Disziplinarverfahren: Sperre wegen Doping-Vergehen – Attacke bei der Rheinwoche

"An den Haaren zu Boden gezogen"

Der französische 470er-Olympia-Steuermann Sofian Bouvet ist für ein Jahr gesperrt worden. Deutlich schlimmer ist aber ein Fall aus Deutschland von der Rheinwoche.

Sofian Bouvet

Olympia-470er-Steuermann Sofian Bouvet ist gesperrt worden. © Breschi/FFVOILE

Zu Beginn des Jahres hat der Weltseglerverband die aktuelle Liste zu den laufenden Disziplinarverfahren veröffentlicht. Demnach ist aktuell der französische WM-Dritte und Olympia-Siebte Sofian Bouvet aus Frankreich bis Ende August 2018 gesperrt worden.

Grund ist ein Vergehen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen. Er hat es versäumt, den Doping-Wächtern seine Aufenthaltsorte mitzuteilen und stand deshalb nicht für unangemeldete Kontrollen zur Verfügung.

Allerdings hat Bouvet nach den Olympischen Spielen 2016 an keinem 470er Wettkampf mehr teilgenommen, war aber dennoch in der Nationalmannschaft geführt worden und war offenbar im Begriff, die nächste Kampagne für 2020 zu starten.

“Ich bin sehr verärgert”, kommentiert Bouvet (28) die Entscheidung. “Ich hoffe natürlich, dass die Strafe noch gemildert werden kann, weil die Behörden bestätigt haben, dass ich keine bösen Absichten hatte. Auf jeden Fall ist diese schlechte Erfahrung für mich eine gute Lektion, die zeigt, wie wichtig auch externe Faktoren für den Erfolg eines Hochleistungsprojektes sind. Ich werde versuchen, in der Pause meine Kenntnisse über das Segeln durch Coaching oder Wetter-Analysen zu verbessern.”

Während der prominente Fall des eigentlich erfahrenen Franzosen im zehnten Jahr seiner 470er-Karriere eher als das Statuieren eines Exempels für die Spitzenathleten zu verstehen ist, die Dopingregeln einzuhalten, erscheint auch ein deutscher Fall auf der Liste, der deutlich schwerwiegender einzuschätzen ist.

Angriff von hinten

So ist am 31. Dezember die 16-monatige Sperre nach Regel 69 (Fair Sailing) von Ruth Biermann abgelaufen. Die Dyas-Vorschoterin vom Segelclub Oberhausen hatte am 15 Mai 2016 bei der Rheinwoche eine Frau attackiert. Der Vorfall passierte vor der Preisverteilung auf dem Gelände der RTG Wesel.

Biermann griff die als Gast anwesende Frau, von hinten an, zog sie an den Haaren auf den Boden und trat sie mehrfach. Es entstanden Prellungen an Kopf, Brust, Oberschenkel und Bauch sowie eine Stress-Reaktion, die zu einer sechswöchigen Krankschreibung führten.

Die Gründe für den Ausraster sind nicht bekannt. Biermann äußerte sich nicht gegenüber der Disziplinarkommission. In der Entscheidung des DSV-Gremiums heißt es: “Ein Teilnehmer bei einer Regatta muss sich angemessen verhalten und darf auch Gäste nicht beschimpfen oder körperlich angreifen. Es spielt keine Rolle, dass die Verletzte kein Teilnehmer der Regatta war.”

Eine besondere Rolle bei dem Strafmaß habe der “arglistige Angriff ohne Warnung von hinten” gespielt sowie die Tatsache, dass sich Frau Biermann nie entschuldigt und keine Beiträge zur Klärung des Falles geleistet habe.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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7 Kommentare zu „Disziplinarverfahren: Sperre wegen Doping-Vergehen – Attacke bei der Rheinwoche“

  1. avatar Christian sagt:

    Übler Fall bei der Rheinwoche. Dennoch muss der volle Name nicht genannt werden. Sowas machen sonst nur britische Trash-Medien. Im verlinkten Dokument steht sogar der Name des Opfers. Nicht ok.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 11 Daumen runter 8

  2. avatar Non solo pane sagt:

    Natürlich muss der volle Name genannt werden. Wer anderen Menschen gegen den Kopf tritt, wenn sie am Boden liegen, muss nicht extra geschont werden. Das Opfer verdient Schutz. Die Strafe ist zu milde. Lebenslange Sperre wäre angemessen gewesen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 6

    • avatar Spoox sagt:

      Keiner von uns weiß, was dort vorgefallen ist und wie diese Situation zu stande kam – niemand wird grundlos handgreiflich.

      Die Regel 69 gilt auch bei verbaler Gewalt, nur dass man diese meist schlecht nachvollziehen kann, oder?

      Natürlich rechtfertigt nichts physische Gewalt, doch die psychische Gewalt, die durch einen Artikel wie diesen hier provoziert werden könnte, sollte auch nicht unterschätzt werden.

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    • avatar Christian sagt:

      … scheisst auf Persönlichkeitsschutz, schreibt aber hier anonym. Versteh einer die Leute…

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      • avatar Spoox sagt:

        Danke für den qualfizierten Kommentar, bitte mehr davon.

        Warum scheiße ich auf Persöhnlichkeitsschutz? Rechtfertige ich diesen mit dem, was ich geschrieben habe etwa nicht?

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        • avatar Jörg sagt:

          Erst kieken dann quieken würde jetzt ein Berliner sagen. Schau Dir mal die Einzüge an, dann wirst Du sehen, dass Christians Antwort sich auf Non solo panes Kommentar bezog.

          Was mich an der ganzen Diskussion über das Persönlichkeitsrecht wundert ist, dass es sich an der Nennung des vollen Namens einer Gewalttäterin (warum auch immer Sie es getan hat) entzündet, aber Niemand über die Nennung des Namens beim Franzosen spricht, der dazu auch noch mit Bild erscheint.

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  3. avatar Non solo pane sagt:

    Du nicht?

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