Blauwasser: Vom Weltumsegler und Piraten-Experten Klaus Hympendahl

Die Hympendahl-Kolumne: Erst Jessie, nun Opa.

Meine erste Kolumne über die jüngste Weltumseglerin, bot sich quasi an. Gab es doch Anlass, ihr zum Sieg aber auch zu ihrer pinkfarbenen Yacht zu gratulieren. Hand aufs Herz, würden Sie sich ein pinkfarbenes Auto kaufen, mit einem pinkfarbenen Anzug ins Büro gehen oder eine pinkfarbene Charteryacht buchen?

Pink? Finde ich cool.

Noch cooler finde ich meinen Freund David „Clarinet“ Clark. Er ist zwar nur mit einer weißen Tupperware-Yacht um die Welt gesegelt. Aber als er in Fort Lauderdale startete, war er 75 Jahre und als er wieder dort ankam, war er knapp 80 Jahre alt (übrigens hat er in fast jedem Yachtclub mit seiner swingenden Klarinette die Bordkasse vor der Flaute bewahrt). Ich weiß, es gibt in seiner Altersklasse mehrere Oldtimer die munter drauf-los-segeln. Neulich wurde ein achtzigjähriger Einhandsegler bei Kap Hoorn gesichtet. Mit einem achtzigjährigen Skipper habe ich bereits im Mittelmeer Sangria getrunken. Seine Frau war zweiundachtzig.

Klar, es gibt nicht nur den Jugendwahn, sondern auch die Alterdröhnung! Ein Mann mit achtzig ist heute ein gefühlter Sechziger. Die Dinge entwickeln sich rapide: 65-jährige Omas bekommen Babies, 70-jährige beginnen mit Tango-Unterricht, 87-jährige machen ihr Staatsexamen in Molekular-Biologie, 99-Jährige heiraten.

Bald wird auch ein blinder, querschnittgelähmter, 102-jähriger Atlantiküberquerer in die Segelannalen eingehen. Diese Entwicklung war doch abzusehen. Kannst Du Dir vorstellen mit 70 noch das ARD- und ZDF-Fernsehprogramm zu erdulden? „Sex and the City“ kann man ja noch ertragen, aber der Rest des Programms jagt doch den Blutdruck nach unten. Wer will denn zwanzig alberne Kochsendungen und dreißig alberne Talkshows mit stets den gleichen albernen Talkern pro Woche sehen?

Mit diesen Hypertonie-Senkern treiben die Sender ihre Kernzielgruppe aus der Tür. Millionen von Senioren sind bereits auf der Flucht vor diesen TV-Programmen. Sie flüchten in Museen, Shopping-Center, Vergnügungsparks, Konzerte , Meditationsgruppen und natürlich auch in Marinas und auf die Meere. Dazu der passende Kalauer: Liegst du mit dem Fernsehen quer, segelst du im Mittelmeer.

Auf dem Meer wird es bald eng. So wie es bereits im Pazifik den „Great Pacific Garbage Patch“ (auf teutsch: „Großer pazifischer Abfall-Flecken“) gibt, so wird es demnächst einen „Great Senior Yacht-Owner-Patch“ im Mittelmeer geben. Man berichtet, dass das Yachteigner-Durchschnittsalter in allen mallorquinischen Marinas bereits bei 74 Jahre liegt. Das Alter der durchschnittlichen deutschen Inselbevölkerung von Malle ist allerdings noch um zwei Jahre höher.

Kennst du den schon? Fragt das Enkelkind die Oma: „Sag Oma, wo ist eigentlich Opa?

Antwort: „Das kann ich dir nicht sagen; dazu bist du noch zu jung.“

Die Kleine nervt und fragt immer wieder: „Ich will aber wissen wo Opa ist! Wo ist jetzt Opa?“

Bis Oma schließlich aufgibt. Sie lehnt sich zurück. Ihre Mine wird sehr ernst und mit gesetzter Stimme erwidert sie ruhig: „Mein Kleines, Opa ist da, wo wir eines Tages mal alle hinkommen. Opa ist auf Mallorca.“

Und demnächst heißt es: Sieger des „Riester-Rente-Round-the-World-Cups“ wurde der 107-jährige Großvater von Boris Becker. Zum Beispiel.

Zum Thema:

Weltumsegler und Piraten-Experte Klaus Hympendahl fragt: “Wie jung darf ein Weltumsegler sein?”

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