Francois Gabart Comeback: 24-Millionen Deal – Neuer Sponsor für neues Spielzeug

"Saubere Schönheit"

François Gabart (38), schnellster Weltumsegler der Welt, ist nach einem Jahr der Entbehrungen zurück im Spiel der besten Hochsee-Spezialisten. Ein neuer Partner zahlt die Vollendung des jüngsten fliegenden Maxi Trimarans.

Der neue Look von Gabarts neuem Trimaran. © Montage SVR-Lazartigue/@jbepron

Es war eine der erstaunlichsten Nachrichten der französischen Offshore-Szene, als Francois Gabart vor gut einem Jahr den Rückzug seines Sponsors Macif bekannt gab. Das Versicherungsunternehmen beendete nach zehn Jahren die Unterstützung für den gefeierten Weltrekordhalter einhand um die Welt, obwohl der Bau seines neuen Ultim-Trimarans weit fortgeschritten war.

Der Ausstieg schien auch darauf hinzudeuten, dass in Frankreich die stabilste Hochsee-Profi-Struktur der Welt in der Corona-Krise aus den Fugen geraten könnte. Wenn schon der Glamour Boy des Sports, der als 29-jähriger Vendée Globe-Sieger (2012/13) mit schlauer Strategie den Sprung in die Beletage der Sportgrößen schaffte, seine finanzielle Basis verliert, wie soll dann sein Gefolge vom Schnellsegeln auf dem Wasser leben können?

Francois Gabart ist nach längerer sportlicher Auszeit wieder auf Spur. © SVR-Lazartigue

Das Gegenteil war der Fall. Die vergangene Vendée Globe wurde inmitten der Krise zum großen Erfolg. Und Francois Gabart schien abgehängt – mit einem halbfertigen Ultim-Trimaran in der Halle und ohne Geldgeber. Sorgen indes musste man sich nicht um den inzwischen 38-Jährigen machen. Denn mit seinem 2006 gegründeten Rennstall Mer Concept ist er längst bestens im Geschäft. Für die Vendée Globe 2020/21 hatte er die Aufsicht über den IMOCA Apivia und die Vorbereitung von Charlie Dalin (Platz zwei). Und aktuell ist das Mer Concept Team vom favorisierten 11th Hour Racing Team beauftragt, den neuesten IMOCA für The Ocean Race 2022-23 zu konzipieren und bauen.

Gabart selber aber schien sportlich nicht an sein Momentum als Star-Skipper anknüpfen zu können. 2019 verlor er spektakulär auf den letzten Metern das Fastnet-Race. Ende 2018 war ihm Ähnliches bei der Route du Rhum gegen Joyon widerfahren. Jetzt schien ihn auch noch der großer Gegenspieler Armel Le Cleac’h zu überholen, der seit der VG-Niederlage 2013 auf Revanche sinnt. Gerade hat er seinen neuesten Ultim Multi gewassert.

Duell mit dem alten Widersacher

Aber nun wird es das große Duell doch geben. François Gabart kündigt ein großes Comeback an. Er hat in dem Kosmetikkonzern Kresk einen Sponsor gefunden, der laut L’Equipe über die nächsten vier Jahre bis zu 24 Millionen Euro investiert. Darin enthalten sind der Kauf des Bootes, das etwa für 15 Millionen Euro gehandelt wird, und das Betriebsbudget.

Gabart in der Kohlefaser-Höhle seines Ultim-Neubaus. © SVR-Lazartigue

Erster großer Auftritt für den nahezu fertiggestellten Trimaran der neuesten Generation soll im Herbst die Zweihand-Atlantik-Regatta Transat Jacques Vabre werden. Der große fliegende Multihull wird bei Mer Concept in Concarneau fertiggestellt und heißt SVR-LAZARTIGUE, benannt nach zwei Marken der Kresk-Gruppe.

“Für uns ist dieser Zusammenschluss auch ein neuer Schritt in unserer Entwicklungsstrategie im Bereich der sauberen Schönheit”, erklärt Kresk-Präsident Didier Tabary. Parallel wolle das Unternehmen einen weiteren Schritt gehen und mit der Gründung des Kresk4Oceans Stiftungsfonds langfristig in den Schutz der Ozeane investieren. Man wolle zusammen mit François Gabart den Kampf gegen die Plastikverschmutzung aufnehmen und Sensibilisierungs- und Aufklärungsmaßnahmen starten.

Am 22. Juli läuft der Trimaran in den Farben des neuen Sponsors vom Stapel. Dann folgt die komplizierte Phase der Feinabstimmung. Am 7. November startet vor Le Havre schließlich die Transat Jacques Vabre. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, wer als Co-Skipper mit an Bord sein wird.

„Die haben mich einfach ins Meer geworfen!“ – Wie Gabart zum Profi-Segler wurde

Francois Gabart ist von seinen Eltern schon früh an dieses „einzigartige Gefühl beim Segeln“ herangeführt worden, wie er in einem SR-Interview sagt. „Als ich sieben Jahre alt war, hatten meine ziemlich segelverrückten Eltern die Idee, ein Jahr Auszeit unter Segeln zu nehmen. Wir sind rund Atlantik gesegelt, in aller Ruhe, mit reichlich Stopps. Ich wurde also sinnbildlich einfach ins Meer geworfen – und ich hab’ mich pudelwohl dabei gefühlt!“

Gabart, Macif, Vendée Globe, Portrait

Französischer Meister im Opti – ein 1A-Debüt © gabart

Kurz nach seiner Rückkehr startet „Petit Francois“ eine Opti-Karriere und holt 1997 den Titel des französischen Meisters. Zwei Jahre später gelingt ihm das Kunststück erneut in der Europe. 2000 wird er in dieser Klasse EM- Vierter.

2001 steigt er in den Tornado um und segelt ihn bis 2005. Allerdings ohne großen Erfolg. Nach den WM-Plätzen 36, 21, 26 bricht er die Olympia-Kampagne für 2008 ab.

Gabart, Macif, Vendée Globe, Portrait

Erste stürmische Liebe: Der Tornado © gabart

Die Hochsee-Segelei klappt besser. Bei seiner ersten Tour de France a la Voile gewinnt er in der gut besetzten Studenten-Kategorie.

„Damals war mir irgendwie klar, dass ich auf der See mein weiteres Glück finden werde, und nirgendwo sonst!“ erinnert er sich. Er dient sich in der Szene hoch, steht auf ORMA-60-Trimaranen an der Kurbel, nimmt an den großen namhaften Hochseeregatten teil und macht sich schließlich einen Namen erst als hervorragender Trimmer und später als Steuermann.

Vendée Globe, Gabart, Portrait

Gabart alleine auf Hoher See in jungen Jahren © gabart

Es ist die Basis zum Umstieg in die Figaro Einhand Klasse. Hier dominierte er die Nachwuchs-Kategorien, siegt einhand wie im Double. 2009 wurde er gemeinsam mit Kito de Pavant Zweiter bei der Transat Jacques Vabre, 2010 französischer Einhand-Hochsee-Meister. 2011 will er mit Michel Desjoyeaux beim Barcelona World Race im großen IMOCA 60 Fußer siegen, havariert aber mit Mastbruch. 2012 wird er Zweiter hinter Riou beim IMOCA „Europe Warm Up“. Ein Jahr später steht er bei der Vendée Globe ganz oben.

Basis seines Erfolges ist unter anderem ein Ingenieurs-Studium, das er beim Nationalen Institut für angewandten Wissenschaften (INSA) in Lyon mit Bravour abschließt. Im Studiengang Entrepreneurial Engineering befasst er sich insbesondere mit der Gründung eines Beratungsunternehmens im Bereich Ökologie. Seine Stärke soll das Projekt-Management sein. 2012 galt seine Vendée Globe-Kampagne als besonders gut vorbereitet. Dieses Prinzip scheint sich nun doch auch bei dem Vorhaben mit dem Ultim-Trimaran durchzusetzen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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