Gebrauchtboote: Nie waren sie günstiger!

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Der Zeitpunkt zum Kauf einer Gebraucht-Yacht war nie günstiger: Der Markt ist voll und die Preise fallen weiter. Wer analysiert, findet aber auch Yachten mit Wertstabilität. Drei Beispiele für ein lohnendes Investment.

Zweifellos, der Gebrauchtbootmarkt ist überhitzt: Nie zuvor waren so viele Yachten am Markt, wie eine interne Studie der ADAC Sportwirtschaft belegt: Wurden 2009 noch um 90.000 Boote in deutschen Printmagazinen und Online-Börsen gehandelt, sind es nun weit mehr als doppelt so viele.

Jürgen Tracht, Geschäftsführer vom Bundesverband für Wassersportwirtschaft, beobachtet diesen Trend seit Jahren und glaubt an eine Verschärfung der Lage, da „das Durchschnittsalter von Wassersportlern bei 59 Jahren liegt und die Branche schon jetzt jährlich etwa 5.000 Bootseigner verliert.“

Jürgen Tracht, Geschäftsführer vom Bundesverband für Wassersportwirtschaft © tracht

Jürgen Tracht, Geschäftsführer vom Bundesverband für Wassersportwirtschaft © tracht

Gleichzeitig fehle der Nachwuchs, so dass der langjährige Boots-Boom quasi zu einer Überflutung des Marktes führte. Denn hinzu kommt, dass GFK als Bootsbau-Werkstoff deutlich langlebiger ist als einst angenommen. „Nach einer Untersuchung des BVWW sind 80 % aller gebauten GFK-Yachten noch immer im Einsatz. Alles Gründe, die für weiter fallende Preise sprechen.“

Betroffen sind vor allem junge Yachten aus der Großserie. Andere haben den anfänglich rapiden Preisverfall aufgrund des Alters lange hinter sich. Waren sie dann noch wegweisend, besetzten eine clevere Nische oder wurden schlicht wertig gebaut, sind das Anzeichen für einen guten Werterhalt.

SegelReporter stellt drei Yachten vor, die in dieses Raster passen. Eine Wertanlage sind auch sie nicht, aber mit Chance zumindest Boote, die ihren Wert halten. Und die Saison steht vor der Haustür…

Luffe 37 – Zeitlose Eleganz aus Skandinavien

Manche Yachten halten ihren Wert, weil sie alterslos erscheinen. Schärenkreuzer, wie sie auch der Däne Oluf Jörgensen liebte und ab 1973 baute, sind ein Paradebeispiel dafür. Sein Bekanntester war die Ylva, aus deren rassig-schlanken Linien letztlich die zeitlose Silhouette der Luffe 37 entstand. Die Entwurfsidee war „die langen, schmalen Bootstypen weiterzuentwickeln, um auch Seglerfamilien mehr Raum unter Deck zu verschaffen, die eleganten Linien dabei weitestgehend beizubehalten und mit schnellem Segeln zu verbinden“, erzählt der heutige Werftchef.

© privat

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Bereits 1979 entworfen, wird die in Kolding ansässige Dänin auch heute noch auf Anfrage gebaut. Über 30 Jahre Bauzeit, das schaffen nur ganz wenige Modelle. Dabei war der Entwurf damals durchaus mutig, entsprach er doch so gar nicht dem IOR-Formel geprägten Zeitgeist, bauchige Rümpfe zu designen.

Aber die Formeln kamen und gingen, die Luffe blieb und bestach von Beginn durch ihre Segeleigenschaften: 1980 gewinnt sie unter tausend teilnehmenden Yachten Fünen-Rund wie auch mehrmals Seeland-Rund: lange Zeit die größte Regatta der Welt. Bis heute verließen 212 Yachten des Luffe-Gründungsmodells das Werftgelände. Bemerkenswert bei 1988 üppigen 112.500 D-Mark in der Grundausstattung, relativ aber bei einem heute durchschnittlichen Wiederverkaufswert um 45.000 Euro.

„Neben den ansprechenden Linien und den guten Segeleigenschaften liegt das auch an der wertigen Verarbeitung“, meint Gutachter Uwe Baykowski, der selbst eine 37er besitzt. Unter Deck gibt es gegenüber heutigen Raumwundern nur eine genügsame Gemütlichkeit in Teak oder Mahagoni, wegen des schmalen Rumpfes und niedrigen Freibords kein Wunder. Aber: „Die Luffe 37 ist auch ein zeitlos-hedonistisches Schiff für Vollblutsegler mit reduzierten Komfortansprüchen. Sie passt in kein Raster und hält gerade deshalb ihre Klientel!“

Luffe 37

Design Oluf Jørgensen
LüA 11,18 m
LWL 9,70 m
Breite 2,75 m
Tiefgang 1,75 m
Verdrändung 3,80 t
Ballast 1,60 t
Segelfl. a.W.  48 m2 (58m2 mit Genua)
Spinnaker 89 m2
Kojen 3 (+2)
Motor Volvo-Penta (9/ 18PS)
Neupreis 1988 ca. 112.500 DM

Gebrauchtboote 45.000 Euro (für gute/ jüngere Modelle)

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Hinnerk Stumm

... segelt seit Kindertagen, von Jolle bis Dickschiff. Sein Motto: „Segeln ist letztlich völlig überbewertet!“ Weiteres ...
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2 Kommentare zu „Gebrauchtboote: Nie waren sie günstiger!“

  1. avatar Jörg sagt:

    Da Yachten im gesamten Segment in den Preisen absacken , Eure dargestellten Schiffstypen wohl eher als 2. Schiff bei den meisten Seglern in Frage kommen und eben diese Skipper aufgrund des schon vorhandenen Einstiegsschiffes (meist im Bereich 20ft -30ft) bereits selbst einen guten Marktüberblick haben, wäre es eventuell interessanter wie die Preise von seegängigen Einstiegsyachten im 20 – 30ft Bereich (dann ev. sogar mit Pött und Pann segelfertig) so liegen 🙂 Die gibt es dann bereits für 10000 – 20000 EUR voll ausgerüstet.

    Handbreit

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 13 Daumen runter 3

  2. avatar christian1968 sagt:

    Ich find’ die Preisspannen auch sehr verwunderlich, denn ich nehme Segelreporter auch ehr so war, dass ihr kleine uns preiwertere Boote gut findet genauso wie ein gar nicht so kleiner Teil eurer Leserschaft auch.

    Und die Preise bei den 3 genannten Booten sind schon ganz schön knackig. Ich hätte auch eher mal den 10-25 K Bereich ins Auge gefasst.

    Allerdings sind viele 10-30 Jahre alten Yachten einfach zum größten Teil absolut unsexy.
    Grauenvoller Holzausbau, dunkel und voller Schotten. ABER Lichtblicke von heute, wie eine RM 890 oder ähnliches sind ja bald auch günstiger zu haben…

    Und: Bente kommt ja auch noch 🙂

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 5

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