Dehler 30 One Design: Deutsche Werft greift in internationalen Cruiser-Racer-Wettkampf ein

Zurück zu den (Racing-)Wurzeln

Im Sommer läuft die Dehler 30 One Design vom Stapel. Ein echtes Spaß-Projekt von Kalle Dehler, das zu den sportlichen Wurzeln der Werft führt. Die Konkurrenz ist allerdings extrem.

Dehler 30 One Design

Die neue Dehler 30 One Design. © Dehler

Gerade erst hat die L30 den Segen vom Weltverband für die erste Offshore Mixed WM 2020 erhalten. Das bedeutet einen wichtigen Etappensie im Rennen um die Gunst der Zielgruppe auf dem extrem umkämpften 30 Fuß Markt. Die großen Werften Jeanneau (Sun Fast 3300), Bénéteau (ex Seascape), J/Boat drängen in die Lücke, die Marketing-Strategen im Bereich der kleinen, schnellen Shorthand-Yachten ausgemacht haben.

Aber besonders auch die kleineren Spezialisten aus Frankreich wie JPK spielen mit neuen oder aufgehübschten Angeboten ihre Erfahrung in diesem Segment. Erstaunlich, dass gerade jetzt die deutsche Dehler-Werft in diesen beinharten Wettbewerb eingreifen will.

Dehler 30 One Design

Voluminöse Bugpartie. © Dehler

Die neue Dehler 30 One Design hat den Anspruch, dort wieder mitzuspielen, wo die deutsche Werft ihre Wurzeln hat. Willi Dehler wollte die Regattasegelei neu erfinden und schuf die legendäre Sprinta Sport, die von 1977 bis 1994 gebaut wurde. Sie kam auf 500 Einheiten. Ein kleiner Kajütkreuzer mit echten Regattaambitionen.

Dehler 30 One Design

Die Heckansicht mit zwei Ruderblättern für viel Kontrolle. © Dehler

Sie wurde vom Weltsegler-Verband zur ersten IOR-Einheitsklasse der Welt ernannt, und segelte eben auch im IOR-Vergütungssystem entsprechend erfolgreich in der Klasse 4. Fortan war der Name Dehler eng mit einem sportlichen Image verbunden.

Danach folgte 1980 mit der DB1, ein Serien-Dreivierteltonner als Einheitsklasse. Er segelte ebenfalls erstaunlich stark im Rahmen der IOR-Formel. Mit der Weiterentwicklung DB2 wurde Karl Dehler sogar Weltmeister.

Der Weg ist steinig

An diese Geschichte soll die Dehler 30 One Design anknüpfen. Nach längerer Abstinenz auf den Regattabahnen soll sie an den ursprünglichen Leitgedanken ihrer erfolgreichen Vorgängerinnen anknüpfen: Sie soll eine leistungsstarke Yacht sein, die sich gleichzeitig zum Tourensegeln eignet.

Dehler 30 One Design

Bleibombe und schmale Alu-Finne. © Dehler

Ob das angesichts der massiven internationalen Konkurrenz gelingen kann, muss sich zeigen. Der Erfolg auf dem Regattakurs wird ersteinmal davon abhängen, wie das Schiff auch entsprechend der gängigen Formeln im Vergleich abschneidet. Der Weg ist steinig.

Erfolge auf der Doublehanded-Bühne wären hilfreich, um ansprechende Verbreitungszahlen zu erzielen. Erst danach kann der One-Design-Gedanke eine attraktive Rolle spielen. Dabei ist es besonders wichtig – und teuer –  engste Toleranzen bei der Fertigung einzuhalten. Es muss sich noch zeigen, wie gut in Dehler in der Lage ist, J/boats oder Bénéteau (mit der Figaro) haben im Umgang mit dieser Problematik mehr Erfahrung.

Prototyp segelt im Sommer

Die Werft lässt verlauten, dass der Optimierungsprozess im vollen Gange sei. Vielleicht könnte es dann sogar ein Vorteil sein, dass Dehler eigentlich etwas später dran ist im Vergleich zur Konkurrenz. Man kann sich noch etwas abgucken bevor der Prototyp im Sommer auf dem Greifswalder Bodden getestet wird. Ab Herbst soll dann die Serienproduktion anlaufen. 

Dehler 30 One Design

Kalle Dehler packt selber an. Es steckt viel Herzblut im Projekt. © Dehler

Ein spannendes Projekt, bei dem Kalle Dehler die entscheidende Rolle spielt. Er ist selber immer noch regelmäßig auf den Regattabahnen unterwegs, segelte mit einer Dehler 38 die wichtigsten Ostseee-Regatten. Im vergangenen Jahr stieg er auch in die 2.4mR-Klasse ein. Viel Herzblut steckt in seinem Dehler30-Projekt.

Am Anfang soll die Verbreitung auch über den Preis angeschoben werden. Die ersten Skipper, die sich bis zum 30.06.2019 für die neue Yacht entscheiden, bezahlen für nur 99.900 € (zzgl. MwSt.). Ab dem 01.07.2019 lautet der Preis dann 108.900 € (zzgl. MwSt.). Mit Steuern und Segeln kommt man dann auf gut 160.000 Euro.

Das Stichwort “Olympia” fällt bei den jüngsten Verlautbarungen der Werft nicht. Dabei würde das Schiff durchaus in das Anforderungsprofil passen. Allerdings müsste viel Kapital bewegt werden, um die neue Konstruktion über diese Bühne in den Markt zu pressen. Die L30 stellt bei der ersten WM gleich eine Flotte von 20 Yachten zur Verfügung.

Dehler 30 one design Website

Dehler_30_one_design Spezifikationen

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Dehler 30 One Design: Deutsche Werft greift in internationalen Cruiser-Racer-Wettkampf ein“

  1. avatar christian1968 sagt:

    Ich weiß nicht so genau, was ich von dem Boot halten soll. Mein nächstes Boot soll eigentlich in diesem Längenbereich sein, aber mein Favorit ist eine Pogo 30.
    Ich bin kein Regattasegler, mag es aber, fix unterwegs zu sein, Frau und Sohn oder Freunde sind auch oft mit dabei, aber einhandtauglich muss es sein, denn ich bin auch alleine unterwegs.
    Eigentlich also so ein Boot und da ich keine tieferen Regattakenntnisse habe, kann ich es auch nur unter dem Cruising-Aspekt betrachten, aber da finde ich eine mitten neben dem Salon praktisch in den Raum ragende Toilette mit Ausklappwand schon ein Ausschlusskriterium, das lösen Pogo & Co besser.
    Ein Tiefgang von 2,2 m ohne Schwenk- oder Huboption ist auch eine Ansage – gut für die Stabilität, schlecht für die Reviere an Nordsee, Ostsee, Holland etc., das lösen Pogo & Co besser.
    Der Bugspriet ist als solcher unverzichtbar, aber in welcher Box soll der bitte dranbleiben – also praktisch immer (angeblich schnell und supereinfach) abmontieren – statt ausfahren. Klingt suboptimal, das lösen Pogo & Co besser.
    Zwei Achterkabinen, statt einer und einem Technikraum. Das ist sicher Geschmackssache, aber ich finde den Fokus so vieler Werften auf möglichst viele Kabinen in 99% aller Zeit nicht nötig, aber einen Technikraum für die Installationen und Segel und Schnick und Schnack in 99% aller Fälle grandios – wie gesagt, Geschmackssache, ich finde, das lösen Pogo & Co besser.
    Kein dezidierter Navigatorsitz, sondern Bildschirm und Instrumente am Schott, entgegen der Fahrtrichtung – nicht nur als Cruiser sicher suboptimal, die Pogo hat einen Navisitz in Fahrtrichtung, nicht groß, aber ausreichend, also auch hier, das lösen Pogo & Co besser.
    Das Innenraumdesign gefällt mir persönlich bei der Dehler besser, den Niedergang und Aufbau finde ich ebenfalls bei der Dehler besser und der Preis scheint mir , für ein Boot, welches aus Deutschland kommt, fair kalkuliert
    Mit ein paar Änderungen wäre es auf meiner Liste, aber so frage ich mich, wen es ansprechen wird…

    Bin gespannt, was ihr dazu anzumerken habt.
    Ahoi

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 6 Daumen runter 4

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