Fahrtensegeln: Mit dem Stahlschiff Fiete durch Europa zum Mittelmeer – Schock im Hafen!

"Wir sind nun um eine Erfahrung reicher"

Anna und Malin (beide 23 und aus Oldenburg) tauschten im Sommer 2019 das Leben an Land gegen eines auf dem Wasser. Über die Kanäle Europas ging es über Metroploen wie Amsterdam und Paris bis ans Mittelmeer. Auf ihren Kanälen bei Instagram und Youtube berichten die Beiden von den Ereignissen. Doch kaum im Mittelmeer angekommen, fand die Reise ein jähes Ende. Wir sprachen mit Anna und Malin über Lecks, Paris und das wunderschöne Verstummen des Motors.

Die Reise mit eurer Sneekermeer „Fiete“ ging im Mittelmeer recht abrupt zu Ende. Was war passiert?

Nach einem wunderschönen Segeltörn von Leucate nach Canet en Roussillon hatten wir uns gegen das Ankern wegen des vorhergesagten Mistrals entschieden, und haben im Hafen von Canet festgemacht. Am Abend entdeckten wir Wasser in der Bilge ­– Salzwasser.
Wir machten uns direkt auf die Suche und entdeckten noch in der Nacht ein Leck im Vorschiff. Beim Versuch den Wassereinbruch zu stoppen wurde das Leck immer größer und wir schafften es nur mit der Hilfe von zwei Bootsnachbarn, den Wasserstand unter Kniehöhe zu halten. Zum Glück war eine Hafen-Security vor Ort, die uns noch in der Nacht eine Kranung ermöglichte. Innerhalb zvon wei Stunden stand Fiete auf dem Trockenen.

Rostschäden an einem Boot

Die Schäden an Fiete waren zu groß. Bild: annaundmalin

Wie habt ihr diese dramatischen Stunden wahrgenommen? War euch da schon bewusst, dass eure Reise beendet sein wird?

Die Geschehnisse haben sich nicht real angefühlt. Mehr wie in einem Film. Wir haben sehr panisch und unüberlegt reagiert. In dem Moment haben wir noch nicht an die Zukunft gedacht. Erst am nächsten Morgen wurde uns das Ausmaß des Schadens bewusst. Wir waren guter Dinge, Fiete zu reparieren, wollten unser erstes eigenes Schiff und das Abenteuer nicht aufgeben. Aber aus dem kleinen Loch wurde ein durchlöcherter Bug und auch am Kiel taten sich immer mehr Schwachstellen auf. Es stellte sich heraus, dass “Fiete” durch Rost zerfressen war. Die Schweißnähte fanden auf dem dünnen Stahl keinen Halt. Somit wurden die zu schweißenden Flächen immer größer und damit stiegen auch die Kosten. Letztendlich mussten wir realisieren, dass unser Abenteuer „Fiete“ hier ein Ende nehmen sollte.

Während einer langen Reise wird das Boot zu einem Zuhause. Wie schwer fiel der Abschied?

Fiete war nicht nur unser erstes eigenes Schiff, sondern auch unser erstes eigenes Zuhause. Wir haben sehr viel Arbeit, Zeit und Liebe investiert und unzählige Erfahrungen mit Fiete gesammelt. Gerne hätten wir “Fiete” mit nach Hause genommen, doch alle Lösungswege sprengten unser Budget. Und so mussten wir “Fiete” in Frankreich stehen lassen und ohne Schiff zurück nach Deutschland.

Boot auf einem Bock

Der Abschied von Fiete fiel Anna und Malin schwer Bild: annaundmalin

Die Reise begann nicht im Mittelmeer, sondern in Niedersachen. Welchen Weg habt ihr genommen, um das Mittelmeer zu erreichen?

Wir sind in unserer Heimat Oldenburg gestartet und über den Küstenkanal und die Ems in die Niederlande. Von Groningen ging es über das IJsselmeer nach Amsterdam und Rotterdam. Von da aus machten wir uns auf den Weg nach Belgien. Nach unzähligen Kanälen und Flüssen gelangten wir auf die Seine und durchquerten Paris – ein Highlight der Reise. Richtung Westen ging es weiter auf der Marne. Nach circa 150 Schleusen erreichten wir die Saone, und gelangten daraufhin über die Rhone ins Mittelmeer.

Boot fährt am Eifelturm vorbei

Die Fahrt durch Paris war definitiv das Highlight der Reise Bild: annaundmalin

Wie lange habt ihr für die Strecke gebraucht? Knapp zweieinhalb Monate waren wir unterwegs, bis wir im Mittelmeer endlich den Mast stellen konnten.

Was würdet ihr Seglern mit auf den Weg geben, welche die gleiche Strecke nehmen wollen? “Fiete” war mit einem Tiefgang von 1,10 Meter optimal für die manchmal sehr flachen Gewässer. Mit einem Tiefgang von mehr als 1,50 Meter könnte es schwierig werden. Zudem hatten wir öfter das Problem von gesperrten Kanälen aufgrund der Trockenheit. Je später im Jahr desto schwieriger und stressiger wird es. Wir waren so ziemlich das letzte Boot, das noch vor Sperrung des letzten Kanals Richtung Mittelmeer durchgelassen wurde. In unseren Augen ist die Bewältigung der über 200 Schleusen mit einer Zweier-Crew deutlich entspannter.

Wenn ihr auf die letzten Monate zurückblickt, welches Erlebnis kommt euch da als erstes in den Sinn?

Das erste Mal Segeln auf dem türkisen Wasser des Mittelmeers bei Sonnenschein und achterlichem Wind. Endlich kein Motorgeräusch mehr.

Boot im Sonnenuntergang

Ein Sonnenuntergang auf See gehört zu den schönsten Augenblicken jeder Segelreise Bild: annaundmalin

Was hat euch dazu bewegt, mit einem Boot quer durch Europa zu fahren?

Die Idee vom Reisen mit dem eigenen Zuhause auf dem Wasser hat uns gefallen. Nach einigen Überlegungen wurde deutlich, dass wir den Winter im Warmen verbringen möchten. Da wir uns und dem Boot die Biskaya nicht zutrauten, entschieden wir uns für den Weg über die Kanäle.

Würdet ihr im Nachhinein etwas anders machen?

Da uns nichts Schlimmes passiert ist, sind wir nun eine Erfahrung reicher und haben ein kleines Lehrgeld gezahlt. Es bringt nichts, sich im Nachhinein darüber Gedanken zu machen. Die gesammelten Erfahrungen werden uns bei der Vorbereitung des kommenden Abenteuers sicherlich helfen.

Hattet ihr vorher schon Segelerfahrung?

Malin hatte keinerlei Segelerfahrung. Anna war öfter als Kind auf dem Segelboot der Großeltern mit. Das nötige Anfängerwissen brachte uns Heiko Krieger, Annas Großvater, bei, der 1972 erfolgreich am „Single-Handed Transatlantic-Race“ teilnahm.

Bleibt ihr weiter dabei? Falls ja, wie soll es weitergehen für Anna und Malin?

Das Segelfieber hat uns im Mittelmeer gepackt. Nach unseren Erlebnissen sind wir nun umso motivierter ein neues Segel-Abenteuer zu starten. Wir werden uns mit einer Feeling 32 auf den Weg machen, die Gewässer der Welt zu entdecken. Ab Frühling zieht es uns erstmal in den Norden nach Norwegen und Schweden. Eine konkrete Route steht aber noch nicht fest.

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