Darßer Ort: Ölbohrungen vor MV-Küste

Neues Fass aufgemacht

Hier "schwelt" es schon seit Jahren:Darßer Ort © dgzrs

Hier “schwelt” es schon seit Jahren:Darßer Ort © dgzrs

Seit Jahren bereits beschäftigt die Posse um den Nothafen “Darßer Ort” die Wassersportler der Ostsee. Pläne über Ölbohrungen bringen neue Brisanz in den Streit.

In den vergangenen Jahren mutete die Geschichte rund um den Nothafen Darßer Ort fast schon wie eine Inszenierung eines Komödienstadls an. Mal wurde gebaggert, dann erwirkten Umweltverbände wieder einen Baggerstopp. Dann gab es Pläne für einen Durchstich und ein anderes mal machten gesichtete Kraniche wieder alles zunichte.

Vor allem Segler fordern eine Anlaufmöglichkeit auf der mit rund 55 Seemeilen langen Strecke zwischen Barhöft und Warnemünde. In den einschlägigen Foren führte allein der Begriff “Darß” häufig zu Sperrungen von Usern und geschlossenen Beiträgen. Der ehemalige NVA Hafen ist ein brisantes Thema an der Küste, weil viele unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen:

Der Nothafen Darßer Ort aus der Luft. Bei den üblichen westlichen Windrichtungen ein guter Ankerplatz. © WWF

Der Nothafen Darßer Ort aus der Luft.
© WWF

Den Umweltverbänden geht es um den Erhalt des Nationalparks und den Vogelschutz. Die Landesregierung möchte die hohen Kosten vermeiden. Wassesportverbände mahnen die Notwendigkeit eines Nothafens an, die DGZRS braucht einen Standort für den Seenotrettungskreuzer. Umwelt gegen Interessen gegen Geld gegen Sicherheit.

Explosionsartige Knallgeräusche

Nun macht ein kanadisches Unternehmen ein neues Fass auf: Die Central European Petroleum möchte vor der Küste auf Ölsuche gehen. Das zuständige Bergamt habe die Genehmigung für ein knapp 4600 Quadratkilometer großes Gebiet erteilt, bestätigte CEP-Manager Thomas Schröter bereits im Februar. Umweltverbände befürchten, damit sei der Weg frei für seismische Untersuchungen, bei denen durch Schallwellen die Struktur des Bodens erforscht wird.

Durch die explosionsartigen Knallgeräusche würden Vögel, Schweinswale, Kegelrobben, Seehunde und andere Meeressäuger gefährdet. Es seien insgesamt 16 Meeresschutzgebiete von seismischen Untersuchungen bedroht. Die CEP versucht zu beruhigen: es seien keine seismischen Untersuchungen geplant bzw beantragt worden. Wie dann allerdings das begehrte Öl gefunden werden soll, ist äußerst fraglich.

Die Genehmigung für die CEP zeigt einmal mehr, dass auf allen Seiten sehr unsensibel mit diesem Thema umgegangen wird. Im vergangenen Jahr wurde die Einfahrt zum Hafen ausgebaggert und seit längerer Zeit wieder als Notanlegeplatz freigegeben. Kurze Zeit später wurden dort bereits über 10 Segelyachten gesichtet.

Der Begriff “Nothafen” wird somit immer wieder ad absurdum geführt denn der Darß scheint in erster Linie ein beliebtes touristisches Seglerziel sein. Und nun wird er auch noch wirtschaftlich interessant. Damit dürften die Wogen auch in Zukunft kaum geglättet werden können.

Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

3 Kommentare zu „Darßer Ort: Ölbohrungen vor MV-Küste“

  1. avatar Hanjo sagt:

    “Den Umweltverbänden geht es um den Erhalt des Nationalparks und den Vogelschutz.”
    Ach ja. Warum lassen sie sich nicht einfach mit einer kleinen Spende überzeugen. (wie bei der Ostseepipeline)

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  2. avatar Sailing4Ever sagt:

    Was ist nun mit dem geplanten (Wieder-)Durchstich bei Zingst? Der Zugang zu den Binnenhaefen sollte doch den Nothafen ueberfluessig machen, bzw. dessen Kosten – immer wieder ausbaggern etc.

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  3. avatar Sailing4Ever sagt:

    Hab noch selber gegoogled – es scheint einen Verein pro Durchstich zu geben
    http://www.bdzj.de/presse-nachrichten/nachrichten-1/2014/

    Ich wäre ja eher dafür, den Prerower Strom wieder aufzumachen 😀
    Jeder Grundstücksbesitzer, bei dem damals was zugeschüttet wurde, muss das wieder rückgängig machen.

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