Die Geschichte der “Taube”. Seekrankheit, Untergang, 6 Tote

Das Motto: „Segeln in/für eine andere Welt“

Auszug aus dem Untersuchungsbericht der BSU: Die "Taube" ist offensichtlich schwer beladen, als sie nach Marokko aufbricht.

Am Wochenende hat die FAZ einen langen Artikel über den Untergang der „Taube“ gebracht, bei dem sechs Menschen gestorben sind.  Es ist nicht ganz klar, warum der Artikel zu diesem Zeitpunkt kommt. Denn das Unglück erfolgte im Januar 2009 und der abschließende Bericht von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) stammt vom 15. Februar 2010.

Aber die Geschichte der „Taube“ ist so gut aufgeschrieben, dass sie etwas Verständnis dafür vermittelt, was damals tatsächlich passiert ist.

Vor der Hafeneinfahrt von Mehdiya in Marokko passierte das Unglück. Der Hafen war gesperrt wegen schwerer See in der Mündung.

Bisher war schwer zu verstehen, wie sich der Skipper in einem Mehrheits-Entscheid hat überstimmen lassen, den gefährlichen Hafen Mehdiya in Marokko anzusteuern.

Nun wird noch einmal deutlich, dass Seekrankheit eine große Rolle bei dem Untergang spielte. Die Crew vegetierte unter Deck vor sich hin. Wenn man sie fragt, ob es in den Hafen oder weitergehen soll, ist die Entscheidung klar.

Die „Taube“ war in schlechtestem Zustand, völlig überladen, ohne wichtige Ausrüstung und mit einer unwissenden Crew gestartet.  Aber das BSU macht klar, dass auch andere Yachten in dieser Situation große Probleme bekommen hätten.

Der Törn der "Taube". Die Crew plante ein Hilfsprojekt für Straßenkünstler in Südamerika.

Unter anderem sei bei der Anfahrt nicht festzustellen gewesen, dass der Hafen geschlossen war. Die Signalanlage des marokkanischen Hafens sei nicht erkennbar gewesen.

Aber es ist wohl schwer, allgemeingültig Schlüsse aus dem Unglück zu ziehen, wie es das BSU versucht. Die Idealisten vom Migrobirdo Verein träumten ihren Traum von Freiheit bei ihrem Trip nach Südamerika. Sicherheitsbedenkenträger hatten da keinen Platz.

Klar, dass sie bei ihrer Verständnis vom Fahrtensegeln nur auf Kritiker und Mahner trafen. Für konservative Seemannschaft-Fanatiker waren sie ein rotes Tuch. Irgendwann haben sie vermutlich einfach auf Durchzug geschaltet.

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Die Geschichte der “Taube”. Seekrankheit, Untergang, 6 Tote“

  1. avatar Hansajolle sagt:

    Erinnere mich an die Geschichte des heute berühmten dt. Seglers, der seine Karriere mit einem Hansajollen-Trip -ich glaube bis ins Rote Meer- einhand begann… hätte auch mit ansonsten guter Seemannschaft problemlos schief gehen können…

    …konnte es nicht, weil die Hansajolle natürlich genial ist und der Segler schließlich auch … 😉

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  2. avatar jorgo sagt:

    Unglaublich ist schon, dass die TAUBE überhaupt soweit gekommen ist. ! 99-mal Glück gehabt …. dann leider nicht mehr. Ein trauriger Unfall – eigentlich vorhersehbar … aber wahrscheinlich nicht verhinderbar. Ein sehr guter und wichtiger Artikel der FAZ. Dank an die Segelreporter für den Hinweis.
    Wir selbst hatten uns im besagten Jahr sogar dagegen entschieden Rabat anzulaufen. Es gibt an der ganzen nördlichen marokkanischen Atlantik-Küste eigentlich nur Casablanca als wirklich sicher anzulaufenden Hafen. Bei allen anderen Häfen können auch bei völliger Flaute durch Schwell gefährliche Brandungswellen auftreten. Davor habe ich einen höllischen Respekt!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  3. avatar Googlesucher sagt:

    Der Artikel ist noch frei verfügbar. Gerade bei Google gefunden:

    “Ich habe gerade – Google sei Dank – festgestellt, daß der Autor
    denselben Artikel, wenn auch mit anderen Fotos, bereits hier
    veröffentlicht hatte:

    http://halbzehn.net/GO2011_Magazin.pdf

    (ab Heftseite 124 / PDF-Seite 63).

    Th.”

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