Extremtörn: Stanley Paris scheiterte dreimal – Vierter Nonstop-um-die-Welt-Versuch mit 81

"Niemand kann Vertrauen in mich haben"

Dr. Stanley Paris hat seit 2013 dreimal versucht, ältester Nonstop-um-die-Welt-Segler zu werden und es nicht geschafft. Nun startet er mit 81 Jahren zum vierten Mal auf seiner Finot-Conq 53 von Knieriem.

Knierim FC53, Stanley Paris

Stanley V. Paris auf seinem Knierim FC53 Fast Cruiser KIWI SPIRIT II. © Knierim

“Ich plane eine unauffällige Abreise”, sagt Stanley Paris. “Nach drei gescheiterten Versuchen kann ich schließlich nicht erwarten, dass jemand noch Vertrauen in mich hat. Schließlich wurde auch mein eigenes Vertrauen erschüttert. Aber ich glaube weiterhin an einen Erfolg.”

Aus den Worten des Neuseeländers Stanley Paris spricht ein wenig die Furcht, sich lächerlich zu machen, wenn er wieder groß angekündigt seinen vierten Versuch startet, die Welt alleine ohne Pause zu umrunden. Aber am Ende will er es sich wohl selber zeigen, auch wenn er nicht jünger wird. Das Scheitern mag er nicht auf sich sitzen lassen, und man muss wohl ein wenig Angst um jemanden haben, der unbedingt seinen Lebenstraum erfüllen will. Die Zeit läuft ihm weg. Nun eben mit 81 Jahren!

Knierim FC53, Stanley V. Paris

Stanley V. Paris © Knierim

Paris legt am Donnerstag in St. Augustine/Florida zum vierten Mal ab. Ziel ist es immer noch, den 150-Tage-Rekord von den Bermudas um die Welt zurück auf die Bermudas zu verbessern, den Dodge Morgan 1986 aufgestellt hatte. Er hat auch noch den Altersrekord im Blick und will außerdem der zweite Segler nach Conrad Coleman (bei der Vendée Globe) sein, der ohne den Verbrauch von Kohlenwasserstoffen ökologisch einwandfrei um die Welt segelt. Dafür hat er sich vor einem Jahr seine 53 Fuß Yacht von Knieriem in Kiel bauen lassen.

Großsegel gerissen

Sein erster Versuch im Jahr 2014 endete, als sich die Püttinge, an denen das Rigg befestigt war, lockerten, und er landete in Kapstadt. Ein Jahr später ließ ihn ein Riss des Großsegelss wieder in Südafrika stranden. Im vergangenen Jahr kam es dann auf dem neuen Schiff früh zu Problemen mit der Elektrik. Die Reparatur erfolgte auf den Bermudas.

Von dort wollte er erneut starten, wurde dann aber vom World Sailing Speed Record Council (WSSR) informiert, dass eine Weltumsegelung mit Start und Ziel auf den Bermudas etwa 346 Seemeilen zu kurz ist, um als Rekord anerkannt zu werden.

Nun startet die Solo-Reise also in Florida, führt um die Bermudas herum in den Southern Ocean, vorbei an Südafrika, Australien, Neuseeland und Südamerika, bevor Paris wieder nach St. Augustine segelt. 160 bis 170 Tage auf See hat er veranschlagt.

Motor explodiert

Paris ist ein Phänomen der Tatkraft: Sein Studium zum Physiotherapeuten finanzierte er sich selbst durch Arbeiten als Ernte- und Landwirtschaftshelfer; als 30jähriger gewann er 25 Sponsoren für eine Motor-Rallye von England nach Indien – auf dem Rückweg wollte er die mehr als 8600 Meilen lange Strecke in unter 12 Tagen schaffen, nach 5 Tagen explodierte der Motor!

1966 zieht er in die USA und arbeitet in der Boston-University-Fakultät als Physiotherapeut. Kurz darauf eröffnet Paris seine eigene Praxis mit zwischenzeitlich mehr als 30 Mitarbeitern. Doch „richtig Geld“ verdient er mit Immobilien: Er kauft ein Hotel auf den Bermudas und hat bei vielen anderen Geschäften „ein glückliches Händchen“.

1996 zog er nach St. Augustine, Florida, mit der Begründung: “Meine Frau und ich wollten unbedingt am Meer wohnen!” Dort gründete er eine Universität, wo hauptsächlich Physiotherapeuten ausgebildet werden.

Die "Kiwi-Spirit" beim Auslaufen zur Weltumseglung © Paris

Die “Kiwi-Spirit” beim Auslaufen zur Weltumsegelung mit seiner ersten Yacht. © Paris

Im gleichen Zeitraum begann sich Paris für Ausdauersport zu interessieren: Er durchschwamm zwei Mal den Ärmelkanal – seine Frau auf der Segelyacht immer in unmittelbarer Nähe – und platzierte sich beim Ironman Hawaii, für den er sich auch erst qualifizieren musste, hervorragend in seiner Alterskategorie.

Als 70jähriger segelte Paris in Etappen um die Welt. 2010 entschied er sich, die erste „Kiwi Spirit“ zum größten Teil selbst zu bauen. Aber er tauschte den 63-Fußer inzwischen gegen den zehn Fuß kürzeren Knieriem-Neubau. Ob es diesmal klappt?

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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