Coronavirus: Absagen im Sport und Folgen für Segler weltweit

Die Corona-Lage

Der Chartermarkt leidet, der Segelsport kommt täglich ein weiteres Stück zum Erliegen: Auch im Wassersport werden die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie immer spürbarer.

Stand: 13.03.2020, 13:00 Uhr

Noch vor ein paar Wochen war die Bedrohung weit weg, mittlerweile hat sie auch Europa im Griff. Deutschland gehört mit deutlich über 2.000 bestätigten COVID-19-Fällen zu den 10 Ländern mit den meisten Infizierten. In Frankreich und Spanien sehen die Zahlen ganz ähnlich aus. In Italien spitzte sich die Lage innerhalb von gerade einmal zwei Wochen so dramatisch zu, dass das ganze Land zur Sperrzone erklärt wurde. Am Mittwochabend sprach die Weltgesundheitsorganisation WHO erstmals von einer Pandemie.

Um die weitere Ausbreitung zu verlangsamen und vor allem die sogenannten Risikogruppen zu schützen, deren Sterblichkeitsrate bei COVID-19 deutlich über dem Durchschnitt liegt, werden die Schutzmaßnahmen allerorts immer weiter ausgeweitet.

Yachtcharter

Nicht nur den Welthandel schwächt das Coronavirus bereits. Die Tourismusbranche leidet ebenfalls stark. Flugausfälle, die Erklärung von Risikogebieten, verschärfte Einreisebedingungen, Einreisesperren und die große Unsicherheit über die weitere Entwicklung hinterlassen deutliche Spuren.

Hotels, Reiseveranstalter, aber auch Charteragenturen berichten von teils dramatischen Buchungsrückgängen. Larin Heero, Geschäftsführer von Master Yachting, erklärte auf SR-Anfrage, dass im Chartermarkt derzeit eine deutliche Zurückhaltung zu spüren sei. „Klar, die Kunden sind unsicher, vorsichtiger, zurückhaltender und haben natürlich viele Fragen. Stornierungen haben wir bisher aber zum Glück wenige.“ Anders als für die „großen Player“, sei die Situation für kleine Vercharterter allerdings bereits jetzt durchaus existenzbedrohend.

Noch rechnet Master Yachting im Hinblick auf die eigenen Buchungen mit einer zeitlichen Verlagerung. „Wer jetzt nicht bucht, bucht dann im April oder Mai“, so Heeros Hoffnung. Bei der Wahl der Reiseziele werde dann vermutlich ebenfalls eine Verschiebung stattfinden – zugunsten von Ländern wie Kroatien oder Griechenland.

Im Zuge der Abriegelung Italiens dürfen momentan auch keine Yachten die Häfen verlassen. Unbestätigten Quellen zufolge soll auch Kroatien Segler eingeschränkt haben.

Welche Rücktrittsrechte habe ich?

Zahlreiche Stellen wie die Vereinigung deutscher Yacht-Charterunternehmen (VDC) und der ADAC weisen darauf hin, dass der Rücktritt von bereits gebuchten Reisen trotz Coronavirus-Pandemie längst nicht immer kostenfrei möglich ist. Die bloße Angst vor einer Ansteckung rechtfertigte zum Beispiel keine kostenfreie Kündigung des Reisevertrags. Eine Reiserücktritts-Versicherung greife meist nur, wenn sich der Kunde selbst infiziert habe – und es keinen Pandemie-Ausschluss gebe. Was passiert, wenn man einen Urlaub nicht antreten kann, weil man unter Quarantäne steht, ist nach Angaben des ADAC rechtlich noch nicht eindeutig geklärt. Im Falle einer Einreisesperre, wie sie aktuell zum Beispiel für die USA und Grenada besteht, stehen die Chancen für einen kostenfreien Rücktritt gut – vorausgesetzt für die Buchung gilt deutsches Recht. Im Ernstfall sei es allerdings immer ratsam, mit den Vertragspartnern in Kontakt zu treten, da viele sich derzeit kulant zeigen, so der ADAC.

Um das Risiko ihrer Kunden zu verringern und gegen die zunehmenden Buchungsrückgänge anzugehen, verhandelten viele Charteragenturen mit den Vercharterern bereits über eine Anpassung der Stornierungsbedingungen aufgrund des Virus. „Wir hatten viele Krisenmanagement-Sitzungen, um zu überlegen, wie wir die Situation gemeinsam meistern können, und wurden letztlich durch die große Flexibilität der Unternehmen in dieser Sache überrascht“, berichtet der Master-Yachting-Geschäftsführer. Sofern sich ein Vercharterer auf veränderte Bedingungen eingelassen hat, finden Kunden auf der Master-Yachting-Webseite unter dem gewünschten Boot nun ein COVID-19-Symbol und einen Info-Text über die jeweils geltenden Sonderregelungen, wie etwa flexible Umbuchungsmöglichkeiten.

Regatten und Events

Den Sport könnte die Ausbreitung des Coronavirus vorübergehend fast vollständig zum Erliegen bringen. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits klar. Immer mehr Athleten sind selbst von Erkrankungen betroffen, täglich werden zahlreiche Sportveranstaltungen aufgrund zu großer Publikumszahlen, aufgrund von Reisesperren und Vorsichtsmaßnahmen abgesagt – unter anderem der Hempel World Cup in Genua, der für einige Segler eigentlich die letzte Gelegenheit gewesen wäre, sich für Olympia zu qualifizieren. Etliche Trainings und Regatten, die in nächster Zeit in Italien hätten stattfinden sollen, wurden ebenfalls gestrichen. Nun kam die Verschiebung der 470er-WM und die ersatzlose Absage der Trofea Princessa Sofia auf Mallorca hinzu.  

Auch die Auftaktveranstaltung der America’s Word Series in Cagliari wird wahrscheinlich nicht stattfinden können. „Es ist ganz offensichtlich, dass die Veranstaltung ACWS Cagliari nicht stattfinden kann“, vermeldete das Team New Zealand kürzlich. Die Teams überlegen gemeinsam, wie die Absage ausgeglichen werden kann. Demnächst soll eine offizielle Erklärung folgen.

Großveranstaltungen sind längst nicht mehr nur in Italien, sondern auch in Deutschland fast überall inzwischen grundsätzlich verboten – meist gilt hier bisher die Grenze von 1000 Teilnehmern. Mit einer Verschärfung dieser Regelung in nächster Zeit ist aber zu rechnen. Die Magdeboot etwa, die eigentlich am Freitag starten sollte, fiel dem Veranstaltungsverbot vonseiten des Magdeburger Gesundheitsamtes diese Woche zum Opfer und soll nun im Oktober nachgeholt werden. Veranstalter kleinerer Events ziehen mit Absagen zunehmend nach. Auch das traditionelle Scalar-Treffen und der Tag der offenen Werft bei Henningsen & Steckmest werden ausfallen, wie erst kürzlich mitgeteilt wurde.

Ob größere für den Sommer geplanten Veranstaltungen stattfinden können, ist derzeit noch völlig unklar. Einige Veranstalter diskutieren bereits eine Verlegung von Events auf einen späteren Zeitpunkt. Eingefrorene Sponsorengelder und Vorhersagen, die den Höhepunkt der Pandemie für den Früh- oder Hochsommer ankündigen, sorgen für große Unsicherheit. Auch die Kieler Woche könnte dann betroffen sein.

Spekulationen darüber, dass die Olympischen Spiele in Tokio verschoben oder abgesagt werden könnten, wies die japanische Regierung und das Internationale Olympische Komitee (IOC) bereits mehrfach zurück. Alles solle planmäßig über die Bühne gehen. Das Olympische Feuer wurde jedenfalls schon mal entzündet – wenn auch in einer deutlich kleineren Zeremonie mit lediglich etwa 100 Gästen.

2 Kommentare zu „Coronavirus: Absagen im Sport und Folgen für Segler weltweit“

  1. avatar Kenner sagt:

    Dass die Olympischen Spiele abgesagt oder verschoben werden müssen, ist nicht zu vermeiden. IOC und die japanische Regierung stehen dem Virus ebenso hilflos gegenüber wie andere Organisationen oder Staaten.

    Segelregatten wird man hierzulande ebenfalls absagen müssen. Der einzige Schutz gegen das Virus besteht darin, die sozialen Kontakte auf ein Mindestmass zu reduzieren.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Think positive sagt:

    Das ist alles klar. Jedoch weiß heute niemand wann die Wende kommt – sicher ist nur das sie irgendwann kommt.
    Deswegen gehe ich persönlich positiv davon aus dass ich in diesem Jahr dennoch früher oder später wieder Regattasegeln werde. Wohl nicht im ganz grossen Rahmen, jedoch klein und flexibel (also so wie früher, als der Segelsport noch nicht so kommerzialisiert war).
    Was spricht dagegen sich für “nach der Welle” zum Regattasegeln zu verabreden?

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