Die Digitalisierung auf See schreitet voran: „Intelligente“ Tonne vor Stockholm

Pilotprojekt vor Stockholm

Die Digitalisierung macht auch vor der Schifffahrt nicht halt. Doch im Gegensatz zum plötzlichen durch Corona ausgelösten Digitalisierungsboom im Alltag, trägt das Virus an der neuen Tonne, die vor dem Stockholmer Hafen ausgelegt wurde, keine Verantwortung. Sie ist Teil eines größeren europäischen Projektes: „Intelligent Sea“.

intelligent sea

Vor Stockholm schwimmt jetzt eine “Intelligente Tonne” Bild: Stockholms Hamnar

Bei der neuen Tonne handelt es sich um eine energieeffiziente Navigationsbake mit einer Positionsüberwachung und Ferneinstellung der Lichtintensität der Boje. Die Tonne soll die Sicherheit und Effizienz in den Fahrwassern zu verbessern. Die Tonne hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern und ist zehn Meter hoch. Knapp 3,5 Meter überragt sie den Wasserspiegel. Sie ist mit LED-Leuchten und einer Batteriekapazität ausgestattet, die für fünf Jahre Betrieb ausreicht. Eine 25 Meter lange Kabelkette und eine 14 Tonnen schwere Betonbefestigung sollen dafür sorgen, dass die Boje nicht vertreiben kann.

„Intelligent Sea“ ist ein dreijähriges Projekt, das intelligente Digitalisierungslösungen für die See-, Hafen- und Wasserstraßennutzung unter dem Gesichtspunkt der nachhaltigen Entwicklung entwickeln soll. Es wird mit knapp 1,5 Millionen Euro von der EU gefördert.

Das Projekt entwickelt ein digitales Netzwerk intelligenter Tonnen und Navigationshilfen, testet alternative Energiequellen für Tonnen und sucht nach neuen Lösungen für die Überwachung der Schwefeloxid (SOx)-Emissionen von Schiffen.

An „Intelligent Sea“ sind die Stockholmer Häfen zusammen mit dem Hafen Naantali und dem finnischen Unternehmen Meritaito beteiligt.

Die grüne Tonne vor Stockholm ist auch Teil eines Projekts zur Verbesserung der Fernsteuerung, der Sicherheit und der Handhabung von Informationen aus Bojen. Dies wird nun in der realen Situation und unter den im nördlichen Teil der Ostsee vorherrschenden Umweltbedingungen getestet.

“Die Teilnahme am EU-Projekt Intelligent Sea” gibt uns die Möglichkeit, neue Meerestechnologien und Innovationen zu testen. Zusammenarbeit innerhalb der EU und neue Innovationen sind wichtige Erfolgsfaktoren, um Ergebnisse zu erzielen, die besser für die Umwelt sind und die Digitalisierung unseres Hafen- und Schiffsbetriebs verbessern”, sagt Jonas Andersson, Nautischer Koordinator bei den Stockholmer Häfen.

Immer mehr der schwimmenden Navigationshilfen in den Schifffahrtsstraßen sind heute elektronisch. Die grüne Tonne verfügt über eine Fernüberwachung, was bedeutet, dass die Stockholmer Häfen ständigen Zugang zu Informationen haben.

Mit der „intelligenten Tonne“ unternehmen die Schweden und Finnen einen gemäßigten Schritt in Richtung Digitalisierung der Schifffahrtswege. Einige Pläne der Berufsschifffahrt zeigen einen viel extremeren Weg auf und wollen physische Seezeichen gleich ganz vom Wasser verbannen. Bei virtuellen Tonnen soll AIS die Rolle von Seezeichen übernehmen. Eine Landstation setzt dann virtuell eine „Tonne“ an einem beliebigen Ort ab. Hier wird dann einfach über die AIS-UKW-Frequenz die Position der „Tonne“ gesendet. Auf dem Plotter wird das Signal dann als Markierung angezeigt. Der Vorteil dieser Virtual-AtoNs (Aids to Navigation) ist die Flexibilität bei äußerst geringen Kosten. Ein Sperrgebiet könnte beispielsweise so auf Knopfdruck geändert, ein Wrack kurzfristig markiert werden. Bisher muss der Tonnenleger raus und die Tonnen umsetzen.

Allein die Sportschifffahrt soll angeblich noch der Grund sein, wieso sich die Virtual-AtoNs noch nicht flächendeckend durchgesetzt haben – munkelt man.

Dennoch hat dieses System auch Schwächen. Funkübertragungen können gestört oder gar so manipuliert werden, dass falsche Tonnen beziehungsweise falsche Positionen übertragen werden. Ein physisches Seezeichen zu manipulieren gestaltet sich schwieriger.

Wahrscheinlicher wird sein, dass Virtual-AtoNs bei flexiblen Markierungen wie beispielsweise Wracks eingesetzt werden.
Die Tonne vor Stockholm könnte aber durchaus Schule machen und beide Welten vertretbar verbinden. Und so für mehr Sicherheit auf See sorgen.

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