Die abenteuerliche Reise des Yann Quenet: Auf vier Metern um die Welt!

"Adios Panama! Der Pazifik gehört uns!"

Obwohl seine erste Reise beinahe in einer Katastrophe endete, verfolgte Yann Quenet weiter seinen Traum der Weltumsegelung. Fünf Jahre später bezwang er den Atlantik und den halben Pazifik. Als Gefährt dient ihm ungewöhnlicher Selbstbau, der gerade mal vier Meter lang ist – die „Baluchon“.

Nur vier Meter misst der Selbstau von Yann Quenet Bild: Facebook/Yann Quenet

Vor fünf Jahren gerät sein großer Traum und sogar sein Leben in Gefahr, als sein erster Neubau mit ihm an Bord im Atlantik kentert. “Er konnte seine Rettungsinsel nicht herausholen und wartete in seiner Unterhose auf seinem umgedrehten Boot, bis ein Frachter auf die Aktivierung seines Notsignals reagierte”, sagt Jérôme Delaunay, ein Freund von Yann. 48 Stunden wartet Quenet auf Rettung.

Schließlich pickt ihn ein portugiesisches Schiff auf. Im Nachhinein kommen Yann und sein Freund und Unterstützer Jérôme zu dem Schluss, dass das Boot einfach zu breit war und eher ein quadratischer Ziegelstein als ein Boot war.

Das neue Boot soll größer werden. Vier Meter mit Kiel und wesentlich schmaler als der Vorgänger. Wichtig war ihnen, dass das Boot über eine Kentersicherung verfügen sollte. Dank strategisch gut platzierter Auftriebselemente im Deck, richtet sich die „Baluchon“ sogar wieder auf, wenn sie vollgelaufen ist.

Selbstaufrichtend

Die “Baluchon” ist so konstruiert, dass sie sich selber aufrichtet Bild: Facebook/Yann Quenet

Die Atlantiküberquerung meistert die kleine Nussschale mit Bravour. Über Lanzarote steuert er das französische Guadeloupe an, verbringt im karibischen Paradies einige Zeit und bereitet sich und sein Boot auf das nächste große Abenteuer vor. Von Panama aus soll es in den Pazifik gehen.

Doch statt mit seinem Boot durch den Kanal zu fahren, wählt er die lieber die Straße. Auf der atlantischen Seite wird sein kleines Boot auf einen Anhänger gepackt und bis zum Ausgang des Kanals gefahren. Hier bringt er sein Boot wieder ins Wasser und steuert ein Ankerfeld an.

Doch noch in Sichtweite gabelt ihn die Polizei auf, durchsucht sein Boot und schickt ihn zurück zu seinem Anhänger. Ohne Motor und ohne Funk dürfe er nicht auf dem Kanal fahren – auch wenn er ja schon fast unter der „Bridge of  the Americas“ hindurch ist. Er verholt das Boot auf dem Trockenen und startet einen neuen Versuch.

Trailer

Statt durch den Panamakanal zu fahren, nimmt Yann den Landweg Bild: Facebook/Yann Quenet

Die nächste Überraschung lässt nicht lange auf sich warten. Etwas, das niemand auf dem Plan gehabt hat, scheint ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen: Das Coronovirus. Auch Panama schottet sich ab, lässt niemanden herein, aber auch niemanden heraus. Die Hafenbehörden stellen einfach keine entsprechenden Genehmigungen aus.

Yann findet heraus, dass es noch den inoffiziellen Weg gibt. Gegen ein großzügiges Trinkgeld „leiht“ sich einer der Beamten den Amtsstempel aus, geht in die Kneipe nebenan und stellt zurückdatierte Papiere aus. Die möchte Yann aber dann doch nicht benutzen und segelt in einer Nacht- und Nebelaktion hinaus auf den Pazifik – nicht ganz ohne Risiko. Schnellboote patrouillieren im Ankerfeld. Wahrscheinlich ist es die Größe seines Bootes, die ihn dann entwischen lässt.

„Ich versuche, mich so klein wie möglich zu machen. Sobald ich das Geräusch eines Schnellbootes höre, ziehe ich meinen Kopf noch mehr ein. Mit sehr wenig Wind segele ich Slalom zwischen den riesigen Frachtschiffen vor Anker und bewege mich so gut es geht auf das offene Meer und auf die Freiheit zu. Am Ende lassen mich der Wind und die Nacht schließlich aus dem Königreich der Polizisten und Banditen verschwinden, adios Panama! Der Pazifik gehört uns! “, erzählt Yann auf Facebook.

Unterwegs auf den endlosen Weiten des Pazifiks wird seine „Baluchon“ dann immer langsamer und langsamer. Grund ist ein dichter Bewuchs des Unterwasserschiffs. Als ein Hai seine Putzaktion im Wasser unterbricht, beschließt Yann den Rest des Bewuchses bis zum Ziel mitzunehmen.

Obst

Die Blauwassercommunity unterstützt Yann mit Nahrungsmitteln Bild: Facebook/Yan Quenet

Als er am 27. April endlich auf Hiva Oa, einer Insel der Marquesas, ankommt, kann Yann kaum glauben, dass er die lange Passage mit seinem Boot wirklich geschafft hat. Doch auf ihn wartet eine böse Überraschung. Im Zuge der Coronakrise hat Polynesien eine 14-tägige Quarantäne für ankommende Boote angeordnet. Yann erreichte zwar sein Ziel, aber für ihn scheint es unerreichbar zu sein.

Doch die Gemeinschaft der anderen Ankerlieger empfängt ihn, wie es in der Blauwasser-Community üblich ist, mit offenen Armen. Sie unterstützen Yann, bringen ihm Obst, Eier, Schokolade und eiskaltes Bier. Nach der langen Reise waren seine Vorräte an Bord beinahe aufgebraucht. Der Landgang bleibt ihm vorerst verwehrt, aber Yann Quenet ist im Paradies auf Erden angekommen.

 

 

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