Falsch, Falsch, Falsch

Segelguru™ Bobby Schenk hat auf einer Homepage eine Unterrubrik namens „In den Windgebrochen gesprochen“. Dort ereifert er sich in seinem Eintrag vom 25.01.2010 über Einhandsegler, denen er ein bisweilen gestörtes Verhältnis zur Wahrheit attestiert. Es wäre schön gewesen, wenn Herr Schenk vor seinem Rundumschlag gegen die von ihm wenig geschätzte Einhandseglerschaft etwas Zeit in die Recherche von Fakten investiert hätte. Dann wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass Herr Crawhurst eigentlich Crowhurst heißt und dass Axel Czuday nie die Nordostpassage erfolgreich durchquert hat. Oder, dass Ambrogio Fogar nicht nonstop um die Welt gesegelt ist (und dies auch nicht behauptet hat), er auch nicht verbreitet hat, er habe sich an einer Angelleine wieder an Bord gezogen (sondern an seiner Lifeline), und dass er auch nicht für sich in Anspruch nimmt, das Great Barrier Reef einhand nonstop durchsegelt zu haben (er erwähnt in seinem Buch „400 GIORNI INTORNO AL MONDO“, dass er auf diesem Abschnitt mehrfach geankert hat).

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Herr Schenk wundert sich auch, dass ihm Durchkenterungen, mit Ausnahme die der Yacht Damian (die eigentlich Damien heißt), nur von Einhandseglern bekannt sind. Daraus folgert der Blauwasser-Columbo messerscharf, dass an den Erzählungen von Einhandseglern etwas faul sein muss.

Aber auch hier hätte etwas Recherche sicher gut getan. So kam es beim Fastnet – einem Crewrennen – im Jahr 1979 zu zahlreichen Durchkenterungen (ausführlicher Bericht hier) und auch in jüngerer Zeit stellen sich Yachten trotz Crew auf den Kopf (Beispiel hier).

In diesem Zusammenhang erwähnt er den Weltumsegler Chichester. Aber dass Francis Chichester behauptet hat, er sei mit seiner Yacht durchgekentert, konnte ich nirgends finden. Chichester spricht von einer Kenterung („Capsize“). Das ist ein Unterschied. Unabhängig davon ist es mehr als fragwürdig, einen Francis Chichester ohne jedes Indiz indirekt der Lüge zu verdächtigen.

Natürlich muss man auch den Wahrheitsgehalt einer Reiseerzählung kritisch hinterfragen dürfen. Ich finde auch nichts dabei, einen Lügner selbst dann einen Lügner zu nennen, wenn er schon tot ist. Aber vielleicht sollte man bei Menschen, die sich gegen solche Vorwürfe nicht mehr wehren können, besonders sorgfältig mit den Fakten umgehen. Wenn man so offensichtlich ahnungslos wie Herr Schenk ist, dann lautet mein bescheidener Rat an ihn: Einfach mal die Klappe halten.

Quellen: Axel Czuday, „Allein in der Arktis“, Ambrogio Fogar „400 GIORNI INTORNO AL MONDO“, Francis Chichester „Held der sieben Meere“. Weitere verbale Leichenfleddereien von Schenk hier und hier. Aber wenn es dem Meister passt, dann glaubt er auch Märchen –siehe hier.

03.02.2010 Update

Kurz nach Erscheinen des obigen Beitrags hat sich Bobby Schenk einige meiner Hinweise zu Herzen genommen und seinen Text korrigiert bzw. ergänzt. In Sachen Abrogio Fogar beruft er sich nun – simsalabim – auf einen Vortrag, den Fogar vor 35 Jahren in München gehalten haben soll. Dort soll Fogar behauptet haben, nonstop durch das Great Barrier Reef gesegelt zu sein. Ob auf die Erinnerung von jemandem 100% Verlass ist, der immer noch meint, Fogars Reise sei als Nonstop-Weltumsegelung verkauft worden (Fogar lief mehrere Häfen an), kann dahin gestellt bleiben. Denn selbst wenn Fogar damals davon gesprochen hat, er sei nonstop durch das Great Barrier Reef gesegelt, dann schließt dies nicht die von ihm in seinem Buch “400 GIORNI INTORNO AL MONDO” erwähnten Ankerstopps aus. Denn nach allen mir bekannten Regeln (so z.B. bei der Vendee Globeund dem OSTAR) gilt eine Segelreise auch dann als nonstop durchgeführt, wenn in ihrem Verlauf geankert wurde.

Kannte Schenk in der Ursprungsversion seines Textes nur eine Yacht, die mit Crew durchgekentert ist, sind es jetzt schon zwei, nämlich die Damien und die Tzu Hang. Dass die Yacht Tzu Hang dieses Schicksal ebenfalls ereilte ist richtig. Dass dabei “ein Mann verloren ging”, wie Schenk schreibt, ist das exklusive Wissen des Meisters. Im Buch über diese Fahrt “Once is Enough” haben jedenfalls alle Crewmitglieder den Törn überlebt.

Damit ich richtig verstanden werde: mir geht es nicht darum, jemandem seine mangelnde Sachkenntnis um die Ohren zu hauen. Was ich ärgerlich finde, ist, wenn der grob fahrlässige Umgang mit Fakten die Basis dafür bildet, sich in ehrabschneidender Weise über Einzelpersonen oder Gruppen zu äußern.

Ich habe mich übrigens bewusst darauf beschränkt, mich mit den sachlichen Fehlern in Schenks Artikel zu beschäftigen. Dazu, dass es sich um eine dümmliche Abrechnung mit allen handelt, die ihre Reise auf andere Weise in der Öffentlichkeit präsentieren, als Schenk dies für richtig hält, könnte man sicher auch noch einiges anmerken (leider liefert der Fall Lüchtenborg Leuten wie Schenk die passende Munition) . Mir ist jedenfalls ein Rollo Gebhard, der sich für den Schutz von Delfinen einsetzt, lieber, als ein Bobby Schenk, dem es möglicherweise nur um eines geht: sich selbst.

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