Einhandsegeln: Der Schweizer Ralph Villiger „erkundet“ die Küste von Grönland

Eisbären vor Eisbergen

Expedition, Grönland, Abenteuer

Aug’ in Aug’ mit dem Bären © villiger

Verstärkung ohne Gepäck

Nach fünf Tagen kam dann mein Freund, der Bergführer Harald Fichtinger in Grönland an, leider ohne Gepäck. Die Fluggesellschaft konnte es „nicht mehr ausfindig machen“. Nun ist es bei einer Expedition eben so, dass man nur das Nötigste mitnimmt, was bedeutete, dass nun notwendiges Material schlicht fehlte. Glücklicherweise konnte sich Harald in Reykjavik in einem Marmot-Laden wieder neu ausrüsten lassen und ich konnte mir in Nanortalik von vorangegangen Kletterexpeditionen etwas Material zusammenkratzen. So ging es nach einer Woche Aufenthalt in Nanortalik endlich auf Kletterexpedition. Zuerst durch das Fjordsystem beim Kap Farvel, das schlicht phänomenale Szenerien bietet.

Wir legten einen Stopp im Fischerdorf Aappilattoq ein, wo es uns so gut gut gefällt, dass wir gleich noch zwei Klettertage dort verbringen; unter anderem auch, um nicht bei stürmischem Wetter in den Atlantik stechen zu müssen.

Es trieben immer wieder kleinere Eisbrocken in die Hafenbucht, und ein etwa vier Meter großer Eiswürfel schob sich nachts unter die „Ntombifuti“. Wenn die Eisberge aber nicht gerade zerfallen und als Folge davon sich abrupt drehen, sind sie keine Gefahr.

Weites Land, kleines Boot © villiger

Weites Land, kleines Boot © villiger

Weiter ging es durch den sagenhaften Prins Christian Sund, wo Harald und ich die ersten Gletscher ins Meer münden sehen. In mehreren Tagesetappen segelten wir nun die Ostküste hoch, wobei mit „segeln“ eigentlich „motoren“ gemeint ist. Während des ganzen Aufenthaltes in Grönland war der Wind sehr schwach. Als willkommene Folge blieben auch größere Wellen aus, was die Ausschau nach Eisbrocken begünstigte.

Begegnung der tierischen Art

Die Ostküste Grönlands bietet noch immer einiges Potenzial für Entdeckungen. Diverse Fjorde sind noch nicht richtig vermessen und der Revierführer vermerkt gerade einmal eine Handvoll Ankerbuchten; alle etwa eine Tagesetappe voneinander entfernt. Dies lässt den Schluss zu, dass die Vorschläge alle von der gleichen Reise stammen. Also haben wir für die nächste Ausgabe drei weitere Ankerbuchten ausprobiert und beschrieben. Im Kangerdluluk Fjord haben wir auch einen spektakulären Gipfel ausgemacht, mussten allerdings nach dem ersten ernsthaften Versuch aufgrund der miserablen Felsqualität wieder absteigen. Auf einer Breite von 62° 52’N haben wir dann aber doch noch eine schöne Kletterei auf einen höchstwahrscheinlich bis dahin noch unbestiegenen Gipfel durchführen können.

Abenteuer, Grönland

Einsamer Ankerplatz vor großer Kulisse © villiger

Auf dem Weg dorthin machten wir noch bei einer alten Funkstation in Tingmiarmit Halt. Wir trafen erst spätabends ein und beschlossen deshalb, nicht mehr alle Fender und Taue hervorzuholen, um am fast zerfallenen Steg festzumachen, sondern einfach rasch den Anker fallen zu lassen. Am nächsten Morgen wollten wir dann die kleine Geistersiedlung auskundschaften.

Als ich bereits im Dinghi saß und die Paddel von Harald entgegen nehmen wollte, schaute ich kurz zum Steg: Da stand ein ausgewachsener Eisbär und starrte mich an! Harald stürmte in die Kajüte, um die Kamera zu holen, und ich wechselte rasch zurück aufs Boot. Der Bär war wohl etwa drei bis vier Jahre alt und mit dem Eis nach Süden getrieben. Als dieses dann aber schmolz, fand er sich etwa 2,000 Kilometer zu weit südlich, denn ohne Eis kann er keine Robben fangen.  Also dann eben ein paar Menschen?

Er trottete das Ufer entlang zu der Stelle, die „Ntombifuti“ am nächsten war und stieg bereits ins Wasser.

Wir hatten vorsichtshalber ein Gewehr dabei, aber der Bär verzichtete dann doch auf eine nähere Begutachtung. Wie gebannt beobachteten wir den Bären während 30 Minuten, bevor er hinter einem Hügel verschwand.

Auf x-tra gebautem Holzbock © villiger

Auf x-tra gebautem Holzbock © villiger

Überwintern auf Island

Es blieb noch die Überfahrt zurück in die Zivilisation. An der ganzen Ostküste Grönlands haben wir  keine Menschenseele getroffen. Zuerst fuhren wir aus dem etwa 10 Seemeilen breiten Eisgürtel. Danach kam wie bestellt Wind auf und wir konnten endlich den Motor abstellen. Zwar wuchs der Wind, wie es sich gehört, zu einem Sturm „auf die Schnauze“ aus, aber das spielte nun keine Rolle mehr. Das Eis lag hinter uns, und das Schiff hat schon Schlimmeres überstanden. Nach fünf Tagen kamen wir in Hafnarfjördur, einem Vorort von Reykjavik an.

In Island gibt es etwa 70 Yachten. Die Segelsaison ist auf die Monate Juni bis August beschränkt. Deshalb gibt es auch nur eine minimale Infrastruktur. Ich konnte „Ntombifuti“ zwar an Land stellen. Dazu musste ich mir aber erst von einem Zimmermann ein Gerüst bauen lassen und einen Kran anfordern. Jetzt überwintert das Schiff erstmal auf der fantastischen Vulkaninsel – gut möglich, dass „Ntombifuti“ nächstes Jahr wieder nach Grönland segelt.

Website Villiger

Grönland, Abenteuer

Starke Aussichten – nächstes Jahr wieder Grönland? © villiger

11 Kommentare zu „Einhandsegeln: Der Schweizer Ralph Villiger „erkundet“ die Küste von Grönland“

  1. avatar Ketzer sagt:

    Eh… Irgendwie funtzt da ja nix auf dem Kahn, oder?

    • avatar SR-Fan sagt:

      Naja – das ist ja irgendwie der Charme an der Sache. Wobei die Sache mit Autopilot und mehrmals Motor und Bilgepumpe (im Prinzip zur gleichen Zeit) schon fast ein wenig dick aufgetragen ist 😉

      Die Welt hat offenbar genug von all den Erfolgsstorys, jetzt sind mal die anderen dran. Wenn ein Buch rauskommen soll, würde ich mal bei Delius anklopfen (Grüße an Digger) 😉

      VG

    • avatar Heinrich sagt:

      🙂

      (ich habs nur gedacht. Du hast es ausgesprochen)

  2. avatar Skiffy sagt:

    Hallo? Ich würde gerne weiterlesen….

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