr Boot in der Region liegen haben? Ich habe mich umgehört.

Die Antwort des italienischen Gesundheitsministers kam schnell – und für manchen vielleicht hart: Seit dem 13.8. und mit Umsetzung ab dem 17.8. gilt ein obligatorischer Rachenabstrich bei allen Rückkehrern aus den als Risikogebieten eingestuften Mittelmeerländern Kroatien, Griechenland, Spanien und Malta. Ein negativer Coronatest, nicht älter als 72 Stunden, der in einem der Länder gemacht wurde, wird zum einzigen Passierschein. Andernfalls lautet die Devise: Sofort in Quarantäne und bei den örtlichen Testcentern einen Abstrich machen lassen. Die Verordnung wird in den Marinas entlang der Nordadria konsequent umgesetzt – auch für Bootseigner, die aus Österreich oder Deutschland kommen. Bereits am selben Tag hingen beispielsweise Hinweisschilder in der Marina Sant’Andrea aus. Für aus Kroatien und den übrigen Risikogebieten kommende Boote und Crews gilt: Kein Aufenthalt auf den Stegen, dem Restaurant, den Sanitären Anlagen oder Parkplätzen. Auch nicht im Büro der Marina oder im Pool. Eigner werden freundlich, aber bestimmt aufgefordert, umgehend die Marina zu verlassen und ein Testzentrum aufzusuchen.

Fortunato Moratto, Marinachef der Marina Sant’Andrea. “Wir haben alle Skipper umgehend per Mail informiert.”

Ich frage Fortuato Moratto, Marinachef der Marina Sant’Andrea, wieviele Boote die Verordnung in seiner Marina betrifft. Er sagt „Rund 30 Boote und Crews, von denen wir wissen, sind derzeit in Kroatien unterwegs. Einige auch in Griechenland und Spanien. Wir haben daher alle per Mail informiert.“ Auf die Frage, wie die Kunden reagiert haben, antwortet er „Die Reaktionen waren durchaus positiv und die Eigner sehr gelassen. In der Regel haben wir es mit Seglern zu tun, die hauptsächlich auf dem Wasser unterwegs sind. Sie fahren nicht nach Kroatien, um Party zu machen, sondern um das Meer zu genießen.“ Überhaupt herrscht in Italien grundsätzlich eine etwas andere Einstellung. „Wir tun das nicht nur für uns, sondern auch für unsere Familien“, sagt Fortunato. Im Marinabüro wird konsequent Maske getragen und der Zugang zum Büro ist auf zwei gleichzeitig beschränkt, um genug Abstand zu wahren. Nur für das Foto nimmt Fortunato seine Maske kurz ab. Ob sich im Verhalten seiner Gäste etwas verändert habe, frage ich ihn. „Ja“, antwortet er, „die Anzahl an Transits in der Region Friaul-Julisch Venetien ist stark angestiegen. Unsicherheit über die pandemische Entwicklung spielt sicher eine Rolle. Aber auch der Wunsch, an heimischen Küsten unterwegs zu sein.

Paola Brocco vor dem Restaurant der Marina Sant’Andrea. Vor ihr liegt die Zugangsliste für den Tag am Pool.

Derweil beobachtet Paola Brocca den Pool der Marina Sant’Andrea, für den sie zuständig ist, mit aufmerksamen Augen. Verlässt jemand die Poolliegen, desinfiziert sie sie, bevor sich der nächste dort hinlegt. Zutritt zum Pool haben nur Marinalieger, die einen Ausweis ausgestellt bekommen haben und Name sowie Bootsname am Eingang hinterlassen. Auch dürfen sich nur eine bestimmte Menge Gäste im Wasser aufhalten, um die Abstandsregeln einzuhalten. Gleich hinter dem Eingang erwartet die Sonnenhungrigen ein Fußpool, in dem man die Füße desinfiziert und ein Aufsteller mit Desinfektionsmitteln.

Hygiene wird nicht nur am Pool großgeschrieben.

Corona hat Paula das Sommergeschäft verhagelt. Sie nimmt sonst mit ihrem Mann Chartergäste auf ihrem Boot mit zu Törns nach Kroatien oder Slowenien, die italienische Küste entlang und bis nach Sardinien oder sogar in die Karibik. Den Pooljob macht sie daher aushilfsweise. Mit liebevoller Strenge achtet sie auf die Einhaltung der Regeln, scherzt mit den Kindern und plaudert mit den Gästen. Gastgeberqualitäten gelten eben auch, wenn man an Land festsitzt.

Streng sind die Auflagen auch etwas weiter in den Cantieri Marina San Giorgio, die von vielen Österreichern frequentiert wird. Wer in den Pool möchte, muss zuvor reservieren und bekommt ein Fiebermessgerät entgegengehalten, wenn er den Bereich betritt. Zur neuen Verordnung des obligatorischen Coronatests für Reisende aus Kroatien sagt Davide Piccinin, der Geschäftsführer der Marina: „Die Marinalieger segeln die 25 Meilen rüber auf die kroatische Adriaseite, bleiben zwei oder drei Wochen und kommen dann wieder zurück. Da die kroatischen Teststationen auch vom italienischen Zivilschutz veröffentlicht wurden, ist es das Einfachste, kurz vor Antritt der Heimreise einen Test zu machen. Wir setzen hier stark auf die Eigenverantwortung und Ehrlichkeit unserer Kunden.“

Davide Piccinin. Geschäftstermine finden auch schon mal draußen statt.

Von der Bank auf der wir draußen in gehörigem Abstand voneinander sitzen, blickt er auf die von Pinien umzirkelte Marina. „Unsere Gäste merken, wie groß die Anstrengungen sind, die wir unternehmen und honorieren das.“ Ankommende können sich auch in der Umgebung in spezialisierten Praxen testen lassen, das Ergebnis kommt je nach Andrang innerhalb weniger Stunden.

Der Zivilschutz der Region listet auf seiner Webseite nicht nur die kroatischen Teststationen, sondern auch die Testcenter im Friaul. In der Marina, die auch Stützpunkt für die österreichische Sunbeam-Werft ist, haben sich viele der Mitarbeiter testen lassen. „Ich hoffe, dass die Maßnahmen dazu führen, dass kein weiterer Lockdown verhängt wird.“ Über diese Saison sagt er, dass die Anzahl der Gäste zwar geringer war, aber am Ende nur wenige auf ihren Sommertörn verzichten wollten. Wenn nicht in Kroatien, dann wenigstens entlang der Küste Friaul-Julisch Venetiens.

Cantieri Marina San Giorgio. Die Pinienallee spendet Schatten und Ruhe.

Der Grund hierfür ist einfach, das bestätigt auch Giovanni Nadali, der auf der letzten Etappe eines zweiwöchigen Törns bis in den Süden Kroatiens unterwegs ist. Am Telefon und noch in Kroatien befrage ich ihn zur Verordnung, die während des Törns in Kraft trat. „Wir lieben das Meer. Daher sind wir weite Strecken gesegelt, schließlich ist es das, wofür wir das Boot haben. Über das Internet und die Nachrichten haben wir von der Verordnung erfahren.“ Er nimmt es gelassen, wird bei seiner Ankunft in Marina Sant‘Andrea nur noch zusammen mit Lorenzo, dem Eigner, und seinem Sohn das Boot abschließen und sich dann schleunigst auf den Heimweg machen, um zuhause den Test machen zu lassen. Seine größte Sorge unterwegs war, dass er in Quarantäne müsste. Harte Strafen drohen, wenn man sie nicht einhält. „Aber so ist es doch praktisch. Ich komme heim, mache den Test und in ein paar Stunden habe ich das Ergebnis.“ Ob in diesem Jahr etwas anders gewesen sei, frage ich Lorenzo, den Eigner der TAKE 5, am Telefon. „Ja, eines haben wir sehr vermisst: die Restaurantbesuche und das soziale Leben unterwegs. Wir sind nur an Land, um einzukaufen oder Wasser zu tanken. Dieser Sommer war schon besonders.“

Hilfreiche Tipps

Zivilschutz der Region Friaul-Julisch Venetien

Protezione Civile mit allen aktuellen Informationen, Downloads zu Teststationen und mehr

Telefonische Vereinbarung für einen Testtermin in Friaul-Julisch Venetien

ASU FRIULI CENTRALE Udine 0432 553264 (Montag bis Freitag 8:30 – 14:00 Uhr)

Mail: covid19.prevenzione@asufc.sanita.fvg.it

ASU FRIULI CENTRALE Gemona del Friuli  0432 989500 (Montag – Freitag, 9:00-14:00 Uhr)
Mail: segr.dip@asufc.sanita.fvg.it

ASU FRIULI CENTRALE Latisana Palmanova  0431 529932 – 0432 921835  (Montag-Freitag, 9:00-14:00 Uhr)
Mail: infettive.bassafriulana@asufc.sanita.fvg.it

ASU GIULIANO ISONTINA – Gorizia 0481 592836 – 0481 592874 Mail: infettive.profilassi@asugi.sanita.fvg.it

ASU GIULIANO ISONTINA – Trieste 040 3997492 – 040 3997490

Mail: profilassi.dip@asugi.sanita.fvg.it

S FRIULI OCCIDENTALE – Pordenone 0434 369952

Mail: covid19.segnalazioni@asfo.sanita.fvg.it

Kroatien

Kontakte der zu Italien nächstgelegenen öffentlichen Gesundheitsinstitute in Kroatien, bei denen Sie gegen eine Gebühr einen Nasen-Rachen-Abstrich SARS_CoV-2 privat entnehmen können.

Region Istrien

Nach Vereinbarung unter e-mail:brisevi@zzjziz.hro, Tel. 00385-99-529 82 22

Umag: Dr. Leka, Tel. 00385-98 431506, 00385-52-721 104

Dienstag und Donnerstag

Kosten: ca. 100,00 €

Rovigno: Tel. 00385-99-529 82 22, Via Matteo Benusso 6, 9:00-17:00 Uhr.

Pula: in Zavod za javno zdravstvo Istarske zupanije, Nazorova 23, Montag bis Freitag

Terminvereinbarung unter: 00385-99-529 8222

Innerhalb von 24 Stunden werden die Testergebnisse per Mail gesendet. Kosten: 750 kn (100 Euro) in bar oder Kreditkarte.

Region Quarner

Rijeka: Kresimirova-Straße 52/A

täglich, außer an Feiertagen und Sonntagen, von 08.30 bis 10.30 Uhr.

http://www.zzjzpgz.hr/

E-Mail: narucivanje@zzjzpgz.hr

Tel. 00385-51-554 801, 00385-51-554 802

Kosten: ca. 700 kn (ca. 94 Euro)

Region Zadar

Zadar bei Zavod za javno zdravstvo in der Ljudevita-Posavskog-Straße 7/A

https://www.zjz-zadar.hr/hr/home/dogadjanja/obavijesti/869

Anmeldung unter Tel. 00385-23 643 380

Montag bis Freitag von 11:00 bis 14:00 Uhr,

Terminvereinbarung und Informationen über Zahlungsmodalitäten: 00385-22-341-201

 

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