eSailing World Championship: ex Opti Champ siegt – Ist Computer-Segeln Sport?

"6 Todesstöße im 1.Match"

Der Welt-Seglerverband gibt sich mit der Ausrichtung der ersten eSailing-Weltmeisterschaft betont modern. Beim World Sailing Meeting in Sarasota, USA wurde das Finale zelebriert. Frankreich feierte einen Doppelsieg.

Dieser Tage wird in höchsten Sport- und Politik-Kreisen diskutiert, ob Computer-Spiele  echte Sportarten sein können. Der Beitrag aus der Segelwelt ist die aktuelle eSailing WM, die erstmals im Rahmen des World Sailing Meetings in Florida live übertragen wurde.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat den aktuellen Bemühungen der eSport-Verantwortlichen, die eine Anerkennung als Sportart anstreben, erst einmal eine Absage erteilt. eGaming entspräche in seiner Gesamtheit “nicht den zentralen Aufnahmekriterien, die das Sport- und Verbändesystem unter dem Dach des DOSB konstituieren und prägen” heißt es in einer Mitteilung.

eSailing

Die Finalisten der ersten eSailing WM in Florida. Der Nueseeländer (r.) “segelt” mit dem Mobiltelefon. © World Sailing

Es gibt wohl wenige klassische Sportfans, die das wundert. Schließlich wurde selbst dem Schach 2014 vom Bundesministerium des Inneren die Anerkennung als Sport entzogen, um die Fördermittel einzusparen. Naheliegende Begründung: die sportspezifische eigenmotorische Aktivität fehlt. Und das gilt auch für den Computer-Sport.

Ist eSport Sport?

eSport-Vertreter sehen das allerdings anders. Die Anschläge auf der Tastatur, Körperspannung und besonders die mentale Anstrengung bringe die Spieler tatsächlich ins Schwitzen. Und steht sogar in den aktuellen Koalitionspapieren der Bundesregierung, dass eine Anerkennung als Sportart vorgesehen ist. Die Prüfung steht noch aus. In den USA, Brasilien, China oder Frankreich führen etablierte Sportverbände eSport durchaus als Sportart.

Allerdings mag sich ein konservativer Prüfer doch sehr über den “Spielbericht” eines Halbfinals der gerade aktuell laufenden wichtigsten eSport-Veranstaltung LoL wundern:

“Heute Morgen kam es zu einem sogenannten „Stomp.“ So nennt man es in League of Legends, wenn ein Team das andere überrennt. Invictus Gaming trat so aggressiv auf, wie man es von ihnen kennt. Alle drei Matches endeten in weniger als 30 Minuten: Im ersten Match drehte der ADC der Chinesen, „JackeyLove“, mit Lucian auf und kam zu 6 Todesstößen. Invictus Gaming dominierte das Match mit 16-4 Kills. Im zweiten Match brillierten der Top-Laner „TheShy“ auf Jayce und „Rookie“ auf LeBlanc bei den Chinesen und holten sich 14 der 18 Kills ihres Team.”

Diese martialische Sprache hängt damit zusammen, dass es sich beim LoL-“Sportspiel” um ein Echtzeit-Strategieanwendung handelt, bei dem zwei Teams gegeneinander kämpfen. Es mag etwas schwieriger sein, einen Bezug zum Sport zu sehen, als bei Sport-Simulationen wie Fußball (FIFA), die auch inzwischen eine Profi-Szene aufweisen. Allerdings wecken die Summen, die von der Computer-Branche in diesem Bereich umgesetzt werden, Begehrlichkeiten.

So wird inzwischen selbst auf Spiegel-Online in der Sport-Rubrik über das WM-Turnier der League of Legends berichtet. Die Klicks will man sich nicht entgehen lassen. So soll das Finale 2017 von 60 Millionen Menschen verfolgt worden sein. SPON vergleicht das mit der Wimbledon-Übertragung 2018: “Der britische Sender BBC und der US-Sender ESPN erreichten mit ihrer gesamten Berichterstattung zusammen etwas mehr als 55 Millionen Zuschauer.” Dazu werden Dollar-Preisgelder in zweistelliger Millionen-Höhe verteilt.

16.200 WM-Teilnehmer

An dieses Töpfchen will der Weltsegler-Verband auch ran. Deshalb erfolgte im April die Ankündigung, die erste eSailing Weltmeisterschaft segeln zu wollen kurz nachdem auch die Kieler Woche bei dem Thema eingestiegen ist. Gespielt wird mit der frei verfügbaren Browser-Anwendung virtualregatta Inshore (Link zum Spiel). Die scheint sich immer weiter zu verbreiten, obwohl die vom eingebauten Automatik-Schiedsrichter vergebenen zehnsekündigen Stopp-Penalties längst nicht gehobenen Ansprüchen genügen. Aber die World-Sailing-Verantwortlichen betonen, dass sie glauben, durch die Segel-Simulation mehr Menschen auch auf das Wasser zu holen.

eSailing

Luvtonnenrundung mit dem Browser Game virtualregatta. © World Sailing

Nun ist also die erste virtuelle WM-Veranstaltung über die Bühne gegangen. Die kommt längst nicht an die Zahlen der Kampf-Spiele heran, aber immerhin soll die eSailing World Championship mehr als 16.200 registrierte eSegler aus 74 Ländern an die virtuelle Startlinie gebracht haben. Sie sind mehr als 80.000 Rennen gesegelt, um schließlich für die Playoffs ein Ranking der besten 1000 Teilnehmer erstellen zu können. Die spielten in einer zweiwöchigen Periode eine Rangliste aus, derzufolge die besten acht Skipper für das Finale wurden nach Sarasota in Florida eingeladen wurden.

Die Skipper waren zwar vor Ort, traten aber eher inkognito unter ihren Nicknames auf, mit denen sie sich auch auf dem virtuellen Wasser bewegen. Drei Franzosen, zwei Italiener und je ein Spanier, Türke, Neuseeländer qualifizierten sich für die drei Finalläufe nach denen die Top Sechs ein Winner-takes-all Rennen um den Titel segelten.

eSailing

Die Anwendung auf dem Tablet. © World Sailing

Am Ende stand ein französischer Doppelsieg (“L1”, “epicure”) vor Italien (“AlessandroMerlino”). Über die Menschen hinter den Bildschirmen – es wurde auf Laptops, iPads und einem Mobiltelefon gespielt – erfährt man wenig. Es soll sich um gestandene real-life-Segler handeln, betonen die Kommentatoren in der Übertragung. Und der Sieger sagt, er nutze das Spiel, um auch für seine Match-Race-Ambitionen zu üben.

In der Pressemitteilung heißt es, dass “L1” 1989 Vize-Weltmeister im Optimisten geworden ist. Er siegte nach einem guten Start in Luv und erwischte dann eine starke Rechtsdrehung des sich nach einem Zufälligkeitsmuster verändernden Windes, mit der er die Führung übernahm. Der nächste Gegner “Cruzolator” aus Spanien fing sich bei der ersten Annäherung einen Backbord-Steuerbord-Penalty vom Franzosen ein, und damit war der Weg schnell frei.

 

 

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden

Ein Kommentar „eSailing World Championship: ex Opti Champ siegt – Ist Computer-Segeln Sport?“

  1. avatar Johannes Bahnsen sagt:

    Das bringt schon sehr Spaß, und ich behaupte es trainiert taktisches Grundverständnis für die Realität.
    Ich bin ja leider in den Pre-Finals rausgeflogen und könnte es auf die zickende Technik schieben (bin mehrfach durch Absturz der App rausgeflogen —> DNF), aber es hätte auch so nicht gereicht. Da sind echt gute Leute dabei.
    Leider gibt es keine vernünftige Kommunikationsplattform für die Spieler.
    Ist hier jemand dabei?
    Cheers- Johannes (Boot: Jubilee – HSC Bundesliga-Team)

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *