Geo-Phänomen: Warum die Ostsee im Norden flacher wird – 20 Zentimeter Bewegung

Vom Heben und Senken

In Deutschland reagiert man unter anderem mit Deichbau auf den drohen Anstieg des Meeresspiegels. In Skandinavien dagegen wächst das Land mit.

 Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen und das Wasser steigt und steigt. Einer aktuellen Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zufolge wird sich der globale Meeresspiegel bis ins Jahr 2100 um ganze 0,5 bis 2 Meter erhöhen. Je weiter die Erdtemperatur ansteigt, desto höher die jährliche Anstiegsrate.

Ostsee von oben

Perle der Ostsee: Die Dänische Südsee © vidicom

Auch in den deutschen Küstenregionen ist man alarmiert. In den vergangenen Jahren wurden Millionen Euro in den Deichbau investiert. Bei unseren Nachbarn, so könnte man meinen, müsste es ähnlich aussehen. Doch nicht alle haben das nötig.

Während hierzulande die Küsten durch Klimawandel und den daraus folgenden Meeresspiegelanstieg mancherorts in Gefahr sind, sieht das für die skandinavische Ostseeküste anders aus. Der Grund: Hier übertrifft die Landhebung den Anstieg des Meeresspiegels. Das Land hebt sich schneller als das Wasser steigt.

Landhebung in nördlicher Ostsee

Besonders rasch schreitet der Erhebung der Landmasse ganz im Norden der Ostsee, am Bottnischen Meerbusen in Schweden und Finnland, voran. Daten des Permanent Service of Mean Sea Level (PSMSL) geben genauen Aufschluss über die Entwicklungen des vergangenen Jahrhunderts.

Mehr als 20 Zentimeter hob sich das Land in Teilen dieser Region allein in den letzten 30 Jahren an. Eine Entwicklung, die deutlich sichtbar ist. Steine, die einst nur leicht aus dem Wasser ragten, sind heute fast komplett trockengelegt. In mehreren Tausend Jahren, vermuten Forscher, könnte es sogar eine neue Landverbindung zwischen Schweden und Finnland geben.

Selbst Buckelwal verirren sich schon mal in die Ostsee. Hier 2014 beim Sprungtraining in der Flensburger Außenförde. © Bomholt

Aber was steckt dahinter? Der Ursprung der Entwicklung liegt in der Eiszeit. Seit der riesige Eispanzer, der einst Skandinavien bedeckte, zu schmelzen begann, verringert sich nach und nach der auf der Landmasse lastende Druck. Das Ergebnis: Diese strebt seitdem langsam nach oben. Das Gegenteil passiert an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins. Dort senkt sich das Land sogar leicht ab.

Fahrrinnen werden zu flach

Gelassen können die Küstenbewohner in Schweden und Finnland dadurch aber trotzdem nicht in die Zukunft blicken. Denn die schnelle Landerhebung bringt den Küstenregionen wieder andere Probleme: Fahrrinnen werden zu flach für große Schiffe, Häfen müssen für viele Millionen Euro ausgebaggert werden. Und durch die ungleichmäßige Anhebung der Landmassen kommt es insbesondere während der Schneeschmelze zu Überschwemmungen, weil Flüsse das Meer nicht mehr erreichen.

Wie lange sich die Entwicklung der letzten Jahrhunderte in Skandinavien wirklich noch fortsetzen wird, können auch Forscher nicht sicher vorhersagen. Ob das Meer das Land nicht doch noch eines Tages einholen wird, hängt letztlich vom Ausmaß der Erderwärmung ab.

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