Einhandsegeln: 770 Dollar Strafe für 15-Minuten-Nickerchen

Bad Days

Die "Apollo 3" im Cruising-Modus mit Mannschaft © Ross-Smith

Die “Apollo 3” im Cruising-Modus mit Mannschaft © Ross-Smith

Für den Skipper der 16m-Yacht „Apollo 3“ sollte es ein ganz normaler Törn werden. Doch dann nahm sich die Australische WaschPo seiner an, frei nach dem willkürlichen Motto: Wer suchet, der findet?

Weltenbummelnde Solo-Segler aufgepasst: Vor der australischen Küste ist ab sofort „Schluss mit lustig“, wie der Fall des australischen Seglers Conrad Charles Ross-Smith deutlich macht. Zumindest behaupten dies die Tageszeitungen vor Ort, die den Behörden „unverhältnismäßiges Verhalten“ vorwerfen. Doch ist der Skipper tatsächlich so „unschuldig“ und „Opfer reiner Behördenwillkür“, wie er von sich behauptet?

Die Version des Skippers

Ross-Smith segelte nach Angaben lokaler Medien auf seiner 16m langen Ex-Regattayacht „Apollo 3“, die gemeinsam mit den Vorbesitzern immerhin schon am Fastnet und am Sidney-Hobart-Race teilgenommen hatte zwischen den Whitsunday Islands vor der australischen Ostküste, als er von der Wasserschutzpolizei kontrolliert wurde. Die Beamten kamen an Bord und waren offenbar erstaunt darüber, dass der Mann die 16m-Yacht alleine segelte. Befragt nach seinem „Schlafmanagement“ gab Ross-Smith zu Protokoll, dass er kurze „15-Minuten-Nickerchen“ mache.

Dafür wurde er später für „mangelhafte Wache an Bord seines Schiffes“ zu einer Strafe von 770 australischen Dollar verurteilt, weil er die Pflicht zum Ausschau halten verletzt hätte. Der zuständige Richter ließ nach eigener Aussage Milde walten, da Ross-Smith „nur sein eigenes Leben riskierte“ – das australische Gesetz sieht für derartige Fälle Strafen bis zu 50.000 Dollar vor.

Doch damit nicht genug: Der WaschPo fiel ebenso auf, dass der Skipper keine elektronischen Navigationsgeräte, weder Radar noch Echolot an Bord hatte. „Er habe eben gekoppelt,“ behauptete Ross-Smith, was wiederum die Beamten nicht ganz glauben konnten, da keine Route auf der Seekarte eingezeichnet war.

Also „schnüffelte“ man weiter und stellte fest, dass die Kontrollen der Sicherheitsausrüstung längst überfällig waren. Außerdem ging aus den Schiffspapieren hervor, dass Ross-Smith weder seine Yacht noch sein Dinghy ordnungsgemäß registriert hatte. Die Liste der WaschPo und das Gesicht des Skippers wurden lang und länger…

So sahen es die Behörden

Als Ross-Smith im Zuge seiner Gerichtsverhandlung an die Öffentlichkeit ging und sich vor allem über die „Nickerchen-Strafe“ ereiferte, fühlten sich die Behörden bemüßigt, mit „ihrer Version“ vor die Öffentlichkeit zu treten:

Ross-Smith sei zwei Tage vor der Kontrolle in Airlie Beach ausgelaufen, um Richtung Townsville oder Cairns zu segeln. Die Wetter- und Seebedingungen bezeichnete er später als „heftig, aber beherrschbar“.

Während des Törns verlor er zwei Vorsegel und Ross-Smith schaffte es offenbar nicht alleine, das Groß zu setzen. Womit das Schiff ohne Vortrieb war, da auch die Maschine streikte.

Die „Apollo 3“ und ihr Skipper trieben so einen Tag auf See, als der mittlerweile erschöpfte Ross-Smith ein Marine-Schiff am Horizont entdeckte und mit einer Notrakete auf sich aufmerksam machte. Drei Marine-Soldaten setzen auf einem Zodiac über und halfen dem Havarierten, das Großsegel zu setzen. Ross-Smith bedankte sich und behauptete, nun alleine zum nächsten Hafen segeln zu können.

Viertelstündchen-Nickerchen

Doch wenige Stunden später meldete die australische Küstenwache, dass ein Schiff namens „Apollo 3“ von anderen Seglern entdeckt wurde, wie es etwa 15 Seemeilen vor „Magnetic Island“ offenbar unbemannt mit killendem Segel im Wind driftete. Was wiederum genau der Moment gewesen sein musste, als Ross-Smith sein Viertelstündchen-Nickerchen machte.

Als schließlich die WaschPo zur „Apollo 3“ fuhr und sie an den Haken nahm, habe man sich auf dem Rückweg etwas eingehender mit Skipper und Schiff befasst.

In einem Punkt sind sich Behörden und Skipper jedoch einig: Dieser Törn war eine Aneinanderreihung von „bad days“ für Ross-Smith – gewürzt mit reichlich „Glück im Unglück“.

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7 Kommentare zu „Einhandsegeln: 770 Dollar Strafe für 15-Minuten-Nickerchen“

  1. avatar Piet sagt:

    Ja stimmt schon

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 2 Daumen runter 8

  2. avatar dubblebubble sagt:

    Einfach eingepennt der Typ. Hammer!

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  3. avatar Sailing4Ever sagt:

    Hat sich jemand die Location mal näher angeschaut? 15sm um Magnetic Island wimmelt es nur so von Korrallenriffen. Das war schon höchst fahrlässig, da zu pennen. Seine 15min kann er vielleicht draussen auf offener See machen, aber nicht da. Falls die Story stimmt.

    Gruß
    Hannes

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

  4. avatar HotOceanRacer sagt:

    Moin

    Ich habe auf einem der alten Volvos gegen das schiff mit Charter Crew gesegelt und das ist 2 Jahre her
    und da war die Karre schon im schlechten zustand was Backstagen Blöcke und co. angeht.

    und des Weiteren ist sie auch ein bisschen länger der Dampfer hat 75-80 fuss ,ca 22 Meter+ jenachdem welcher Charter Seite am nun glauben möchte.

    http://www.queenslandadventures.com.au/holidays/apollo-3-day2-night-whitsundays-sailing-departs-airlie-beach-mondaysfridays

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