Entspanntes Schleusen: So gelingen Schleusen-Manöver ohne Stress

Kammerspiele

In Schleusen fährt so mancher Segler nervös hinein. Das muss nicht sein. Mit diesen Tipps funktioniert das Schleusen ohne Stress:

Sind die Poller zu weit entfernt, muss die Leine geworfen werden © Kai Köckeritz

Insbesondere während eines Törns bei unseren Nachbarn in den Niederlanden liegt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, auf eine Schleuse zu treffen. Zu allem Überfluss gleicht kaum eine Schleuse der anderen. In der einen erwarten den Segler Schwimmstege, in der anderen eingelassene Poller in der Schleusenwand und in einer anderen Schleuse hängen Tampen längs der Mauer. Doch die gute Nachricht lautet: Aufgrund des geringen Unterschieds der Wasserstände in den Niederlanden sollten die Schleusen auch unerfahrenen Crews keine Probleme bereiten. Nur in den Nordseeschleusen am Abschlussdeich oder in Seeland hebt oder senkt sich das Schiff um mehr als einen Meter.

Das Anlegen

1 Am angepeilten Poller wird aufgestoppt und das Heck so nah wie möglich an den Poller versetzt.

2 Vorwärts eingekuppelt, dampft das Schiff in die Achterleine ein.

3 Bei viel Wind muss mehr Gas gegeben werden, bis das Schiff längsseits in der Kammer liegt.

4 Bei eingekuppelter Maschine kann in Ruhe die Vorleine ausgebracht werden.

Das Ablegen

1 Die Achterleine wird etwas verlängert und rückwärts eingekuppelt.

2 Das Schiff beginnt in die Achterspring einzudampfen.

3 Der Bug löst sich und zeigt jetzt in die Kammer hinein.

4 Der Motor wird kurz ausgekuppelt und die Achterleine eingeholt. Vorsicht beim Wegfahren: Das Ruder mittschiffs stellen, um zu verhindern, dass das Heck gegen die Mauer/Ponton schlägt.

Nervös

Trotz des geringen Wasserunterschieds fahren viele Crews nervös in die Schleuse ein und nicht immer gelingen die Manöver einwandfrei. Schneller als gedacht, liegt das Schiff quer in der Kammer. Als Folge wird der Ton an Bord rauer, die Versuche, das Boot wieder parallel an die Schleusenwand zu bringen, hektischer. Misslungene Schleusenmanöver resultieren nicht aus fehlendem Können, sondern aus fehlender Erfahrung beim Schleusen. Anders als im Hafen kann sich der Liegeplatz in Bezug auf Windrichtung und -stärke nicht ausgesucht werden, um sich vom Wind beim An- oder Ablegen helfen zu lassen.

Platzmangel

Was Manöver im Hafen oft zu einer Herausforderung macht, ist Platzmangel, wie auch in Schleusen. Die Kammern sind eng und lang. Steht der Wind nicht direkt in die Kammer, fehlt der Platz, um gegen den Wind den Platz in der Schleuse anzusteuern, langsam aufzustoppen und festzumachen. In der Theorie mag der fehlende Platz und die Windrichtung in der Schleuse weniger wichtig klingen, doch in der Praxis sind es die Gründe für querstehende Schiffe in der Schleusenkammer. Muss aufgrund einer vollen Schleusenkammer an der Luvseite angelegt werden, reicht leichter Wind aus, das Schiff von der Schleusenwand wegzudrücken, bevor Vor- oder Achterleinen ausgebracht sind.

Selbst wenn es scheint, dass die Schleusenkammer windgeschützt ist, bietet der Mast dem Wind genug Widerstand, um einen Effekt auf das Boot zu haben. Aufgrund des fehlenden Platzes in der Kammer wird es immer schwieriger, das Schiff erneut näher an die Schleusenwand zu manövrieren. Gelingt es, nur eine Leine über einen Poller zu legen, richtet sich das Schiff nach Wind und Leine in der Schleuse aus – es liegt quer. Leider wird die Schuld dann oft der Vorschiffscrew zugeschoben, die aber in der Regel nicht in die Nähe eines Pollers kam. Mit etwas Übung und der Kenntnis über die speziellen Begebenheiten in einer Schleuse lassen sich die Manöver allerdings entspannter und sicherer angehen.

Vorbereitung

Schon bevor sich die Schleusentore öffnen, sollte das Schiff entsprechend vorbereitet sein. Da es immer vorkommen kann, dass nicht an der gewünschten Seite festgemacht werden kann, sollten die Festmacher sowohl an Steuerbord als auch an Backbord bereit gelegt werden. Achtern führt der Steuermann oder ein Crewmitglied die Leine in einer Bucht unter dem Heckkorb durch und legt sie wieder an Deck, sodass sie in der Schleuse direkt über einen Poller gelegt und belegt werden kann. Die Vorleine liegt sauber aufgeschossen an Deck.

Jede Schleuse unterscheidet sich von der anderen. Daher lohnt es sich, zu überlegen, wie die Kammer aussieht und welche Möglichkeiten zum Festmachen einen erwarten. Sind es Schwimmstege oder eine gemauerte Wand mit eingelassenen Backsteinen? Falls die Schleuse überhaupt keinen Einblick gewährt, können auch die anderen Schiffe in Augenschein genommen werden. Wie bereiten sie ihre Fender vor? Bei Schwimmstegen müssen die Fender weiter in Richtung Wasserlinie ausgebracht werden.

In der Prinses-Margriet-Schleuse in Lemmer gibt es beispielsweise eine Besonderheit. Ursprünglich als Schleuse für die Berufsschifffahrt gebaut, schwimmen an beiden Seiten der Kammer Pontons mit Schleusenholz. Poller sind längs der Kammer an der Mauer. In dieser Schleuse müssen die Fender aufschwimmen. Nur mit der Spitze die Wasseroberfläche zu berühren reicht nicht aus, da sie an den Pontons in der Schleuse hochrutschen würden. Da die Fender meist nicht weit genug herunter gebunden werden können, bietet es sich an, sie ganz an den Füßen der Relingsstützen zu befestigen. Auch wenn das Schleusenholz an den Pontons dicke Macken verhindert, ist es besser, die Fender aufschwimmen zu lassen.

Der Bootshaken ist nicht dafür da, um sich irgendwo einzuhaken und heranzuziehen. Lieber an Deck lassen. In der Regel wird er nicht benötigt. Der Steuermann sollte sich bereits im Vorfeld eine Seite in der Schleuse aussuchen. Die Wahl sollte anhand der Wind­richtung ausgesucht werden. Bei Schiffen mit stark ausgeprägtem Radeffekt sollte dieser einbezogen werden. Allerdings sollten Steuermann und Crew darauf vorbereitet sein, nicht an der gewünschten Seite festmachen zu können.

Der Platz wird optimal genutzt, wenn nach vorne durchgefahren wird © Kai Köckeritz

Verhalten

Vor den niederländischen Schleusen gibt es immer Möglichkeiten festzumachen. Steht der nächste Schleusengang nicht unmittelbar bevor, wird dort kurz angelegt. Es wird nicht gern gesehen, wenn die Schiffe vor der Schleuse treiben und auf Einlass warten. Da die Wartestege fast immer parallel zur Schleusenkammer liegen, geben sie schon einen Vorgeschmack auf die Begebenheiten in der Kammer. Falls das Anlegemanöver draußen nicht richtig passt, lassen sich Maßnahmen treffen, um es in der Schleuse zu vermeiden.

Wann in die Schleuse eingefahren werden darf, wird über ein Lichtsignalsystem geregelt. Erst wenn es rot-grün anzeigt, wird am Wartesteiger abgelegt und erst bei Grün in die Schleuse eingefahren. Wer ablegt, sobald sich die Schleusentore öffnen, es aber noch rot leuchtet, fährt mitten in den aus der Schleuse kommenden Pulk. Wichtig für
die Schleusen­etikette: Es wird so in die Schleuse eingefahren, wie die Schiffe angekommen sind. Liegt das Schiff, das als letztes kam, zuerst in der Schleuse, lief irgendetwas schief.

Gerade in den Sommermonaten sind die Schleusen normalerweise bis zum letzten Zentimeter ausgenutzt. Zeichnet sich ab, dass in der Kammer jeder Platz gebraucht wird, sollte auch den Nachzüglern eine Chance gegeben werden, den Schleusengang mitzunehmen.

Daher wird so weit wie möglich in die Schleuse vorgefahren und nicht direkt hinter dem Tor festgemacht. So weit wie möglich bedeutet auch, nach vorne durchzufahren und an einem anderen Schiff längsseits zu gehen, anstatt an der Schleusenwand festzumachen. Eventuell muss die Crew vor dem Längsseitsgehen die Fender wieder höher hängen. Es ist erstaunlich, wie viele Schiffe auf diese Art zusätzlich in die Schleuse passen.

Eine Leine

Die sicherste Möglichkeit in einer Schleuse festzumachen, ist, auf der Leeseite längs zu gehen. Der Wind drückt das Schiff gegen die Mauer oder den Schwimmsteg und verhindert so ein Querliegen in der Kammer. Allerdings erschwert es anschließend das Ablegen. Bei mehr Wind wird das Schiff so stark gegen die Mauer gedrückt, dass das Schiff sich nicht lösen kann und womöglich entlang der Mauer rutscht. Daher wählen die meisten Skipper lieber einen Platz in Luv aus.

Ob Lee oder Luv: Es reicht eine Leine aus, um das Manöver erfolgreich abzuschließen. Der Steuermann fährt nicht zu langsam in die Schleuse und gibt der Crew genaue Angaben, wo er festmachen möchte. Während er sich dem gewünschten Platz nähert, kuppelt er aus. Anschließend stoppt er das Schiff so auf, dass er mit der Achterleine bequem einen Poller erreicht. Manchmal hilft es, das Heck näher heranzubringen, auch wenn die Gefahr besteht, quer zu treiben. Sobald die Verbindung hergestellt und belegt ist, kuppelt er ein. Das Schiff dampft in die Achterleine ein und legt sich an die Schleusenmauer. Jetzt kann die Vorschiffscrew in Ruhe die Vorleine ausbringen und der Steuermann kuppelt wieder aus.

Während des Schleusens sollten die Leinen nicht belegt werden. Wird aufwärts geschleust, kann in der Regel nicht so viel passieren, wenn eine Leine dennoch belegt wurde. Fällt der Wasserspiegel in der Schleuse, droht die Gefahr, dass sich das Schiff an den Leinen aufhängt. Gefährlich wird es, wenn die Leine kinkt oder ein Knoten das Weiterfieren verhindert. Manchmal hilft dann nur noch ein scharfes Messer. Allerdings nur bei Schleusen, die mehrere Meter Höhenunterschied ausgleichen.

Das Ablegen stellt meist keine Probleme dar. Schwieriger wird es nur, wenn der Wind das Schiff so an die Wand drückt, dass es sich nicht lösen kann. Bei Schiffen mit schmalem Heck hilft es, die Achterleine bei loser Vorleine dicht zu nehmen, sodass der breite Teil des Schiffes in der Mitte als Drehpunkt dient. Der Bug kommt frei und mit etwas Gas kommt das Schiff frei von der Mauer. Bei modernen breiteren Hecks bietet sich ein kleiner Kniff an. Die Achterleine wird um zwei oder drei Meter verlängert und der Rückwärtsgang eingelegt. Vorsichtig wird in die entstandene Achterspring eingedampft, bis der Bug soweit klar ist, dass die Leine eingeholt werden kann.

Sonderfall: Von Süß nach Salz 

An den Schleusen in die Nordsee oder in das Wattenmeer gilt die Besonderheit, dass beim Ausschleusen – vom IJsselmeer in das Wattenmeer – immer eine Strömung in die Schleuse hinein steht. In der Folge ist es wichtig, immer zuerst die Achterleine zu belegen. Ist diese erst fest, pendelt sich das Schiff wie von selbst in die Leine ein. Ist die Vorleine zuerst fest und die Achterleine nicht, dreht das Schiff schneller als gedacht. Je nach Größe liegt das Schiff dann entweder quer oder rückwärts in der Schleusenkammer.

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