Extremsegler: Bourgnon wickelt Sohn ums Rigg – Einhand-Weltumsegelung gegen den Wind

Wie vom Katapult geschleudert

Wer mit Yvan Bourgnon segelt, muss sich auf Spektakuläres gefasst machen. Wer wüsste das besser als Sohn Mathis. Schließlich hat der Papa schon alleine mit einem Strandkat die Welt umsegelt. Aber auf diesen Abgang war er nicht vorbereitet.

Anfang der Woche gingen Yvan Bourgnon (48) und sein Sohn Mathis nach der langen, strengen Lockdown-Phase wieder aufs Wasser. Und am Dienstag, den 26. Mai, gaben sie mit ihrem Nacra F20 gleich richtig Gas. Sie wollten mit dem modifizierten Strandkat vor Port Camargue bei Montpellier am Mittelmeer den Rekord auf der rund 20 Meilen langen Strecke zwischen Pointe de l’Espiguette und Pointe de Beauduc eine Referenzzeit vorlegen.

Die französische Einhand-Legende Kito de Pavant hatte nach der langen Segelpause die Rekordstrecke kreiert, die im Einfluss des Mistrals liegt, wenn dieser das Rhonetal herunter bläst. Er selbst hat die Strecke schon mit seiner Class 40 absolviert (Schnitt 14,5 Knoten Speed), wie auch ein Windsurfer mit einem Durchschnitt von 22,74 Knoten.

Am Draht ums Vorstag geschleudert

Nun wollten auch die Bourgnons zeigen, was mit ihrem Strandkat möglich ist. Dafür bauten sie einen Ausleger nach Luv und Sohn Mathis musste zusätzlich ins Trapez. Was passiert, wenn der Papa bei einem Speed von deutlich über 20 Knoten etwas unaufmerksam ist, erfuhr der Voschoter kurz nach dem Start. Der Katamaran stoppte in einer Welle, und Sohnemann wurde wie vom Katapult abgeschossen, am Draht hängend weit vor das Vorstag geschleudert. Als er in Lee wieder zurückbaumelte kenterte der Katamaran und auch der Skipper musste ins Wasser springen.

Das Vater-Sohn-Duo im Langfahrt-Modus auf den Auslegern des modifizierten Nacra F20. © Bourgnon

“Es war eine Böe, die wir nicht erwartet haben”, erklärt Mathis. Sie richteten den Zweirumpfer wieder auf und gingen kurz danach wieder an den Start. Diesmal absolvierten sie die Strecke in einer Stunde und zwei Minuten mit einem 18,86 Knoten-Schnitt.

Yvan Bourgnon unternimmt inzwischen seine irren Rekordfahrten mit Sohn Mathis. © Bourgnon

Ein schöner Spaß, der unter den Seglern gefeiert wird, die nach ersten Segelbildern lechzen. Für Yvan Bourgnon ist es ein wichtiger Auftritt, um im Gespräch zu bleiben. Schließlich bereitet er gerade eine neues, großes Rekord-Abenteuer vor. Er will alleine gegen die vorherrschende Windrichtung um die Welt segeln und soll dafür Francis Joyons alten 30-Meter-Trimaran IDEC erworben haben:

Zuletzt ist er aber 2018 eher negativ aufgefallen durch Schummelei beim vermeintlichen Bezwingen der Nordwestpassage mit seinem Strandkat ohne fremde Hilfe. Offenbar ließ er sich mindestens 90 Meilen von einer Yacht schleppen.

Aber das scheint dem Ruf des Schweizers keinen Abbruch getan zu haben. Unerreicht und unglaublich ist nach wie vor sein Abenteuer, mit dem Strandkat einhand die Weltumsegelung geschafft zu haben:

Den Stecker auf einem Strandkat ist Bourgnon nur allzu vertraut. Der passiert zurzeit auch anderen Seglern, die ihre Katamarne erstmals nach langer Pause wieder auf dem Wasser bewegen:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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