Dehler 30 OD: Knut Frostad beurteilt neuen Shorthand-Renner – Umkämpfter Doublehand-Markt

Große Erwartungen

Die Dehler 30 OD ist in Cannes der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Dabei konnte die deutsche Werft den ex Volvo Ocean Race Chef als Testemonial gewinnen. Ein erster Eindruck.

Die Erwartungen an den kleinen Racer aus deutschem Hause sind groß. Dehler will an die eigene Historie anknüpfen, und einmal wieder auf den internationalen Regattabahnen eine Rolle spielen. Die ersten Bewegtbilder zeigen ein flottes Boot.

Dass es für die Dehler 30 One Design auch noch um Olympia-Ehren geht, ist aber Zufall. Das konnte Kalle Dehler nicht wissen, als er sein Herzblut-Projekt anging. Die Entscheidung von World-Sailing, für 2024 eine Offshore Doublehanded-Mixed-Disziplin ins Leben zu rufen, war für die Marketing-Experten nicht vorherzusehen. Nun verleiht diese Aussicht allerdings eine enorme Strahlkraft.

Aufmerksamkeit in Cannes

So hat die Dehler 30 OD auch bei der Messe in Cannes eine große Aufmerksamkeit generiert. Davon scheint unter anderem das Testemonial-Interview mit dem Norweger Knut Frostad zu zeugen, dem ex Volvo Ocean Race CEO und vierfachen Teilnehmer bei der Um-die-Welt-Regatta.

Dehler 30od

Die neue Dehler 30od vor Cannes. © Dehler

Allerdings hat seine Einschätzung nicht alleine mit objektivem, persönlichen Interesse zu tun. Frostad ist inzwischen Chef von Navico, dem Weltmarktführer für Schiffselektronik. Und wie es der Zufall will, wird die neue Dehler mit Instrumenten von B&G geliefert, die  der ehemalige Hochsee-Profi entsprechend ins Bild rückt.

Dennoch macht es nicht den Eindruck, als müsste sich Frostad extrem verbiegen, wenn er die Vorteile des deutschen Produktes beleuchet. So gefällt ihm insbesondere die Lösung, den Propeller beim Segeln vollkommen im Unterwasserschiff verschwinden lassen zu können.

Der Propeller kann in den Rumpf eingeklappt werden.

Propeller und Welle klappen in den Rumpf  ein. Die Luke wird plan verschlossen. Abgesehen vom geringen Widerstand besteht durch dieses Ausrüstungsteil keine Gefahr, dass sich Algen oder anderes verfängt. Und es kann ein effizienter fester Dreiflügelpropeller verwendet werden.

Ein anderes Feature sind gleich vier Anschlagpunkte für die Vorsegel auf dem Vorschiff. Die Inspiration durch die großen Rennyachten der IMOCA-Klasse ist deutlich zu erkennen. Die Rollanlagen sind hilfreich, um auch mit kleiner Crew die Segelfläche schnell den wechselnden Bedingungen anpassen zu können.  Ganz vorne lässt sich der Gennaker setzen, dahinter sitzt auf einem Furler der Code-Zero, gefolgt von Genua und  Fock.

Der Kohlefaser-Mast steht auch aus diesem Grund relativ weit hinten. Er wird mit einem doppelten Achterstag „in Form gebracht“. Es kann per Winsch-Kraft getrimmt werden.

Outrigger für den Vorsegel-Trimm

Außerdem stechen die Jockey-Poles ins Auge, die Lee-Ausleger oder Outrigger, über die man bei einem geschrickten Kurs die Schotführung der Vorsegel verbessern kann. Durch das Versetzten der Holepunkte nach außen wird das Achterliek besser kontrolliert. Es twistet nicht so stark auf und kann effektiver getrimmt werden. Es muss sich zeigen, ob diese Konfiguration nicht zu kompliziert ist, wenn es darum geht, sie schnell an- und abzubauen.

Wie beim Volvo-Ocean-Racer: Outrigger für die Vorsegel-Holepunkte.

Unter Deck ist die Ausstattung spartanisch. Schließlich soll die 30er auf der Regattabahn auftrumpfen. Sie ist nicht fürs Kaffeesegeln optimiert. Dennoch gibt es eine Pantry mit Herd und Spüle. Auch bei der Gestaltung des Innenraumes wurde darauf geachtet, das Gewicht optimal zu verteilen. Eine Lithiumbatterie ist am Mast direkt über dem Kiel installiert. 

200 Liter Wasserballast

Zwei 200 Liter-Ballasttanks sollen helfen, das nötige Gewicht auf die Kante zu bringen und für ausreichend Stabilität zu sorgen. Dabei gibt die Werft an, dass es nur 45 Sekunden dauert, bis das Wasser von einem in den anderen Tank gepumpt wird.

Ob die Konstruktion wirklich eine Chance im Olympia-Wettkampf hat, bleibt abzuwarten. Die Segler würden sich freuen. Aber bisher es ist schwer vorstellbar, dass Dehler mal eben eine Flotte seiner für 129 600 Euro gehandelten Yachten zur Verfügung stellt, um damit potenzielle Olympia-Crews Qualifikationsregatten segeln zu lassen.

Bisher sieht das World-Sailing-Konzept vor, dass sich die Bewerber auf verschiedensten Yachttypen beweisen müssen, die jeweils bei Veranstaltungen eingesetzt werden können. Auf diese Weise soll ein Wettrüsten verhindert werden. Es existiert eine Liste von 26 Bootstypen, mit denen Mixed-Offshore-Events gesegelt werden dürfen. Dabei sind Konkurrenten auf dem Markt wie die L30 schon wesentlich weiter, um die Ansprüche des Weltseglerverbandes zu erfüllen

 

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