Tragische Geschichte: Yacht konfisziert, Waffen an Bord, Tod.

Drama um einen Yachtverkauf

Von Udo

Es ist eine wahre Geschichte, an der wir zum Glück wir nur am Rande beteiligt sind. Ich habe sie aufgeschrieben, aber unser Freund Bernd, dem das alles passiert ist, hat den Text gegen gelesen. Danke Bernd!

Die Langfahrtsegler Bernd und Marion sind gute deutsche Freunde von uns. Wir kennen sie schon seit drei Jahren und immer, wenn wir sie treffen, ist es eine freundschaftliche Begegnung.

Die beiden besitzen eine wunderschöne 32 Jahre alte, sehr gepflegte 52 Fuss Segelyacht aus GFK, die sie verkaufen wollen. Es wäre ein Traumschiff für uns, obschon wir uns bewusst sind, dass die Betriebskosten und der Unterhalt unser Budget sprengen würden.

Im Internet haben wir uns schlau gemacht. Dieser Typ und dieser Jahrgang von Yacht, wird zwischen 125000 und 200000 Amerikanischer Dollar gehandelt. Die Yacht von Bernd und Marion ist in einem sehr guten Zustand. Immer wenn wir sie trafen, wurde lackiert, ersetzt und erneuert. Sie haben viel Geld in ihr Schiff investiert.

Sie finden schnell einen deutschen Käufer, der die geforderten 100‘000 Euro bezahlen will. Wir sind echt neidisch, denn diese Segelyacht besitzt ganz klar einen höheren Wert!

Im Januar wurde in Grenada der Kaufvertrag unterzeichnet, nachdem der Käufer die Gelegenheit hatte, eine ganze Woche lang auf dem Schiff zu leben und um es kennen zu lernen. Das ist absolut selten ist! Der Zahlungsmodus wurde festgelegt und das Schiff sollte im September hier übergeben werden.

Der Käufer hielt den Vertrag nicht ein und leistete nur die erste Anzahlung. Trotzdem flogen Bernd und Marion mit dem Käufer und dessen Frau zur Übergabe nach Grenada. Beide haben in Deutschland alles aufgelöst, um in Zukunft auf der Yacht zu leben.

Der Käufer hatte Bernd versprochen die fehlenden 80‘000 Euro sofort nach der 1.Sichtung zu überweisen. Dummerweise klärt sich der liebenswürdige Bernd dazu bereit. Kaum in Grenada angekommen, beginnen die Probleme. Der Käufer Thomas beanstandet und beanstandet den Zustand der Yacht und bezahlt nicht! Er zieht einen Gutachter hinzu, der eine pingelig genaue Expertise erstellt.

Vreni und mir stehen die Haare zu Berge! Da wird bei einem dreißigjährigen Schiff eine rostige Mutter beanstandet. Oder Lüsterklemmen, welche nicht mit einem Schrumpfschlauch geschützt sind.  So etwas käme bei uns an Bord wegen der Korrosion nie in Frage. Und so weiter!!!

Bernd lässt alle Mängel, auch den beanstandeten Mastfuß, ein Problem das von der Werft her bekannt ist, gleich auf seine Kosten reparieren. Dennoch ist der Käufer unzufrieden. Er überweist nun weitere 40´000 Euro geht aber gleichzeitig in Grenada zu einem Anwalt und lässt das Schiff durch die Behörden an die Kette legen.

Begründung: Er sei mit 60 Prozent Eigner und das Schiff befinde sich in schlechterem Zustand als im Januar 2010 und mehr als 60 Prozent werde er nicht zahlen! Obschon dies alles schriftlich wiederlegt werden kann, bekommt er vorerst Recht. Das Schiff wird konfisziert!!

Bernd beauftragt jetzt den Gutachter, damit alle Reparaturen nachkontrolliert werden.  Dieser soll den einwandfreien Zustand, der unter dem Preis verkauften Yacht, bestätigen. Er bestätigt die die Behebung aller beanstandeten Probleme. Auch die Reparatur des Mastfußes wird besonders gelobt!

Aber das ist dem Käufer nicht genug. Wir lernen ihn und seine Frau bei einem Sundowner in Grenada kennen. Er wirkt auf uns gleich belehrend. Als ob Vreni und ich, nach 11 Jahren an Bord lebend, keine Ahnung hätten, will uns dieser „Neuling“ Thomas (bisher kein eigenes Schiff, aber Meilennachweis über 8! Törns als Wachführer) klar machen, was wir mit unserer Stromversorgung an Bord, mit dem Honda Generator falsch machen.

Wir müssten für 300 Euro einen asiatischen Generator kaufen und nicht einen Honda für 2000 Euro . Der hat ja absolut keine Ahnung vom Leben hier! Total unvorbereitet! Er ist uns unsympathisch. Als er mir noch erzählt, er sei ein Waffenliebhaber und er wolle seine Waffensammlung von dreissig (!) Waffen hier her an Bord nehmen, muss ich ihm meine Meinung sagen. Wer so viele Waffen hier her an Bord nehmen will, der „spinnt“ nun einmal wirklich in höchstem Grade! Waffen an Bord sind so gefährlich wie Rauschgift!

Seine Verhandlungen mit Bernd ziehen sich fünf Wochen lang hin. Bernd und der Käufer verkehren nur noch per Anwalt miteinander. Eine Einigung wird wahrscheinlich erst in Deutschland bei Gericht zustande kommen. Ein Schiff unter deutscher Flagge, ein deutscher Eigner und ein deutscher Käufer. Eigentlich klar! Aber die Grenada Justiz hat das Schiff vor Ort an die Kette gelegt. Eine Einigung ist nicht in Sicht.

Dann bekomme ich einen Anruf. Der Käufer Thomas ist tot! Trotz Warnung hatte er in der Hafeneinfahrt von Port Louis geschnorchelt. Dabei wurde er von einem Speed Boot überfahren und getötet. Die Polizei findet bei seiner Frau und dem anwesenden Bruder im Hotel 30 Verschlüsse, Kolben und Kleinteile von Waffen, welche Thomas bereits mit in die Karibik genommen hat.

Die Frau und der Bruder werden gleich wegen illegaler Einfuhr von Waffenteilen und vier weiteren Delikten gegen das Waffengesetz in Handschellen gelegt und ins Gefängnis gesteckt. Zwei Tage braucht die Deutsche Generalkonsulin um die beiden wieder auf freien Fuss zu bekommen.

Für Bernd und Marion, unsere lieben Freunde, geht das Drama weiter. Das Schiff ist nicht verkauft und zudem an die Kette gelegt. Der Käufer ist tot und die Frau am Montag nach Deutschland abgehauen! Sie hat sich nicht mehr um ihren toten Mann gekümmert. Die deutsche Generalkonsulin musste alles regeln.

Viele Details, die sich Thomas während diesen 6 Wochen in Grenada geleistet hat, werden hier nicht erwähnt. Das würde diesen Bericht sprengen!

Es könnte ein fiktiver Kriminalroman sein, aber diese Begebenheit ist absolut wahr.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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