Gekentert: Burghard Pieske und Crew von Russen gerettet – Böe warf Proa um

Kopfüber

Der 75-jährige Abenteurer Burghard Pieske ist im Westpazifik mit seinem selbstgebauten polynesischen Auslegerboot „Ana-Varu“ gekentert. Schot zu spät gefiert.

Der Lübecker Weltumsegler Burghard Pieske hat seiner langen Liste von Grenzerfahrungen auf dem Wasser eine weitere hinzugefügt. Er musste sich und seine polynesische Crew von Rettern aus dem Pazifik bei Guam abbergen lassen.

Die gekenterte Proa „Ana-Varu“ © Pieske

Pieske war mit einer selbst nachgebauten polynesischen Proa und zwei Einheimischen unterwegs von Guam zum Lamotrek Atoll, um im Rahmen seines Unternehmens “Rapa Nui” den Migrationsweg der Polynesier nachzusegeln.

Bei extrem stürmischen Bedingungen hatte er sich mit seiner Crew durch die Nacht gekämpft und viele Stunden am Ruder verbracht. Am Morgen übergab er das Steuer an seine Mitsegler Larri und Eseah und ging unter Deck zum Schlafen. Auch sie waren entkräftet, und übermüdet von der harten Nacht. Als eine starke Böe in das Segel krachte, gelang es nicht rechtzeitig, die Schot zu öffnen. Das traditionelle Auslegerboot kenterte.

NDR Info Audio-Beitrag (Klicken zum Abspielen)

Die Crew stürzte ins Wasser, Pieske befand sich in der umgedrehten Kajüte über Kopf.  Nachdem er sich vom Schreck erholt hatte, griff er geistesgegenwärtig den Notfall-Koffer mit einem EPIRB-Gerät, tauchte aus dem Niedegang, kletterte in das mitgeführte Schlauchboot und alarmierte per Knopfdruck die Seenot-Rettung.

Pieske lässt sich in den 12 Stunden Wartezeit auf Rettung mit der Kamera aus dem Notfallkoffer fotografieren. © Pieske

Dann harrten die drei Segler gut 12 Stunden aus. Larri und Eseah holten per Tauchgang Proviant und Wasser aus dem umgedrehten Schiff. Aber trotz des relativ warmen Wassers sei es sehr kalt geworden, sagt Pieske den Lübecker Nachrichten. Der starke Wellengang habe sie in ihren kleinen Booten – ein weiteres Beiboot war intakt – häufig überspült.

Abgrundtiefe Erschöpfung habe ihn erfasst, heißt es weiter bei den LN aber: „Ich habe mir eine mentale Brücke gebaut, indem ich daran gedacht habe, dass ich meinem Enkel in den Sommerferien das Segeln beibringen will.“

Die Crew wartet auf Rettung. © Pieske

Die Rettung war eingeleitet. Erst wurde sie von Flugzeug Proviant abgeworfen, dann traf am Abend gegen 20 Uhr ein russischer Container-Frachter ein, der die Crew übernahm und 200 Seemeilen vor Guam an ein Schiff der Coast Guard übernahm. Nach zwei Tagen hatten sie auf Guam wieder festen Boden unter den Füßen. Kurz danach flog Pieske wieder nach Deutschland. Die „Ana-Varu“ treibt noch auch See, und sie wird wohl kaum gerettet werden.

Piseke äußert sich begeistert über die Gastfreundlichkeit der Russen und der beteiligten Retter: „Irgendwie scheint manchmal solch eine Katastrophe nötig zu sein, um zu sehen, zu welcher Mitmenschlichkeit Leute fähig sind.“

„Ana-Varu“, als sie noch intakt war. © Pieske

Aufgeben kommt für den Abenteurer nicht in Frage. Das Projekt gehe weiter. Dabei war er mit seiner Proa schon vor drei Jahren bei einem ersten Härtetest vor Guam knapp dem Untergang entgangen.

Danach hatte er vor Heiligenhafen die „Ana-Varu“ weiter optimiert, um mit traditioneller Sternnavigation den Extrem-Törn absolvieren zu können. Auf der boot in Düsseldorf präsentierte er sein Schiff noch den Besuchern, danach war es dann per Container-Transport nach Mikronesien gebracht worden.

Website Burhard Pieske

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Gekentert: Burghard Pieske und Crew von Russen gerettet – Böe warf Proa um“

  1. Mai bis Nov ist in dem seegebiel Taifun Season und no Go für Segler. Was pieske im Juni vor lamotrek macht ist mir ein Rätsel! Ich selbst war mit meinen Boot im April in lamotrek und Palau und dann Anfang Mai in den Phil.
    Eine proa hat nur einen Ausleger,sie sind also durch steuerfehler auf den falschen Bug gesegelt und dadurch gekentert.

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