Streiflicht: Wettervorhersage für 16 Tage

Die Wettergötter schweigen

Auf dem Wetterportal www.wetter.com wird einem das Wetter für die kommenden 16 (in Worten sechzehn) Tage prognostiziert. In einer Pressemeldung schrieb man dazu:

www.wetter.com bietet mit dem Relaunch als erstes deutsches Wetterportal darüber hinaus auch eine 16-Tage-Vorhersage an, die zuverlässige Trends dank der engen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetter Dienst und Web3.0 Nowcast-Modelle* sowie Langzeit- und MOS**-Prognosen zeigt. „

Über zwei Wochen sind für eine Wetterprognose eine verdammt lange Zeit. Nach meiner Erfahrung sind Wettervorhersagen über drei Tage mit Vorsicht zu genießen und ab fünf Tagen praktisch unbrauchbar. Da hat es mich schon interessiert, mit welcher Genauigkeit man bei einer 16 Tage Vorhersage rechnen kann und für wie seriös man bei wetter.com dieses Angebot hält. Ich habe wetter.com zwei Mails mit einigen Fragen zur 16 Tage Vorhersage geschickt. Leider hat mir niemand geantwortet.

Stellen wir uns vor, dass man dem Pressesprecher dieser Firma ein Wahrheitsserum eingeflösst und ihn dann veranlasst hätte, mir zu antworten. Seine Mail hätte vielleicht wie folgt ausgesehen:

Sehr geehrter Herr Röttgering,

auch wenn mir kritische Nachfragen so gar nicht liegen, möchte ich Ihnen auf Ihre Mail trotzdem antworten. Unsere Erwähnung von MOS Prognosen und Web 3.0 Nowcast Modellen ist natürlich reines PR-Geschwurbel. Ich habe nicht die geringste Vorstellung , was sich genau hinter Model Output Statistics verbirgt und was Nowcasting und eine 16 Tage Vorhersage miteinander zu tun haben. Der Trick ist ganz einfach: wir nehmen das Durchschnittswetter der letzten Jahre und produzieren daraus unsere Langfristprognosen. Im Sommer sagen wir warmes, im Winter kaltes Wetter für die mittlere Zukunft voraus. Passt irgendwie immer und ist günstig von Praktikanten zu erledigen. Wenn wir schon nicht das Wetter für die nächste Woche vorhersagen können, wie dann erst das für in zwei Wochen? Ja, die Sache mit den 16 Tagen ist ein reiner Marketinggag.

Ich möchte Sie bitten, dieses Schreiben vertraulich zu behandeln. Ich bin Alleinverdiener und habe Frau und Kinder zu ernähren.

Mit freundlichen Grüßen XY – Abt. Unternehmenskommunikation

Uwe Röttgering
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