Demonstration: Eine Yacht als Protest-Symbol – Oscar-Gewinnerin nutzt sie als Bühne

Pinker Märtyrer

Fünf Tage lang hat eine pinke Yacht eine der wichtigsten Zufahrten zur Londoner Innenstadt blockiert. Schließlich wurde sie von einem Polizei-Groß-Aufgebot entfernt. Die Hintergründe.

 Extinction Rebellion

Die pinke Yacht wird von der Polizei umringt. © Lola Perrin, Oxford Circus

Man könnte in Frage stellen, ob eine schwer zu entsorgende alte Kunststoff-Yacht als glaubwürdiges Symbol für Umwelt-Aktivismus taugt. Aber offenbar steht der Segelsport eben doch für sauberen Antrieb und einen klugen Umgang mit den Ressourcen. Und das ist gut so. Jedenfalls hat sich der britische Arm der Klima-Bewegung (Extinction Rebellion) in der vergangenen Woche eine pinke Yacht in den Mittelpunkt gerückt, um zu protestieren.

Extinction Rebellion

“Wir sind das Volk”, äh “das Boot”. © XRNorwich

Sie wurde auf der Hauptstraße vor der U-Bahnstation Oxford Circus aufgeriggt und versperrte dort gute fünf Tage lang den Verkehr. Eine Aktion der Aktivisten, mit der sie auf die Klimakrise aufmerksam machen und die Regierung zu sofortigem Handeln drängen.

Die internationale Bewegung, die mit den Anliegen von Greta Thunberg sympathisiert und die schwedischen Schülerin nach ihrem Pabst-Besuch am Wochenende auch in London empfing, wurde im Oktober 2018 gegründet und ist inzwischen in 50 Ländern aktiv.

Die Demonstratnen wählten die Yacht auf ihrem Trailer als Stützpunkt für ihren Protest in London und installierten darauf die Lautsprecher-Anlage, über die sie ihre Botschaften zur Klimakrise verbreiteten. Das Schiff wurde nach der honduranischen Menschenrechts- und Umweltaktivistin Berta Cáceres benannt, die im März 2016 in ihrem Haus mutmaßlich von staatlichen Sicherheitskräften ermordet worden war.

Emma Thomson auf dem pinken Boot. © Lola Perrin, ex rebellion

Auch die britische Oscar-Gewinnerin Emma Thompson kletterte auf das Schiff, um ihren Protest kund zu tun: 

“Das ist das dringendste Problem unserer Zeit in der Geschichte der Menschheit”, sagte sie gegenüber Medienvertretern und glaubt, dass junge Menschen von ihrer Generation und Politikern im Stich gelassen werden. Sie sei von ihrem Protest sehr inspiriert. “Ich habe die Beweise für mich selbst gesehen. Und ich mache mir Sorgen um meine Kinder und Enkelkinder. Ich bin heute hier, um mit der nächsten Generation zusammenzuarbeiten.”

Extinction Rebellion

Das Boot wird “abgeführt”. © Peter Forbes

Ihr Auftritt war dann wohl genug für die Ordnungshüter. Mehr als 50 Polizisten umringten das Boot, als die Schauspieler zu der Menge sprach. Aber sie blieb für gut eine Stunde an Bord. Erst als sie das Schiff verließ, wurde es einkassiert. Ob es jetzt verschrottet wird und den Märtyrer-Tod stirbt? Es wäre sicher ein schöneres Ende, als beim gemeinen Abwracker zu.

Die Protestler wollen alle Möglichkeiten nutzen, um die Yacht wieder zu befreien. Insgesamt sollen in London während der Protesttage 9000 Sicherheitskräfte im Einsatz gewesen sein. Mehr als 1000 Demonstranten wurden vorübergehend festgenommen, meistens weil sie gegen das Versammlungsgesetz verstoßen haben solle.

 
 
 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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