Die J-Class-Milliardäre ärgern sich weiter

Jim Clark will 10 Millionen Dollar Startgeld

"Velsheda" unter Volldampf vor Antigua © J-Class

Das Wrack der "Velsheda" wurde 1984 in England aus ihrem Schlammbett gehoben und aufwändig wieder instand gesetzt. © J-Class

Nachdem sich IT-Milliardär Jim Clark (66) mit seinem „Endeauvour II“-Nachbau von der Antigua Classic Regatta zurückgezogen hatte, weil die bösen Gegner mit Profis gewinnen wollten, während auf seiner neuen J-Class nur „eine Gruppe feiner Männer aus Spaß an der Sache segelt“, meldet sich nun Milliardärs-Kollege Ronald van de Waal (59) zu Wort. Für den holländischen Modeunternehmer und Eigner der J-Class „Velsheda“ ist Clarks Rückzug „ein Rätsel“.

In einem Brief an das britische Segelmagazin Yachting World beschreibt der Wahlschweizer de Waal sein Unverständnins darüber, dass jemand zwei Jahre lang versucht, mit dem Designbüro Dijkstra die schnellste J-Class-Yacht auf das Wasser zu bekommen, in Antigua mit ihr ausgiebig trainiert und dann nicht zum Rennen antritt.

Der „Endeavour II“-Nachbau „Hanuman“ sei mit Karbon-Rigging und extra leichter Inneneinrichtung, sowie Rennsegeln ausgerüstet. „Dr. Clark war es sicher bewusst, dass die Boote mit einem Mix aus Profis und Amateuren gesegelt werden.“ Sonst seien sie die komplexen nicht sicher über einen Parcours zu bringen.

Auf „Velsheda“ segele de Waal seit acht Jahren mit der gleichen Crew. Und Clark selber habe Profis wie North-Sails-Chef Tom Whidden, Olympia-Gold-Gewinner Robby Haines und andere geheuert. Er versuchte sogar, Russell Coutts für Antigua an Bord zu holen.

"Hanuman" mit Backstagbrise. Zu schön, um sich nicht mit den anderen J-Classes zu zeigen. © Huisman

„Ich erklärte ihm, dass ich mit zehn Amateuren, darunter viele Nichtsegler und Kinder antreten würde. Er wusste auch, dass ich selber steuern würde.“ Clark habe vier tolle Regattatage verpasst und vier Siege seiner „Velsheda“ gegen die größere „Ranger“.

Clark seinerseits hatte noch einmal in einem offenen Brief seine Vision vom zukünftigen J-Class-Segeln preisgegeben. Demnach habe er mit 4-6 Profis segeln wollen, „Ranger“ sei aber mit 17 angetreten. „Die Welt des Rennsegelns kann Spaß machen. Aber das Ausgeben obszöner Summen für einen Sieg sei nicht sehr wertvoll.“

Dann schreibt er den denkwürdigen Satz: „Das unterstützt das elitäre Image des Segelns. Und davon wollte ich nie ein Teil sein.“ Sagt der Milliardär, der neben der Millionenyacht „Hanuman“ noch den 90 Meter Dreimaster „Athena“ betreibt. Wenn das kein Glashaus ist…

Aber Clark versucht noch die Kurve zu kriegen, indem er ein neues Rennen ins Spiel bringt. Er will alle J-Class Yachten mit Proficrews an den Start bringen und ein Meldegeld von 10 Millionen Dollar festsetzen. Das solle dann einem guten Zweck, etwa zum Erhalt der Meere, gespendet werden.

„Jeder der Eigner hat schon wenigstens zehn Millionen Dollar für Segel, Crew und Verbesserungen am Boot ausgegeben, um die Yachten schnell zu machen. Nun sollten wier ein Beispiel dafür geben, dass einiege Yacht Eigner an mehr als an sich selbst denken. Für mich ist es jedenfalls der einzige Weg, wie ich mich an diesem Wettkampf beteiligen werde.“

Puh, starker Tobak. Jim Clark will mit den J-Class-Regatten die Welt retten. Aber er setzt noch einen drauf. „Gentlemen, wir schwächen unsere eigene Position und das Image des Sports, wenn wir mit der Größe unserer Boote angeben. Lasst uns größer sein als das. Wir können uns alle froh schätzen, das Geld zu haben, um diese Yachten zu besitzen. Vielleicht können wir so viel Einfluss nehmen, dass sich unser Luxus lohnt.“

Der Amerikaner mag eherne Ziele haben. Vielleicht will er sich auch nur ein Denkmal setzen. Aber ob das realistisch ist? Ronald van de Waal hält den Vorschlag 10 Millionen Dollar zu spenden für etwas „weit hergeholt“. Die Eigner sollten schon selber entscheiden dürfen, wofür sie spenden. „Aber immerhin spricht er wieder über das Regattasegeln.“

„Ich würde schon irgendeine Art Spende im Rahmen der J-Class Association für die Ozeane unterstützen.“ Aber man solle doch das Medienspektakel lieber auf dem Wasser als an Land veranstalten.

Hintergrund für den ungewöhnlich offenen Schlagabtausch der Milliardäre ist offenbar die Positionierung der J-Class im Ganzen. Denn in den nächsten Jahren wird ein echter Hype erwartet, weil die Flotte dieser Mega-Yachten bald auf zehn wachsen könnte.

„Shamrock V“, „Velsheda“, „Hanuman“ („Endeavour II“) und „Ranger“ werden aktiv gesegelt. „Endeavour“ befindet sich auf der Werft für ein massives Refit. „Rainbow“ und „Lionheart“ sollen bald fertig sein. „Atlantis“, „Svea“ und „Enterprise“ befinden sich in der Planungsphase.

Sollen sie sich weiter schlagen. Die Schlüsselloch Optik in die Psyche eines Milliardärs ist amüsant. Fast so schön wie es der Anblick von zehn J-Class-Yachten vor Antigua wäre. Aber bis dahin werden noch einige Egos leiden.

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Carsten Kemmling

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